Album der Woche: Of Monsters And Men – My Head Is An Animal

30.04.2012

Sollte es der isländischen Band Of Monsters And Men irgendwann an ihren Instrumenten zu langweilig werden, dann könnten sich die sechs Musiker ihr Geld als Märchenerzähler verdienen. Auf ihrem Debütalbum „My Head Is An Animal“ erzählen sie Geschichten von Bienen mit dreckigen Füßen, Ausritten auf einem Wal und einem Treffen mit den Geistern der Vergangenheit. Die verpacken sie in zuckersüße Melodien und schaffen so die perfekten Popsongs.

“Die Leute haben keine Lust mehr auf Herzschmerz” - Of Monsters And Men (Foto: Anthony Bacigalupo)

Of Monsters And Men - My Head Is An Animal

My Head Is An Animal

Of Monsters And Men

(Universal, bereits erschienen)

Um Eines gleich vorweg zu nehmen: Of Monsters and Men wollen nicht ernst genommen werden. Ihr erstes Album, die erste Tour – für die sechs Isländer ist das alles eine riesen Party. Hauptsache es gibt Schokokuchen, bunte Hüte und Luftballons, sagt Keyboarder Arni. So wie bei den Aufnahmen zu ihrem Debutalbum.

Wir haben das Album im März aufgenommen und feierten meinen Geburtstag im Studio. Es gab Kuchen und eine Menge Luftballons. Wir sind Kinder im Körper eines Erwachsenen.

Und das nimmt man ihnen sofort ab. Ihr Debütalbum My Head Is An Animal kling wie der Soundtrack für einen Kindergeburtstag, mit Luftschlangen, Verstecken spielen, Seil hüpfen, bunter Limo und ganz lange wach bleiben.

Ihr Album war noch nicht veröffentlicht, da waren die Konzerte in den USA und in Deutschland schon ausverkauft. Die sechs Isländer können selber kaum glauben, was in den letzten Wochen und Monaten mit ihnen passiert ist. Anfang 20 sind sie und machen seit zwei Jahren zusammen Musik. Mit Little Talks gewannen sie einen isländischen Newcomer Wettbewerb und dann ging alles ganz schnell: Die Single stand wochenlang auf Platz eins der isländischen Charts, die Band nahm das erste Album auf und der erste Plattenvertrag war so gut wie unterschrieben.

Wir waren gerade dabei, einen Vertrag mit einem isländischen Label zu unterschreiben und wollten das bei einem Dinner feieren. Bei diesem Dinner erreichte uns eine Mail von Universal. Also flogen wir zurück in die Staaten und trafen uns mit denen. Für unsere speziellen Bedürfnisse sind die genau das richtige für uns.

Die speziellen Bedürfnisse, die Keyboarder Arni hier anspricht hießen: Komplette künstlerische Freiheit und keine Vorgaben der Plattenfirma. Ein Gespür dafür, wie der perfekte Popsong klingen muss, haben Of Monsters and Men offensichtlich eh von allein: Jubelnde Trompeten, Händeklatschen und wo immer es geht, ganz viel Lalala. Da erleichtert auch dem Publikum das Mitsingen.

Bei unserer Musik können die Leute mitsingen, sie werden involviert – das macht Spaß! Wichtig ist, dass das nicht zwanghaft passiert sondern ganz natürlich.

Und genauso unbeschwert wie die Melodien, sind auch die Texte auf dem Album. Statt von großen Dramen erzählt die Band Geschichten von Monstern, Gespenstern und natürlich Tieren. Wie zum Beispiel von der Biene mit den vier Beinchen und der Wal, der ein Haus auf dem Rücken hat.

Die Leute haben keine Lust mehr auf Herzschmerz und Gefühlsduselei. Es gibt ja schon genug Traurigkeit auf der Welt. Wir erzählen lieber Fantasiegeschichten. Das passiert ganz natürlich, weil unsere beiden Songschreiber Nanna und Ragnar gerne Geschichten lesen und schreiben. Außerdem sagen sie selbst, dass es total schrecklich wäre, wenn sie zusammen über gebrochene Herzen singen würden, weil sie Mädchen und Junge sind.

Aber so ganz ohne Gefühlsdrama kommt auch My Head Is An Animal nicht aus. Ein Stück über gebrochene Herzen gibt es dann schließlich doch. Selbst Monster haben eben mal Liebeskummer.