Album der Woche: Bombay Bicycle Club – A Different Kind Of Fix

05.09.2011

Binnen drei Jahren haben Bombay Bicyle Club drei Alben rausgebracht. Da könnte man skeptisch werden. Wer es so eilig hat, kann doch nicht konsequent gute Songs abliefern. Die Band aus London beweist: Man kann. Noch dazu haben sich Bombay Bicycle Club mit ihrem neusten Wurf schonwieder neu erfunden.

Gerade mal Anfang 20 und schon drei Alben gemacht - Bombay Bicycle Club. (Foto: Universal Music)

Wären Bombay Bicycle ein Jahrzehnt früher auf der Bildfläche erschienen, sie würden die Mixtapes unzähliger verliebter Teenager füllen. Ihr jugendlicher Charme ist einfach ansteckend. Die Fans identifizieren sich mit ihrer Band. Und dann dieser Fleiß: Drei Alben in drei Jahren. Die Mannen um Sänger Jack Steadman haben aber nicht dreimal dasselbe Album aufgenommen, sie haben sich drei Mal neu erfunden.

Most songs, like if we take the new single, Shuffle, it started just as a song that I made by myself. And everything was electronic.

„Ein zerhacktes Piano-Sample und ein Hip-Hop-Beat, das waren die Ausgangspunkte für den Song“, sagt Steadman, der schon immer nebenher elektronische Musik gemacht hat. Aus seinen experimentellen Schlafzimmer-Ideen einen Band-Song zu machen, hätte auch in die Hose gehen können. Ist es aber nicht. Ganz im Gegenteil.

Als Bombay Bicycle Club anfingen, Musik zu machen, drückten die Bandmitglieder allesamt noch die Schulbank. Das hochgelobte Debütalbum entstand 2009 quasi zwischen den Hausaufgaben. Gerade mal ein Jahr später folgte ihr zweites Werk. Und das klang komplett anders. Akustik- statt E-Gitarre, seichte Percussion statt wuchtigem Schlagzeug. Nun sind die Verstärker wieder an. Die neuen Songs klingen zwar meist nach Rockband, entstanden sind sie aber nicht an der Gitarre, sondern am Computer.

When you do a lot of stuff on the computer, you’re using a more sort of cut-and-paste approach. It’s more about loops and things just coming in and out. Like dance music.

Kopieren und Einfügen, das sei die Herangehensweise, wenn man Songs am Computer schreibt, meint Steadman. Statt den üblichen Strophe-Refrain-Mustern spiele man viel mit Loops. Wie bei elektronischer Musik eben. Und so basieren viele der neuen Lieder nur auf eins, zwei Ideen. Ideenlos wirkt das Album deswegen keinesfalls. Vielmehr ist es die perfekte Symbiose aus elektronischen Ansätzen und deren Umsetzung als Band.

Da wäre zum Beispiel der Song Lights Out, Words Gone, in dem Steadman mit seiner schüchternen, ein bisschen quengelnden Stimme immer wieder ein und dieselbe Textzeile singt. Das wirkt irgendwann so mantraartig, dass man sich in dem Song wunderbar verlieren kann. Begleitet wird Steadman hin und wieder von Gastsängerin Lucy Rose – ein gesangliches Traumpaar, dem man nur zu gerne zuhört.

We’ve been talking about this album a lot as an electronic album but not all the songs are like that. There’s a couple of acoustic songs on this album as well.

Nicht alle Songs seien mit der neuen, elektronischen Herangehensweise entstanden, berichtet Gitarrist Jamie MacColl. Ein paar akustische Songs machen das Album ganz schön vielfältig. Kein Wunder, haben Bombay Bicycle Club doch gleich mit zwei Produzenten an drei unterschiedlichen Orten gearbeitet: London, Hamburg und Atlanta. In letzterer Stadt war es kein geringerer als Ben Allen, bekannt als Produzent von Animal Collective, der Hand angelegt hat. Für den Song Take The Right One hatte er die Idee, gleich vier Versionen aufzunehmen, jede mit noch mehr Effekten versehen, als die davor. Am Ende legte er alle vier Versionen übereinander und spielte sie gleichzeitig ab.

Musikalisch lässt sich A Different Kind Of Fix mit schön schwer einordnen. Genau das ist es ja auch, was die Band will, wenn sie sich mit jedem Album neu erfindet. Auch in Sachen Stimmung wollen sich die Londoner nicht festlegen. Ausgelassenheit und Melancholie harmonieren auf der Platte in wohligem Einklang. Themen und Inhalte lassen sich schwer fassen; sind mehr Fragmente und Andeutungen. Steadman fühle sich einfach besser damit. Schließlich seien seine frühen Songs doch oft zu unreflektiert gewesen.

Any human being would be embarrassed about things they did when they were 16 or 17. But for us it was we were making music everyone could listen to. It weren’t just your friends knowing about your silly hobbies when you were a teenager.

Jeder würde sich für die Sachen schämen, die er mit 16 oder 17 getan hat, so Steadman. Wenn man aber in einer Band spielt, könne sich jeder diese Sachen anhören, nicht nur die vertrauten Freunde. Das Resultat dieser Erfahrung: Bombay Bicycle haben keine Angst mehr vorm Risiko. Sie sind permanent auf der Suche nach ihrem Sound. Gefunden haben Sie ihn noch nicht. Und das steht ihnen gut. Wir freuen und schon mal auf Album Nummer vier. Müsste der Regel nach ja nächstes Jahr erscheinen und wieder komplett anders klingen