Männlichkeit in der Krise

von am

Bisher waren es immer die Frauen, die für ihre Gleichberechtigung gekämpft haben. Nun setzen sich auch die Männer für ihre Rechte ein.


Männlichkeit in der Krise Der Boxer Wladimir Klitschko zeigt seine Muskeln. Quelle: ddp.

Prof. Walter Hollstein Prof. Walter HollsteinSoziologe und Gutachter des Europarates für Männer- und Geschlechterfragen. Stellen Sie sich mal folgendes Bild vor: eine Höhle im Neandertal, vor ein paar Millionen Jahren. Darin zwei Weibchen, die ein Feuer bewachen. Und draußen ein paar Männchen, die auf die Jagd gehen oder Werkzeuge bauen. Ob die Neandertaler sich Gedanken über ihre Geschlechterrollen gemacht haben, wissen wir nicht. Aber die einfache Unterscheidung zwischen Männlein und Weiblein funktioniert in unserer modernen Gesellschaft schon lang nicht mehr. Nach langer Unterdrückung begann die Emanzipation, die Rechte der Frauen zu erkämpfen. Und seit etwas kürzerer Zeit geht es auch um die Probleme des Mannes. Der Mann ist in der Krise, hört man dabei oft. Ist das so? Und woran merken wir das?

Das haben wir einen der bekanntesten Männerforscher, den Soziologie-Professor und Gutachter des Europarates für Männer- und Geschlechterfragen Walter Hollstein gefragt. Hören Sie hier das Interview:


Es wurden bereits 9 Kommentare zu diesem Artikel geschrieben. Diskutieren Sie mit.
  1. Michael Baleanu

    Michael Baleanu am

    “Der Mann in der Krise”. Da kann man als Mann echt die Krise bekommen!

    Wodurch sind eigentlich solche Aussagen bedingt? Ist es nicht die Tatsache, dass es hauptsächlich um die “Krise” der Männer nach Trennung und Scheidung geht? Geht es eigentlich nicht um die “Krise” die man(n) erleben muss, wenn es um Umgang, Sorgerecht und Unterhalt geht?

    Wenn wir aber genauer hinterfragen: Ist es nicht eher so, dass vom Mann nach wie vor das “tradierte” Alleinernährer-Lebensmodell abverlangt wird?

    Wodurch wird dieses Modell dann durchgesetzt? Durch “tradierte hegemoniale Männerrollen” oder durch die 5. Kraft der Natur, der Rechtskraft?

    Denn es sind doch die Gerichte, die dem Mann eine “verschärfte Erwerbsobliegenheitspflicht” oktroyieren! Die Väter würden sich gerne um ihre Kinder kümmern, die Gerichte verbannen sie aber im Arbeitsgulag der Überstunden, verhaften sie wenn sie weniger zahlen als tituliert oder verbieten ihnen die Kinder zu sehen, bei bloßen Behauptungen der Mutter.

    Die Richterschaft in ihrer unendlichen Unabhängigkeit und “pflichgemäßem freien Ermessen” hat doch eben bewiesen wie stark sie vom feministischen Dogma durchdrungen ist: Es bedurfte Jahre des Kampfes eines Einzelnen um zu beweisen, dass hierzulande Männer diskriminiert werden! (Sorgerechturteil des EGMR im Falle Zaunegger).

    Wir haben also keine Krise des Mannes, sondern eine Krise des Rechtstaates, der Rechtstaatlichkeit, da offensichtliche Diskriminierungen des Mannes, vor allem der Väter, durch Politik, Justiz und Gesellschaft nicht erkannt werden wollen. 

    Wo sind nämlich die Richter, die bei einer Diskriminierung des Mannes, eine Vorlage beim BVerfG gemäß Art. 100 GG einlegen? Wer prüft denn die Urteile “Im Namen des Volkes”, wenn man(n) ganz genau weiss, dass nur ein minimaler Bruchteil der Verfassungsbeschwerden überhaupt noch bearbeitet werden (ähnliche Überlastung beim EGMR)?

    Der Diskurs radikalisiert sich zunehmend, da die Medien offensichtlich fest in feministischer Hand sind und damit die Diskriminierungen der Männer niemals zu Wort kommen: Die Eingaben betroffener Männer werden meistens von alleinerziehenden Frauen, die solche Eingaben entgegennehmen geblockt.

    Somit haben wir auch eine Krise der Medien, denn sie nehmen nur eine Sicht der Probleme wahr: Die Hälfte der Gesellschaft wird ausgeblendet!

