Fortschritt | Das Ein-Mal-Eins zur Computer-Maus

15.05.2012

Die Maus – viele von uns halten sie so viele Stunden am Tag in der Hand, dass es eigentlich nahe liegt, sich genauer mit ihr zu beschäftigen. Denn so plump es klingt: Maus ist nicht gleich Maus.

Von eckig bis ergonomisch: Computermäuse gibt es in den verschiedensten Formen. Foto: © Alexander Laurenzo/Die Neue Sammlung/ddp.

weiß, was man beim Kauf von Computermäusen beachten muss.Marcus Engertweiß, was man beim Kauf von Computermäusen beachten muss. 

Sie ist ein kleines Wunder: Sie liegt auf dem Tisch und ist unsere Schnittstelle zum Computer, damit zu Programmen und auch in das Netz. Bei neuen Computern ist meist eine Maus beigelegt, doch wie hochwertig sind diese Modelle?

Mit Kabel oder drahtlos, wie viele dpi muss sie haben und welche alternativen Eingabegeräte gibt es? Was vor dem Kauf von Computermäusen zu beachten ist, erklärt unser Redakteur Marcus Engert.


Das Interview zum Mitlesen

Marcus, bei ungefähr jedem PC und Laptop, den man kauft, liegt eine Maus bei. Was spricht denn dagegen, die dann auch zu nehmen?

Ja. Jeder, der schon mal eine Sehnenscheiden-Entzündung hatte, der kennt da mindestens einen Grund: nämlich Bedienbarkeit, Gesundheit also. Wie schon gesagt: diese Dinger liegen gratis bei. Das heißt: der Preis spielt hier die entscheidende Rolle, und eben nicht solche Sachen wie ermüdungsfreies Bedienen, gesundheitsschonendes Bedienen, oder eben auch so Zusatzfunktionen, die alles komfortabler machen.

Dann beginnen wir doch mal mit dem, was man sich nicht kaufen kann: nämlich Gesundheit. Was muss eine Maus leisten, damit sie mir nicht schadet?

Die Antwort ist so banal wie kompliziert gleichzeitig. Die Maus haben wir ja in der Hand. Das heißt, sie muss sich an unsere Handfläche anpassen. Ergonomie ist das Schlagwort hier. Eine ergonomische Maus ist so nach oben gewölbt, geschwungen in der Form, sodass wir unsere Hand da recht locker drauflegen können und unverstellt auch. Der Daumen spielt auch hier natürlich eine wichtige Rolle. Deswegen ist das für Linkshänder ein bisschen schwieriger, ergonomische Mäuse zu finden. Da gibt’s nicht so viele. Gibt zwar auch neutrale Mäuse, die für beide Handseiten funktionieren, aber die sind meistens nicht so gut ergonomisch angepasst.

Ein zweiter Punkt neben der Ergonomie, den man gern mal vergisst: das ist das Gewicht. Also eine zu schwere Maus, die strengt an, eine zu leichte Maus macht es sehr schwer den Mauszeiger richtig zu platzieren auf dem Bildschirm und zu bedienen, sodass mit der Zeit der ganze Arm verkrampft. Und man merkt das ja dann gar nicht, wie man verkrampft an so einem Gerät. So als grober Richtwert für’s Gewicht: ungefähr ein mittelschweres Handy oder so zwei bis drei Batterien, das ist ein gutes Gewicht für eine Maus.

Das heißt für mich aber: in den Laden gehen und anfassen und testen auf jeden Fall?

Unbedingt, ja, dazu rate ich unbedingt. Wer da ganz auf Nummer sicher gehen will mit dieser Anpassbarkeit und Ergonomie: es gibt auch Mäuse, die kann man sich personalisieren. Da kann man verschiedene Gewichte reinbauen, die Oberschalen austauschen und so was.

Und wo wir gerade bei Ergonomie sind – gehört hier natürlich auch hin: das Mauspad spielt da auch eine Rolle. Da gibt es welche, die haben eine Auflage für den Handballen, also so einen Stoff- oder Gel-Knubbel, wo man das Handgelenk drauflegt. Das muss man dann nicht künstlich nach oben beugen, wenn man die Maus bedient. Auch so was ist wichtig und wertvoll.

Jetzt hast du schon gesagt, eine zu leichte macht es schwer, den Zeiger auf dem Bildschirm genau zu steuern. Was ist also wichtig dafür, dass die Maus nicht nur gut bedienbar, sondern auch genau ist?

Da sind es zwei Faktoren, auf die man schauen kann: das ist erstens die Auflösung und zweitens die Übertragungsrate. Zur Auflösung: so eine Maus scannt ja ihre Unterlage, ihre Oberfläche ab, auf der sie draufliegt, um die Bewegungen zu bemerken. Je feiner das Raster, mit dem sie da scannt, desto besser ist das. Also wenn wir uns so ein kleines Viereck vorstellen, dann kann ich das ja aufteilen in zwei oder in vier oder in acht Einheiten und misst man diese Auflösung, in dpi wird das gemacht, dann kann man sagen: weniger als 400 dpi sollten es für so eine Maus nicht sein, eigentlich eher 800 oder 1200 dpi. Und wer auch mal irgendwas mit Grafik macht, mit 3D, mit Bildbearbeitung oder mit aufwändigen Spiele, der sollte wirklich so 2000 dpi nicht unterschreiten. Aber: Hier ist mehr nicht automatisch besser. Wenn die Auflösung nämlich zu hoch ist, dann kann es sein, dass die Maus überreagiert und so springt und da muss man dann also drauf achten, dass man das von selbst in den Einstellungen wieder runterschrauben kann.

