24/7 – Die Sterne laufen den Disco-Marathon

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Die Sterne melden sich mit ihrer neuen Platte 24/7 nach knapp 4 Jahren Abstinenz im neuen Gewand zurück: elektronisch, tanzbar und intelligent. Im Gespräch mit Frontmann Frank Spilker sind wir der vermeintlichen Runderneuerung auf den Grund gegangen.


24/7 - Die Sterne laufen den Disco-Marathon
Die Sterne © Materie Records

Die Sterne sind auf dem Dancefloor angekommen - ganz recht: nicht auf irgendeiner Tanzfläche für norddeutschen Diskursrock, nein, auf dem Dancefloor von Bands wie Who Made Who oder LCD Soundsystem. Auf dem Weg dorthin hat sie der Münchner Produzent und DJ Mathias Modica (alias Munk) begleitet, der seines Zeichens das Elektro-Label Gomma Records betreibt. Wieviel Raum dessen Elektrogrooves auf der neuen Platte einnehmen, offenbart bereits der Opener von 24/7 Life in Quiz.

Wir haben uns dann kennen gelernt und gedacht: Es ist eine super Idee wenn der uns produziert, weil das so frischen Wind reinbringt oder das noch mal auf den Punkt bringt, was wir da vorhaben. Die Songs waren auch soweit fertig. Er ist als musikalischer Produzent, der dann noch Melodie- und Arrangementvorschläge hatte dazu gekommen. So würde ich es auch machen, weil ich ja auch Musiker bin. Wenn ich eine Band produzieren würde, würde ich darauf hören: Was stimmt am Arrangement noch nicht aus meiner Sicht und was fehlt vielleicht noch? Und genauso ist er auch da rangegangen und hat das aus seiner Sicht ergänzt, was wir an Material hatten.

So entstanden 10 Tracks, die fast durchweg von mal funkigeren, mal strengeren four-to-the-floor Beats vorangetrieben werden. Die Snare treffen wir meist auf der 2 und der 4, ganz so wie Frontmann und Animateur Frank Spilker das neuerdings auf Konzerten geklatscht haben will. Über diesem Rhythmusteppich weben sich – wie im Song Stadt der Reichen - Kapitalismuskritik und repetitive Synthesizer-Einsätze ineinander. Die klare Ansage geht vom Kopf direkt in die Beine. Es liegen 1.000 Leichen / in der Stadt der Reichen. / Es müssen Berge weichen/ für die Stadt der Reichen. / Aus dem Weg, ich möchte investieren.

Also was defintiv da ist, ist eine Tracklogik. Die Stücke sind quasi doppelt so lang wie ein Popsong, was irgendwie so auf den Dancefloor abzielt, aber es sind auch Gitarren zu hören. Wir haben diese Logik in verschiedenen Stilen von Musik entdeckt. Es klingt nach Doors, also Hippie-Rock und es klingt nach Neo-Disco und wir versuchen alles zu vereinen über Sprache und Arrangement und so eine Brücke zu bauen.

Über diese Brücke wollten nicht alle Bandmitglieder gehen. Mit Richard von der Schulenburg verließ auch ein gutes Stück des alten analogen Sounds die Band, der durch digitale Synthesizer ersetzt wurde. In Convenience Shop, dem programmatischen Aufhänger des Albums, wird dies besonders deutlich. Das Etikett dieses Tracks müsste so etwas wie minimalistischer Afro-House sein, eingepackt in fast kitschigen Synthie-Flächen. So neu, wie das auch im ersten Augenblick klingen mag, grooveorientierte Musik war seit jeher das Markenzeichen der Sterne.

Ich finde, wenn du genau hin hörst, hörst du auch auf der ersten Maxi von 1992 „Fickt das System“ einen ähnlichen Ansatz, nur dass die Flächen eben von Gitarren gemacht wurden und nicht von Keyboards. Im Grunde ist das auch wirklich keine moderne Technik. Es ist ein Keyboard von 1980 was wir verwendet haben und ansonsten spielt da eine Band.

Falls eingefleischte Fans die geliebten Gitarren vermissen werden, dann wohl nur anfänglich. Die Verbindung von kritischen Texten und Disco ist den Sternen mit diesem Album definitiv gelungen. Also ab auf den Dancefloor und 24/7 Party machen. Die Tour durch Deutschland läuft Anfang April an.

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