Die detektor.fm-Jahrescharts 2015

Die Alben des Jahres 2015

10.01.2016

Zweimal Österreich, einmal Hip-Hop, ein Debüt und viele alte Bekannte. In den Top 10 der von euch gewählten detektor.fm-Jahrescharts stecken Überraschungen, Erwartbares und vor allem viel Gesprächsstoff. Zeit für eine Musikredaktionskonferenz.

Die detektor.fm-Musikredaktion bei der Arbeit. Foto: detektor.fm

Einen Monat lang konntet ihr abstimmen, konntet eure Lieblingsalben in die detektor.fm-Jahrescharts drücken. Wir freuen uns über die rege Beteiligung und das teils erwartbare, teils überraschende Ergebnis.

Die detektor.fm-Musikredaktion in Person von Anke Behlert, Doris Hellpoldt, Gregor Schenk und Christoph Schirmer hat sich ins Studio eingesperrt und die Top 10 besprochen. Eine Musikredaktionskonferenz mit einer Mission, aber selten einer Meinung.

Platz 10: Boy- We Were Here

BoyValeska Steiner hat im Interview verraten, dass sich BOY bei "We Were Here" inhaltlich zwischen zwei Gefühlen gewägt haben. Musikchef Gregor Schenk fühlt sich eher zwischen zwei Stühlen und vermisst bei den luftigen Popsongs die Dringlichkeit. Christoph Schirmer widerspricht und nennt „We Were Here“ ein „rundes und großes Pop-Album“."We Were Here" ist im August bei Grönland Records erschienen. 

Platz 9: Beirut – No No No

BeirutBeiruts viertes Album ist aus einer Krise heraus entstanden: Burnout, Tourabsage, Scheidung, Schreibblockade. Die Songs sind aber erstaunlich beschwingt. Nur den Instrumenten-Fuhrpark hat Zach Condon ein bisschen eingedampft. Für Doris Hellpodt ein großes Album, Anke Behlert findet die Texte zu selbstmitleidig."No No No" ist im September bei 4Ad/Beggars Group/Indigo erschienen. 

Platz 8: Wanda- Bussi

WandaEkstase und Schnaps spielen eine tragende Rolle bei Wanda. In den Liedern wie auch im Touralltag. Diese Band dürfe man nicht zerdenken, sagt Christoph Schirmer. Anke Behlert findet Wandas „Alt-Herren-Gestus“ hingegen zu „prollig“ und „schnarchig“. Durch die Musikredaktion verläuft beim Thema Wanda ein tiefer Graben zwischen Jungen und Mädchen. Machen Wanda Jungsmusik?"Bussi" ist im Oktober bei Vertigo Berlin/Universal erschienen. 

Platz 7: Foals – What Went Down

FoalsSieht man über den verstörenden Opener hinweg, bietet "What Went Down" gewohnt vetrackte, atmosphärische Foals-Kost. Meist in gediegenem Tempo. Man ist sich einig: Hier hat sich über die Jahre eine Band gefunden, die dank blinder Bandchemie nicht mehr viel falsch machen kann."What Went Down" ist im August bei Warner erschienen.  

Platz 6: Sufjan Stevens – Carrie & Lowell

SufjanStevensMutig, schön und reduziert findet die Runde „Carrie & Lowell“ von Sufjan Stevens. Ein Konzeptalbum über Stevens Eltern. Oder genauer: Über den Stiefvater und die verstorbene Mutter, die an Drogensucht und Depressionen litt. Stevens lässt Kitsch und Pathos außen vor, genauso wie die Konfetti-Kanonen und Hula-Hoop-Reifen, die es im letzten Jahr noch auf Konzerten gab. Wir gehen trotzdem hin. Immer wieder."Carrie & Lowell" ist im März bei Asthmatic Kitty Records erschienen.  

Platz 5: Tocotronic – Tocotronic (Das rote Album)

TocotronicFür Doris Hellpodt sind Tocotronic so verlässlich wie ein AEG-Geschirrspüler. Kann man nicht viel falsch machen. Doch gilt das auch für die poppigen Liebeslieder des roten Albums? Dirk von Lowtzow sagt: ein gutes Liebeslied muss man analytisch schreiben. Schwofen kann man zu den Love-Tocos noch immer, nur nicht mehr so doll wie früher. Und wenn dann beim Konzert wieder was aus den 90ern kommt, kann man seine Hornbrille ja kurz der Freundin geben und nach vorn verschwinden."Tocotronic (Das rote Album)" ist im Mai bei Vertigo Berlin/Universal erschienen.  

Platz 4: Kendrick Lamar- To Pimp A Butterfly

Kendrick_LamarStilwechsel: „To Pimp A Butterfly“ ist das erste Hip-Hop-Album in den detektor.fm-Hörercharts. Während Doris Hellpodt das Wort "Nigger" nicht mehr hören kann, schätzen die anderen die politische Strahlkraft, die Kendrick Lamar feuilletonreif gemacht hat."To Pimp A Butterfly" ist im Juli bei Interscope/Universal Music erschienen. 

Platz 3: Tame Impala – Currents

Tame_ImpalaStatt psychedelischer 70er-Nostalgie gibt es auf „Currents“ atmosphärischen Synthesizer-Sound. Auf diesen gelungenen Wandel können sich ausnahmsweise alle einigen. Gregor Schenk vergibt den Award für die Bassline des Jahres."Currents" ist im Juli bei Caroline erschienen. 

Platz 2: Jamie XX – In Colour

Jamie_XXDas Solodebüt vom The xx-Beatbastler Jamie xx. Seiner Huldigung elektronischer Tanzmusik klingt wie der Morgen nach der Clubnacht. Da ist nicht mehr nur noch Euphorie, sondern auch schon ein bisschen Katerstimmung. Vor allem aber ist das höllisch vielfältig. Ziemlich bunt eben."In Colour" ist im Mai bei Young Turks erschienen. 

Platz 1: Bilderbuch – Schick Schock

BilderbuchTrommelwirbel: Das Lieblingsalbum der detektor.fm-HörerInnen stammt von Bilderbuch aus Wien. Auch in der Konferenz herrscht Einigkeit über Bilderbuchs eigenwillige Kunstsprache: ganz schön gaga und sexy! Album Nummer drei ist Bilderbuchs großer Wurf. Christoph Schirmer merkt an, dass die Überhits schon vor 2015 den Hype angekurbelt haben. Für Anke Behlert und Doris Hellpodt ist Bilderbuch die einzig richtige Antwort in der Wanda/Bilderbuch-Gretchen-Frage."Schick Schock" ist im Februar bei Maschin Records erschienen.