Und die Übertragungsrate ist dann, nehme ich an, die Geschwindigkeit, in der diese Daten an den PC übertragen werden?

Genau so ist es. Hier nur ganz kurz: bei einer sehr hohen Auflösung der Maus sollten das auch mindestens 1000 MHz sein, diese Übertragungsrate. Und die sollten natürlich auch in einer schönen Bandbreite übertragen werden: 16 Bit zum Beispiel ist besser als 8 Bit – denn sonst haben wir eine riesengroße Datenmenge, die durch so ein kleines Rohr gequetscht werden soll, das bringt’s natürlich auch nicht.

Früher hatten die Mäuse, können sich noch einige dran erinnern sicher, eine Gummikugel unten drin, mit der sie gemessen haben, in welche Richtung sie sich bewegen…

… und die man regelmäßig rausnehmen musste, weil der ganze ekelhafte Dreck und Schmodder sich da drin gesammelt hat. Also das ist zum Glück vorbei. Ich habe es eben schon angedeutet: die machen das heute mit optischen Sensoren. Die meisten Mäuse machen das mit rotem Licht, das sie an die Oberfläche senden und dann messen sie die Reflexionen, die da zurückkommen sollen – übrigens bis zu 2.000 Mal pro Sekunde. Was sich hier nach und nach jetzt durchsetzt und immer mehr kommt, sind Laser, die hier zur Abtastung benutzt werden. Laser haben zwei Vorteile: Die bündeln das Licht besser und die verbrauchen weniger Energie.

Kann man denn sagen, ob drahtlos oder mit Kabel letzten Endes besser ist?

So pauschal nicht. Kabel ist zuverlässig, klar, besser in dem Sinne, dass es auch keine Verbindungsschwierigkeiten hat. Auch leichter zum Beispiel. Drahtlos hingegen erspart einem natürlich den ganzen Kabelsalat, den man so am Schreibtisch hat. Drahtlos muss aber immer mal wieder aufgeladen werden oder mit neuen Batterien versehen werden. Wer’s aber drahtlos möchte, der sollte mal überlegen, ob er nicht ein paar mehr Euro ausgibt und gleich eine Bluetooth-Maus kauft. Bluetooth ist so ein Funkstandard, den haben viele Notebooks automatisch schon an Bord. Da muss man also kein extra Empfänger erst anstecken und spart auch noch Energie.

Jetzt hab ich schon bei vielen Menschen so eine Mini-Maus gesehen. Und andere nutzen gar keine Maus, sondern so einen Trackball oder auch ein Touchpad. Macht so etwas Sinn?

Also der Reihe nach: Diese Mini-Mäuse, Pocket-Mäuse, von denen muss man wohl abraten; zumindest, wenn man länger damit arbeiten muss. Die sind so klein und frickelig, dass Hand und Arm und Schulter da mit der Zeit wirklich verspannen und verkrampfen. Für Kinder natürlich sind sie besser als die großen Mäuse.

Trackballs: da liegt ein Ball quasi in einem Gehäuse und da wird der Ball gedreht und bewegt, statt dass man eine Maus hin und her schiebt zum Beispiel. Ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig, aber manche schwören eben drauf. Die Dinger sind wirklich sehr, sehr präzise und schonen Hand und Handgelenk. Deswegen werden die gern in so großen Konstruktionsbüros eingesetzt.

Touchpads: das sind die Flächen, wie wir’s vom Laptop kennen. Da ist eine Fläche, auf der die Finger umherfahren können. Die gibt es mittlerweile auch als Zubehör, um per USB die quasi anzustecken an und dann auf den Schreibtisch zu legen. Dann hat man da eine Fläche, auf der die Finger herumfahren können. Apple verfolgt dieses Prinzip übrigens auch mit einer eigenen Maus: Magic Mouse, die hat gar keine Knöpfe mehr. Die misst nur noch, was auf ihrer Oberfläche passiert und wie die Finger da umherfahren. Das wirkt natürlich sehr angenehm und modern. Ich habe aber auch schon von vielen gehört, dass die da eine haptische und mechanische Rückmeldung von Tasten vermissen. Auch hier einfach mal ins Geschäft gehen und zehn Minuten ausprobieren und dann ein Gefühl dazu entwickeln, ob so Touch-Anwendungen etwas für einen sind oder nicht.

Am Ende ist es doch noch eine ganz schöne Wissenschaft geworden. Die Maus, mit der wir den Computer bedienen. Welche es da so gibt und worauf es ankommt, das haben wir heute erklärt, im Fortschritt. Und dazu war im Studio: mein Kollege Marcus Engert. Vielen Dank dafür!

 


 

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Wo ist da die Grenze zu ziehen: wann sollte ich mir also ein neues Gerät kaufen?