Immer mehr Zappelphilippe – Trend oder vorschnelle Diagnose?

30.01.2013

Bei immer mehr Kindern und Jugendlichen wird ADHS diagnostiziert, sagt ein Bericht der Barmer Versicherung. Der Mediziner und Journalist Werner Bartens warnt im Interview vor ADHS als "Modediagnose".

Ruhig sitzen und aufmerksam zuhören: Wer das nicht kann, bei dem wird oft vorschnell ein Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom diagnostiziert. Foto: © Joern Haufe / dapd.

Ein Kind zappelt, ist unruhig, es passt in der Schule nicht richtig auf und hat Konzentrationsprobleme. Da wird schnell die Diagnose ADHS gestellt.

Immer mehr ADHS-Fälle

Das Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom – auch Zappelphilip-Syndrom genannt – wird bei immer mehr Kindern und Jugendlichen in Deutschland diagnostiziert.

Wissenschaftsredakteur bei der >Süddeutschen ZeitungWerner BartensWissenschaftsredakteur bei der >Süddeutschen Zeitung<. 

Das hat zumindest eine Auswertung der Barmer GEK ergeben. Derzufolge gebe es bei den eigenen Versicherten einen Anstieg bei ADHS-Diagnosen um 42 Prozent im Vergleich zu 2006.

Vorschnelle Diagnosen

Eine andere Studie von Wissenschaftlern der Universitäten in Bochum und Basel kritisiert, dass viel zu schnell und viel zu häufig ADHS diagnostiziert wird.

Werden Kinder und Jugendliche, die aus der Reihe tanzen, oft einfach mit einer Diagnose und entsprechenden Medikamenten ruhig gestellt? Und warum hat die Zahl der ADHS-Diagnosen scheinbar so stark zugenommen?

Darüber haben wir mit  Werner Bartens, Mediziner und Wissenschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung, gesprochen

Kinder haben heute viel stärker zu funktionieren als noch vor 20, 30 oder 40 Jahren – Werner Bartens, Süddeutsche Zeitung