  2. Junggeselle

    Junggeselle am

    Kaum eine Phrase ist so ausgelutscht wie die vom “Mann in der Krise”. Wenn es überhaupt eine solche Krise gibt, dann ist sie von Feministinnen gezielt und gewollt herbeigeführt worden. Sich nun über die Ergebnisse dieses Prozesses zu wundern, ist reichlich daneben.

    Ich kenne auch keinen Mann, der sich in einer Krise befindet, weil er ein Mann ist oder besser: nur weil er ein Mann ist. Die Lebenskrisen, in denen sich z.B. manche Scheidungsväter befinden, weil die Ex-Gattin ihnen den Umgang mit den Kindern verwehrt, ist nur zu verständlich. Aber auch diese “Krise des (einzelnen) Mannes” wäre vermeidbar, würde die Gesellschaft die Rolle des Vaters mehr wertschätzen und Männern hier die fehlende Gleichberechtigung zuerkennen.

    Wenn es überhaupt ein Geschlecht gibt, das sich in einer ernstzunehmenden Krise befindet, dann ist es das (ehemals) weibliche, das in einer schweren Identitätskrise steckt. Frauen sind heute nicht mehr feminin, und das macht sie für Männer immer weniger anziehend.
    Immer mehr Männer ziehen sich zurück aus Partnersuche, Zweisamkeit und Familiengründung. Das bedeutendste Machtmittel, das Frauen seit jeher hatten, ihre erotische Ausstrahlung, steht ihnen kaum noch zur Verfügung. Frauen sind heute Miniaturausgaben des Mannes. So hat es der Feminismus, der Weiblichkeit verabscheut und heterosexuelle Beziehungen diskreditiert, gewollt.

    Männer dagegen mögen von den Medien in die “Krise” geschrieben werden, aber nicht desto trotz sind sie immer noch deutlich als Männer wahrnehmbar. Umgekehrt lässt sich das von vielen Frauen nicht mehr ohne weiteres sagen.

  3. Peter Hanhausen

    Peter Hanhausen am

    Zunächst einen herzlichen Dank an die Redaktion von detektor.fm,
    für eine ergänzende Berichterstattung.
    Wann hatten Sie den guten Mann denn aus dem Bett geklingelt, er wirkte ein wenig verschlafen?!

    Ich habe mir mal irgendwann erklären lassen, dass ich kein Nachkomme eines Neandertaler sei.
    Bis eben hatte ich dies angenommen, aber der Redaktion von detektor.fm sei Dank, bin ich jetzt wieder in der Spur.
    Gilt die Klärung der Abstammung vom Neandertaler nur für Männer?

    Nicht allein dem Feminismus gebührt der “Dank”.
    Sondern dem unfreiwillig zustande gekommenen Ergebnis aus konservativen, kapitalistischen und feministischen Bestrebungen, in alle nur erdenkliche Richtungen.
    Die entstandenen unüberbrückbaren Differenzen zu sozialen Grundwerten hat der “kleine Mann” auszuhalten.
    Ehe, vs. Ein-Elter-Familie, Patchwork
    Flexibilisierung am Arbeitsplatz vs. Präsenz
    Entlassungen vs. Unterhaltsforderungen
    Summe aus den Konflikten+zu ertragenen Dummschwatz vs. Gesundheit

    Die Schultern der Männer mögen breiter sein als die der Frauen, aber auch deren Traglast ist begrenzt.
    Was vom Mann gefordert wird ist schlicht nicht zu leisten.

    Aus der Benachteiligung der Frau wurde “Die Hätschelkinder der Nation” (FAZ).

    Nun kommen sie alle raus, aus ihren Löchern und es gilt wieder Schuldige zu finden.
    Schuld an den leeren Rentenkassen, schuld an der Abstinenz vom Kind. Schuld an der Altersarmut der Frau, Schuld an der Inakzeptanz zur Intersexualität, Schuld am Hunger in der Dritten Welt, Schuld am umgekippten Sack in China.

    Ja, und was soll uns das Foto vom Wladimir Klitschko nun aufzeigen?
    Alles Pose, mit leerer Hose?

    Mein junger Arbeitskollege erzählte mir soeben eine nette kleine Begebenheit vom vergangenen Wochenende.
    Party, mit einigen Bekannten und Freunden!
    Sie (nein, nicht Partnerin), bildhübsch und sturzbesoffen, liegt mit gespreizten Schenkeln, bloßgelegten Brüsten und fingernd halb auf einem Sessel, als er auf sie zugeht.
    Sie fordert ihn auf, “ihn” doch wenigstens für 5 Minuten reinzustecken.
    Er verneinte und wandte sich ab.
    Sie zeigte ihm den “Effe” und sprach: “Du Arsch!”
    Er ist 27, sie 16!

