Stephen Hawking: Warum ist er berühmtester Wissenschaftler der Welt?

09.01.2012

Er wird als berühmtester Wissenschaftler der Welt bezeichnet, auf jeden Fall zählt er zu den bekanntesten: Stephen Hawking. Am Sonntag ist der Brite 70 Jahre alt geworden. Doch wissen Sie wofür er eigentlich berühmt wurde?

Ist der Weltraum für Stephen Hawking unendlich weit? / Foto: © andy-h / pixelio.de

Direktor des Max Planck Institut für Gravitationsphysik HannoverProf. Dr. Bruce Allen Direktor des Max Planck Institut für Gravitationsphysik Hannover 

Er hat mehrere Bücher über Astrophysik geschrieben und wird von Kollegen und Fans gleichermaßen gefeiert.

Doch was hat Stephen Hawking eigentlich genau geleistet und warum ist das so spektakulär? Diese Fragen wollen wir beantworten.

Deshalb haben wir mit Bruce Allen gesprochen. Er ist Direktor des Max Planck Instituts für Gravitationsphysik in Hannover und hat schon mit Stephen Hawking zusammen gearbeitet.

Hinweis: Bruce Allen antwortet auf die deutschen Fragen auf Englisch.

Der komplette Audiobeitrag (mit übersetzten Antworten) zum Nachlesen:

Stephen Hawking hat mehrere populärwissenschaftliche Bücher geschrieben, die auch sehr erfolgreich waren. Sein berühmtestes Werk heißt „Ein kurze Geschichte der Zeit“. Worum geht’s da?

Das ist ein erfolgreiches Buch, das Kosmologie und die Allgemeine Relativität beschreibt. Es geht darum, wie das Universum entstanden ist und wie es vielleicht enden wird. Aber Stephen ist in der Wissenschaftswelt gar nicht so sehr für seine berühmten Veröffentlichungen bekannt, sondern tatsächlich eher für seine Forschungsarbeit.

Stephen Hawking sucht schon sehr lange nach einer Art „Weltformel“. Er will die Allgemeine Relativitätstheorie mit der Quantenmechanik verbinden. Was hat er vor?

Stephen hat in den 1970er Jahren eine sehr interessante, und meiner Meinung nach auch enge, Verbindung zwischen der Allgemeinen Relativitätstheorie, Einsteins Gravitationstheorie und der Quantenmechanik entdeckt. Er hat herausgefunden, dass Schwarze Löcher Energie verlieren, weil sie Partikel abstrahlen. Und das ist ein quantenmechanischer Prozess, der sehr stark mit der Gravitation zusammenzuhängen scheint.

Wie hat es Stephen Hawking als Forscher geschafft, so berühmt und auch beliebt zu werden?

Zuerst einmal ist Stephen ein extrem intelligenter Mensch – er ist ein sehr guter Mathematiker und hat jede Menge physikalisches Fachwissen. Ich denke, dass dieser Umstand  allein schon ausgereicht hätte, um ihn berühmt zu machen. Aber das nicht noch nicht alles. Ich glaube, dadurch, dass er so hochgradig behindert ist und mit diesen immens widrigen Lebensumständen zu kämpfen hatte – auch das hat viel zu seiner Berühmtheit beigetragen.

Er kann also wissenschaftliche Zusammenhänge einfach erklären, ist erfolgreicher Buchautor, manche vergleichen ihn mit Einstein. Warum hat Stephen Hawking noch keinen Nobelpreis?

Als ich noch studiert habe, hat Stephen immer gesagt: „Wenn im Spektrum der Gamma-Strahlen ein Wellenberg entdeckt worden wäre, dann hätte ich den Nobelpreis gekriegt.“ Denn dieser Wellenberg wäre der Beweis gewesen, dass es in der Entstehungsphase des Universums ganz kleine Schwarze Löcher gab, die heutzutage freigesetzt würden. Ich denke, der Hauptgrund liegt darin, dass Stephen keine Vorhersage getroffen hat, die durch Experimente tatsächlich belegt werden konnte. Bis jetzt wurde der Nobelpreis immer an Forscher verliehen, die eindeutig beweisen konnten, das sich das Universum ausdehnt.

Sie haben selbst schon mit Stephen Hawking zusammen gearbeitet. Wie haben Sie ihn denn so erlebt – wie ist er so als Mensch und als Wissenschaftler?

Das erste mal habe ich Stephen vor 32 Jahren als Student in Cambridge getroffen. Ich konnte sehr gut mit ihm zusammenarbeiten. Er bestätigte in keinster Weise irgendwelche Vorurteile, die man vielleicht von berühmten Wissenschaftler haben könnte. Er war immer sehr direkt, man konnte sich gut mit ihm unterhalten und er war eine tolle Lehrkraft. Als Mensch ist er sehr willensstark – er kämpft weltweit mit am längsten gegen seine Krankheit (ALS) an. Ich fand es immer bemerkenswert, dass er, anstatt in Selbstmitleid zu versinken, einfach machte, was er sich vorgenommen hatte und wozu er sich in der Lage sah. Er hat davon übrigens auch kurz in seinem gestrigen Vortrag erzählt. Er war zu krank, um den Vortrag selbst zu halten, er schickte uns eine Aufzeichnung. Aber er sagte, dass er eigentlich erst richtig anfing zu arbeiten und sein Leben schätzen zu lernen, als er krank wurde.