Der Selbstbetrug der Mittelschicht

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Die Reichen werden immer reicher, die Mittelschicht schrumpft und die Armen werden diffamiert. Diese zweifelhafte Entwicklung machte der taz salon im Hamburger Schanzen Viertel zum Thema.


Der Selbstbetrug der Mittelschicht taz salon zum Thema Selbstbetrug der Mittelschicht im Haus 73 im Hamburger Schanzenviertel. Quelle: Hendrik Doose.

In den letzten beiden Jahrzehnten hat der Staat die Sozialabgaben für die Unterschicht gekürzt und die Steuern für die Oberschicht gesenkt. Die Folgen dieser Entwicklung diskutierten die taz-Redakteurin und Buch-Autorin Ulrike Hermann, der Erbe Dieter Lehmkuhl und der Hartz-IV-Empfänger Gunther Clemens. Moderiert wurde die Diskussion von Ulrich Schulte, Ressortleiter Inland bei der taz. Hören Sie hier die Höhepunkte des taz salons:

»Der Selbstbetrug der Mittelschicht« herunterladen

 

Ulrike Hermann Ulrike HermannWirtschaftsredakteurin der taz.

"Bildung allein reicht nicht, um in die Oberschicht aufzusteigen. Da müssen immer zwei Dinge zusammenkommen: Leistung und Herkunft."

 

"Der Mittelschicht entgeht, dass sie der Hauptempfänger staatlicher Leistung ist."

 

 

Dieter Lehmkuhl Dieter LehmkuhlPsychiater, Erbe und Mitglied der Initiative Vermögensabgabe.

"Die entscheidenden Veränderungen in der Gesellschaft gehen nicht von der Politik aus, sondern von sozialen Bewegungen."

 

"Wenn sich der Trend der Umverteilung in Deutschland fortsetzt, werden wir bald eines der ungleichsten Länder sein"

Im zweiten Teil der Diskussion konzentriert sich das Podium auf die Abgrenzungsmechanismen zwischen der Mittelschicht und der Unterschicht. Hören Sie hier die Höhepunkte:

»Abgrenzung von Mittelschicht« herunterladen

Es wurde bereits 1 Kommentar zu diesem Artikel geschrieben. Diskutieren Sie mit.
  1. Dr. Harald Wozniewski

    Dr. Harald Wozniewski am

    Die Mittelschicht mithilfe des Monats- oder Jahreseinkommens zu ermitteln ist eine verbreitete und dumme Selbsttäuschung. Da bei uns in D das Geld nur noch mit einer Umlaufgeschwindigkeit von 2,0 (satt mit mindestens 12) fließt, ist das Einkommen längst kein geeigneter Maßstab mehr. Der richtige Maßstab ist vielmehr (u. a.) der durchschnittliche Geldbesitz (= der Besitz von Kaufkraft).

    Wenn Sie zur Mittelschicht gehören wollen, dann müssen Sie (u. a.) über eine mittlere Kaufkraft verfügen. Kaufkraft ist nichts anderes als Geld, also das, was wir zum Bezahlen benutzen. Geld in diesem Sinne sind also Bargeld und Girokontenguthaben. Kreditkarten und Geldkarten sind nichts anderes als “Sonderposten” zu Girokonten und brauchen nicht extra mitgerechnet zu werden. Also ist eine mittlere Kaufkraft eine mittlere Menge an Bargeld und/oder Girokontenguthaben.

    Wie hoch ist nun aber eine mittlere Kaufkraft? Ganz einfach: Wir schauen bei der Deutschen Bundesbank nach, wie viel Geld zurzeit in D existiert und teilen dies durch die Zahl der Köpfe oder besser die Zahl der Haushalte. Dann kommen wir aktuell auf 4.703,99 € Bargeld pro Hauhalt und 30.816,00 € pro Haushalt, wenn wir Sicheinlagen (Girokonto- und Tagesgeldkontoguthaben) mitzählen (M1). Nehmen wir Sparguthaben u. ä. hinzu (Geldmenge M3), dann kommen wir aktuell auf 54.723,13 € pro Haushalt.

    Zählen Sie also einmal in Ihrem Haushalt zusammen: Ihr aktuelles Bargeld und Ihr aktuelles Guthaben (sofern vorhanden) auf Ihrem Giro- oder Tagesgeldkonto. Kein Sparkonto, kein Termingeld, keine Wertpapiere oder Ähnliches! Wenn Sie ein Unternehmen besitzen, dann zählen Sie auch das Geld dieses Unternehmens hinzu — bei Anteilen an einem Unternehmen nur den auf Sie entfallenden Anteil am Geld! Wenn Sie also zur Mittelschicht gehören, dann verfügt Ihr Haushalt im Moment oder im Jahresdurchschnitt über diese Geldbeträge (Kaufkraft).

    95% der Bevölkerung liegen weit unter den Mittelwerten und sind nur untere oder obere Unterschicht! Etwa 4,9% sind Mittelschicht und nur etwa 1 Promille ist Oberschicht (http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/einkommen.htm).

    Näheres unter
    “Gehören Sie noch zur Mittelschicht*? Die 25.000-Euro-Frage!” http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/mittelschicht.htm
    “60 Jahre Währungsreform - 60 Jahre Geldmengenwachstum” http://www.kiwifo.de/html/60_jahre.htm

    Es wird Zeit, dass die Menschen aufwachen und begreifen, dass sie längst auch Verlierer im System sind.

 

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