    Ja, wir Männer stecken in der Krise, bei dem Angebot ...

  4. Robert

    Robert am

    Liebe Geschlechtsgenossen,

    ich fand es einfach ein sehr interessantes Interview. Zumal ich nicht den Verdacht habe hier einer weiblichen Welt-Verschwörung zum Opfer zu fallen, hat doch ein Mann den Artikel geschrieben. Ich kann jedenfalls keine Verschwörung erkennen, wo Frauen dafür sorgen, dass Männer nicht zu Wort kommen.

    Und auch sonst habe ich kein Problem mit selbstbewussten Frauen, im Gegenteil. Ich fühle mich im Jahr 2010 sehr wohl. Dem alten Rollenbild mit der Frau als Hausfrau und Mutter kann ich persönlich jedenfalls nichts abgewinnen.

  5. Tobi Knorke

    Tobi Knorke am

    Die Kommentare hier und bei dem anderen Männer-Artikel schreien förmlich nach einer Zusammenfassung: getroffene Hunde bellen!

    Merken Sie nicht, dass Sie sich lächerlich machen? Sie zeigen vollkommen offen, dass Sie 1.)voreingenommen 2.)unreflektiert 3.)unsachlich und 4.) irgendwie auch beleidigt sind.

    Zum Glück scheint wenigstens mein Vorredner hier und die Redaktion das nicht zu sein. Denn wären wir alle so, DANN stämnde es wirklich schlimm um uns…


    Nebenbei: Peter Hannhausen, lassen Sie Ihre Schmuddel-Geschichten doch bitte in Ihrer Phantasie oder zu Hause. Eine beliebige Einzelgeschichte - Was soll das hier? Einen Zusammenhang Ihres Kommentars mit dem Bemühen hier, zu diskutieren, kann man nur mit SEHR viel Gutmütigkeit und Vorsatz erkennen. Oder anders: den gibt es nicht.

  6. Michael Baleanu

    Michael Baleanu am

    @Robert & Tobi
    Wenn mich nicht alles täuscht, hatten wir nichts mit der Redaktion zu tun, bis auf die Wahl des Titels.

    Wenn Ihr dagegen nichts habt, dann könnt Ihr Euch gerne in der “Krise” wohl fühlen. Ich persönlich habe keine Krise, ich habe sie lediglich woanders ausgemacht. Soviel zur übermittelten Botschaft.

    Wenn aber jemand aus den ersten drei Postings herausliest, dass “Dem alten Rollenbild mit der Frau als Hausfrau und Mutter” gehuldigt werden soll, der “zeigt vollkommen offen, dass er 1.)voreingenommen 2.)unreflektiert 3.)unsachlich und 4.) irgendwie auch beleidigt sind.”.

    Denn er beweist auch “übersinnliche” Fähigkeiten: Da wird etwas in einem Kommentar hinein interpretiert, das so nie gesagt wurde. Die Schlüsse die man voreilig zieht, lassen schon erahnen, dass es gesellschaftliche Gruppen gibt, die Angst vor der Wahrheit haben.

    “Reformen kommen immer von den Benachteiligten. Wer vier Asse in der Hand hat, verlangt nicht, dass neu gegeben wird.” (Wilhelm Hennis) (Auch die Nomenklatura der DDR hatte kein Reformbedarf gesehen.)

    Daher ist es eine historische Tatsache, dass normalerweise die Privilegierten Angst haben und “bellen”.

  7. XRay

    XRay am

    Manche - insbesondere auch Männer - wollen halt nicht begreifen, dass in den Jahren des Feminismus Männern das feministische Korsett aufgenötigt wurde.
    Die Freiheit der Frau ein beliebiges Rollenmodell wählen zu können, zwingt Männer eben dazu, das zu tun was Frauen übrig lassen wollen. Wenn Frau einen Vater für ihr Kind braucht, dann soll er Vater sein, wenn sie nur einen Unterhaltszahler braucht, dann soll er halt nur Unterhalt zahlen.
    Wenn eine Frau eine Stelle antreten will, die gleichzeitig 100 Männer haben wollen, dann hat die Frau Vortritt zu haben usw. Die Bevorrechtung von Frauen zieht schon extreme Kreise.
    Die grundgesetzliche Formel, dass niemand auf Grund seines Geschlechts, seiner Religion, Hautfarbe usw… benachteiligt werden soll, scheint bereits der Vergangenheit anzugehören. Dafür gibt es dann etwas wie “positive Diskrimminierung” oder - wie im Fall von Vätern “positive Entsorgung”.
    Wer nur die Männlichkeit in der Krise sieht, muss - Angesichts einer totalitären Philosophie wie der des Gender-Mainstreamings - einäugig sein.

