Debatte zur Präimplantationsdiagnostik – was sagt der Islam?

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Noch ist es in Deutschland verboten, im Reagenzglas Embryos mit genetischen Krankheiten auszusortieren. Kaum eine Rolle bei der Entscheidungsfindung spielt der Islam, dem aber auch hierzulande über vier Millionen Menschen angehören.


Debatte zur Präimplantationsdiagnostik - was sagt der Islam? Eine Eizelle wird im Reagenzglas mit einem Spermium befruchtet. © Eugene Ermolovich (CRMI) / Wikipedia

Versetzen Sie sich in folgende Situation: Ein Ehepaar wünscht sich ein Kind. Aus der Familie des Mannes sind aber Erbkrankheiten bekannt, die vielleicht auch das Kind erben würde. Ein Arzt könnte nun eine künstliche Befruchtung vornehmen und dabei sicherstellen, dass Embryos mit dem defekten Erbgut aussortiert werden.

Thomas Eich Thomas EichProfessor für Islamwissenschaften an der Uni Hamburg. Das wäre ein Einsatzgebiet der Präimplantationsdiagnostik (kurz PID), die in Deutschland derzeit verboten ist. Die Diskussion über PID spaltet die Gesellschaft. Das sieht man an dem Votum, das der Deutsche Ethikrat Anfang März durchführte: 13 Mitglieder stimmten für, 11 grundsätzlich gegen eine Zulassung der PID in Deutschland.

Die deutschen Werte- und Moralvorstellungen sind in ihren Wesenszügen eher christlich geprägt - und so ist es oft auch die Debatte um die PID. Doch was sagt die andere große Weltreligion dazu: der Islam? Dem gehören in Deutschland vier Millionen Menschen an - im Deutschen Ethikrat aber ist er nicht repräsentiert. Und als heute der Bundestag über die PID debattiert hat, fand die Sichtweise dieser Religion kaum Berücksichtigung. Wir sprechen über das Thema mit Thomas Eich, Professor für Islamwissenschaften an der Uni Hamburg und ein Experte für bioethische Fragen im islamischen Recht.


Es wurde bereits 1 Kommentar zu diesem Artikel geschrieben. Diskutieren Sie mit.
  1. kto

    kto am

    “Die deutschen Werte- und Moralvorstellungen sind in ihren Wesenszügen christlich geprägt” schreibt K. Haller – das ist nicht ganz richtig. Deutschland (und weite Teile Europas) i9st heute ebenso, wenn nicht gar überwiegend, von den Werten des Humanismus und der Aufklärung geprägt, die die geistigen Grundlage des säkularen Staates in Deutschland bzw. des Laizismus in Frankreich bilden.

    Wenn schon eine angemessene plurale Zusammensetzung des Ethikrates gefordert wird, dann müssen alle in Deutschland vertretenen Weltreligionen in dem Rat repräsentiert sein, aber auch Atheisten bzw. dezidiert nichtgläubige Humanisten. Von einem Wissenschaftler, der nicht nur “Propagandist” seines Faches sein will, sollte man eine solche Forderung auf der Basis der oben ausgesprochenen Erkenntnis eigentlich erwarten dürfen.

 

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