Helene Hegemanns “Axolotl Roadkill” wird vom Feuilleton überfahren

von Marten Hahn am

Zuerst wurden Lobeshymnen auf sie und ihren Debütroman geschrieben. Dann wurde Hegemann selbst zum "roadkill" des deutschen Feuilletons. ZEIT-Literaturkritikerin Iris Radisch findet das überzogen.


Helene Hegemanns “Axolotl Roadkill” wird vom Feuilleton überfahren Plagiat! schreit das Feuilleton und verteufelt Helene Hegemann. Foto: Jens Schlueter (ddp)

Als literarisches Fräuleinwunder, wurden Lobeshymnen auf sie geschrieben. Mit ihrem Debütroman„Axolotl-Roadkill“ wurde die 18-jährige Helene Hegemann in diesem Jahr sogar für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.

Bald danach fiel sie jedoch in Ungnade. Es kam heraus, dass sie sich für ihr Buch aus verschiedenen Quellen bedient hatte. Nach dieser Nachricht fiel das deutsche Feuilleton regelrecht über sie her. In der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT reagiert die Literaturkritikerin Iris Radisch auf den Schlagabtausch. Ja, sie stellt sich sogar schützend vor die junge Autorin.

Warum, erklärt Iris Radisch bei detektor.fm im Interview:

»Interview mit Iris Radisch zum Fall Hegemann« herunterladen



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  1. GrandCru

    GrandCru am

    Ich würde ja begrüßen, über das Buch zu reden. Aber so wie sich Frau Radisch die Fronten zurechtrückt, baut sie sich einen Popanz auf. Das arrvierte Feuilleton in den traditionellen Medien war zunächst mal gar nicht gegen das Buch. Da wurde unisono gelobt und das Buch für kollossal bahnbrechend gehalten. Erst in Hegemanns eigenem Stammgebiet fing dann eine Debatte an - und die ging teils um die “Intertextualität”, teil sehr stark gegen diese übertriebenen Buchkritiken inkl. der von der Zeit (wo, wenn ich mich recht erinnere, eine Kritikerin das Buch rezensierte). In diesen Diskussionen ging es rigoros auch um die Art und Weise, wie die Feuilletons aufmerksam werden, wenn die Verlage ein Buch auf dem Tablett einer fetten PR-Story servieren können. Der “Spiegel” hat es ja sogar zugelassen, dass ein Redakteur des Ullstein-Verlags das Buch loben und pushen durfte. Und jetzt insinuiert Frau Radisch, irgendwie würden da Männer ihre Bildungsbereiche aggressiv verteidigen. Das ist dann doch etwas lächerlich und geht an der Ausgangslage massiv vorbei.
    Wenn man schon über die Debatte redet, muss man überhaupt feststellen, dass sie zunächst und dann auch weiterhin vor allem im Internet stattgefunden hat. Die Zeitungen sind dann hinterhergedackelt und allmählich wurden dann auch Nach-Rezensionen zugelassen, die weniger euphorisch ausfielen.
    Ganz offensichtlich ist die Aufregung nach allen Seiten hin übertrieben. Weder handelt es sich um ein dolleres Buch als es je eins gegeben hat - im Gegenteil ^^, noch ist die Fabrikationsart des Buches so ein Riesenthema. Man wird nicht lange mehr darüber sprechen. Übrig bleibt bei vielen, die die Buchpromotion verfolgt haben, ein tiefes Misstrauen gegen den Buchmarkt im Jahr 2010. Ich war, als ich im Oktober nach 5 Jahren zum ersten Mal wieder die Buchmesse in Frankfurt besuchte, buchstäblich erschrocken, wie sich das Bild dort verändert hat. Die kleinen Verlage abgedrängter und hoffnungslsoer denn je, gerade auch die guten kleinen Literaturverlage mit eigenem Profil und wirklich interessanten Büchern - und auf der anderen Seite mehr Kameras und krampfhafte irgendetwas so weit zu hypen, dass man mit seinen Büchern ins Fernsehen kommt. Die “Bestseller-Kultur”, ausgerichtet auf die gewissen marktschweren Vertriebskanäle, dominiert mehr denn je. Man kann nur sehnsüchtig darauf warten, dass die Feuilletons wieder bereit sind zu entdecken und sich nicht zum Handlanger der sogenannten literarischen Entdeckungen machen, die die Verlage gerade promoten. Das ist der Hauptpunkt in der Debatte. Iris Radisch versucht hier ein Ausweichmanöver. Na, gucken wir uns doch mal im Frühjahr an, was “groß” besprochen wird und was gar nicht beachtet wird.

 

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