Es schmiegt sich an, es atmet, es kuschelt – und lebt doch nicht

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Nähe geben, trösten, da sein - allein kann sich der Mensch das nicht geben. Der Designer Stefan Ulrich sagt: "Der globale Jobnomade vereinsamt, und seine Gefühlswelt droht zu verflachen." Darum hat er den "Funktioniden" entwickelt. Kann der einen Menschen ersetzen?


Es schmiegt sich an, es atmet, es kuschelt - und lebt doch nicht Der Funktionide simuliert Atem und Herzschlag und reagiert auf Berührungen und Stimmen. / © Stefan Ulrich

Schon immer sind Designer damit beschäftigt, Produkte so zu entwickeln, dass Menschen die Arbeit damit einfacher und angenehmer wird. Es geht um Leistungssteigerung, um Verbesserung von Effizienz und Effektivität. Doch was sich seit kurzem im Designbereich abspielt, könnte ein Paradigmenwechsel sein. Immer stärker geht es nicht mehr nur um Werkzeuge, sondern um den Menschen selbst - und um die Befriedigung emotionaler Grundbedürfnisse. Die Produkte werden angenehm, hell, warm, sie sollen sich in den Alltag einbinden. Sie sollen interagieren und reagieren. Der Mensch soll sie nicht als störend empfinden. Die Technologie, um dies zu erreichen heißt: elektroaktive Polymere.

Einer, der diese Technologie genutzt hat, ist der Designer Stefan Ulrich. In seiner Arbeit „Neue Versprechen“ entwickelte er einen „Funktioniden“. Ähnlich einer großen weißen Raupe täuscht der Funktionid Atmen und Herzschlag vor und soll so Wärme und Nähe geben in einer Zeit, die zunehmend als Vereinsamt und Unmenschlich empfunden wird. Stefan Ulrich hat sich dazu ausführlich mit quasi-lebenden Materialien und der Schaffung künstlicher Nähe beschäftigt und spricht darüber bei detektor.fm im Interview.

»Stefan Ulrich über den Funktioniden, der Nähe simulieren soll« herunterladen

Funktionide Part II from eltopo on Vimeo.

elektroaktive Polymere

Elektroaktive Polymere sind Materialien, die sich fließend verformen können. Die Polymerfolien ähneln handelsüblichen Klebefolien. Eine Seite der Folie wird mit einem besonders leitfähigen Material beschichtet. Die Folge: beim Anlegen eines leichten elektrischen Stroms bewegt sich die Folie. Sie kann so dünner werden und sich in Länge und Breite ausdehnen. Das ganze Gebilde ist damit eine  elastische Fläche, die sich auf mehr als das Doppelte vergrössern lässt. Stufenlos und ohne Ruckeln. Das Potenzial ist groß: menschliche Haut, künstliche Muskeln, bewegliche Möbel und Wände – all das wird möglich.


Es wurde bereits 1 Kommentar zu diesem Artikel geschrieben. Diskutieren Sie mit.
  1. tamara

    tamara am

    Da kriegt man ja Angst um unsere Kinder. Ob die echte von künstlicher Nähe noch unterscheiden können? Trotzdem: faszinierende Arbeit!

 

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