Der Schwarm – warum die Masse intelligenter handelt, als der Einzelne

08.03.2010

Der Mensch in der Masse handelt nicht etwa planlos, wie lange gedacht. Schwärme entwickeln eine Intelligenz, Gruppen sind klüger als Einzelne. Dieses »kollektive Wissen« nutzen Webfirmen nun aus.

Überall, wo Lebewesen in Massen sich bewegen, folgen Sie einer gemeinsamen Intelligenz. Bestes Beispiel: die riesigen Schwärme von Vögeln, Fischen oder Insekten. Spätestens seit Frank Schätzings “Der Schwarm” ist das alles kein Geheimnis mehr. Doch das war nicht immer so: Das Bild der Masse hat sich gewandelt.

  • Anfang des 20. Jahrhunderts galt die Masse als impulsiv, hysterisch, leichtgläubig und besessen von übertriebenen Ideen. So beschrieb sie Gustave Le Bon in seinem Klassiker „Die Psychologie der Massen“. Nach seiner Einschätzung büßen Individuen in der Masse ihre Kritikfähigkeit ein, die sie sonst durch ihre Persönlichkeit besitzen. Von Freud bis zu den Nationalsozialisten wurde sich auf Le Bons Theorien gestützt. Dies hatte verheerenden Auswirkungen auf die ersten 50 Jahre des letzten Jahrhunderts.
  • Doch Le Bon glaubte auch zu wissen: man müsse das Individuum vor dem Aufgehen in einer Masse schützen. Die Chance zur Mündigkeit lag nach dem Wiederaufbau in der Vereinzelung. Die Freiheitsrechte des Einzelnen wurden unantastbar. In den modernen Demokratien sollte so die kritische Öffentlichkeit die Masse ersetzen. Sich als Individuum frei und unabhängig zu machen, wurde nun zum Ziel.
  • In den letzten Jahren jedoch beginnt sich dieses Bild wiederum zu verändern: die Masse gilt plötzlich als schlau. In dem Bestseller „Die Weisheit der Vielen“ gibt James Surowiecki eindrucksvolle Beispiele für die Überlegenheit der Gruppe gegenüber dem Einzelnen.

Seine Firma nutzt den Effekt, dass die Masse genauer schätzt als der Einzelne, für Voraussagen auf die Zukunft.Ingo HinterdingSeine Firma nutzt den Effekt, dass die Masse genauer schätzt als der Einzelne, für Voraussagen auf die Zukunft. 

Am Beispiel erläutert sieht das so aus: man lässt eine große Menge von Menschen das Schlachtgewicht eines Rindes schätzen. Der Durchschnitt dieser Schätzung wird genauer ausfallen, als die Schätzung von wenigen Experten. Weil Experten aber teurer sind als Laien, öffnet sich hier ein Geschäftsfeld. Dieses Prinzip ist heute im Internet angekommen. Wikipedia, Amazon, Google und co. bauen auf das Wissen von Amateuren, die in der Masse genauer und schneller sind, als einzelne Experten. In den USA gibt es bereits Zukunftsmärkte, auf denen auf Wahlausgänge oder auch Oscar-Gewinner spekuliert wird. Beeindruckend dabei ist: die Vorhersagen sind in der Regel genauer als alle anderen Prognoseinstrumente!

Diesen Effekt nutzen nun “Social Forecasting”-Firmen aus. Sie lassen Ihre Nutzer einfach wetten, und nutzen die “Intelligenz der Massen”. Wir sprachen darüber mit dem Geschäftsführer von Crowdpark, Ingo Hinterding