  8. Junggeselle

    Junggeselle am

    @ Tobi Knorke: Ihr Tonfall ist anmaßend und Ihre Vorwürfe sind hanebüchen.
    Wenn Männer der öffentlichen Darstellung ihres Geschlechts als “krisengeschüttelt” widersprechen und auf eigene Benachteiligungen hinweisen, charakterisieren Sie das ziemlich dumpf und pauschal als “voreingenommen, unreflektiert, unsachlich und beleidigt”.

    Zunächst einmal würde ich diese vier Begriffe einmal sacken lassen und mich an Ihrer Stelle einmal selbstkritisch fragen, ob Ihr eigener Beitrag diese Charakterisierung nicht viel eher verdient.

    Und zum zweiten rate ich Ihnen, sich einmal unvoreingenommen mit den Problemen und Benachteiligungen auseinanderzusetzen, denen Männer heutzutage ausgesetzt sind.
    In dem Link, den ich hier angefügt habe, können Sie nachlesen, dass alle Benachteiligungen von Jungen und Männern belegt und signifikant sind. Beschäftigen Sie sich doch bitte erst einmal damit, bevor Sie hier so unsachlich Andersdenkende angehen!

    Ich mache immer wieder die frustrierende Erfahrung, dass gerade viele Männer den Feminismus meinen eisern verteidigen zu müssen und ebenso energisch wie feministische Frauen der Meinung sind, man könne Männerrechtler nicht ernst nehmen. Etwas mehr Selbstachtung täte Ihnen gut, meine Herren!

  9. Peter Hanhausen

    Peter Hanhausen am

    Tobi Knorke,

    “Einen Zusammenhang Ihres Kommentars mit dem Bemühen hier, zu diskutieren, kann man nur mit SEHR viel Gutmütigkeit und Vorsatz erkennen. Oder anders: den gibt es nicht.”

    Ich höre mir solche netten Geschichtchen beinahe zu jedem Wochenbeginn an, weil ich beruflich in zahlreichen Kontakten zu jungen Männern stehe.
    Die kurz erzählte ist die aktuellste.
    Möchten Sie, dass ich noch mehr davon einstelle?
    Das Bild der jungen Frau von heute ist bei jungen Männern alles andere als durchweg positiv, die Themen Partnerschaft und Kindesfolgen betreffend.
    Ich denke, dass dies zentrales Thema der Geschlechterdebatte ist.

    Meine abschließende Bemerkung zur Geschichte sollte dann auch verdeutlichen, dass das hier diskutierte Problem der geschlechtsbezogenen Desorientiertheit nicht allein die Männer betrifft.
    Die Männer aber insoweit, dass diese mit derartig desorientierten Mädels auch nichts anfangen werden können.

    Wie bitteschön soll ein Mann mit einer solchen Frau, die den Moment lebt, eine Familie gründen und seinen Kindern ein Vater sein können?
    Oder wurde Vaterschaft bereits als Teil des Mann-Seins allgemein aberkannt und ich habe hiervon schlicht nichts mitbekommen?

    Dass ich die Ursachen nicht allein dem Feminismus zuschreibe entnehmen Sie, mit ihrem größtmöglichen Maß an Gutmütigkeit, meinen Ausführungen in Absatz 3.!

    Ja, getroffen wurde ich, zugegeben.
    Allerdings weder durch die von der SPD über Gesterkamp gestarteten Schmuddelkampagne, noch mit einem vorangegangenen Beitrag von detektor.fm.
    Gesterkamp hatte geortet, ohne seinen Ausgangspunkt Preis zu geben.
    Er hätte ebenso gut berichten können, dass er keine NPD-Mitglieder bei den LINKEN ausgemacht hat.
    Dass die von Gesterkamp angeklagten Vereine keine politischen Parteien sind, sondern Interessen gemäß Themenschwerpunkten bearbeiten, lässt allenfalls den Schluss zu, dass diese keiner politischen Vorgabe entsprechen.
    Seine “Expertise” findet auch Anwendung für BILD-Leser/innen, detektor.fm-Hörer, Tauch- und Tanzsportvereine.
    So was kann nicht mit Wirkung treffen, nur Staub aufwirbeln und Krach machen.
    Getroffen wurde ich, mit einer Waffe, die sich deutsches Familienrecht nennt.
    Nicht, weil ich mich als Pascha um nichts kümmerte, sondern weil ich mit meinen zwei Beinen den von mir erwarteten Spagat über drei Punkte nicht sauber ausführte.

 

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