Diskutieren über den Unrechtsstaat DDR

von am

Auch 20 Jahre nach dem Mauerfall sind die Schattenseiten der DDR nicht vergessen: In Bautzen erinnert jedes Jahr die Friedrich-Ebert-Stiftung an den Unrechtsstaat DDR.


Diskutieren über den Unrechtsstaat DDR Podiumsdiskussion zum Thema Willkür und Gewalt in der DDR beim 21. Bautzen-Forum. © Gaby Waldek (Friedrich-Ebert-Stiftung)

Einen Schwerpunkt des diesjährigen Bautzen-Forums der Friedrich-Ebert-Stiftung bildeten Gewalt und Unterdrückung in der DDR. Wie sie wirkten und welche Folgen sie hatten - darüber diskutierten die Psychologin Doris Denis, Politikwissenschaftlerin Sandra Pingel-Schliemann und die Historiker Udo Grashoff und Ilko-Sascha Kowalczuk. Hören Sie hier die Höhepunkte der Podiumsdiskussion:

»Bautzen-Forum Teil 1 Gewalt in der DDR« herunterladen

 

Sandra Pingel-Schliemann Sandra Pingel-SchliemannPolitikwissenschaftlerin. © Gaby Waldek (Friedrich-Ebert-Stiftung)

Das war das ganz Fatale an der Zersetzung, dass sie eine anonyme und verdeckte Repressionsmethode war. Das sage ich ganz deutlich, dass die Zersetzung eine Bestrafung ohne Urteil war. (Sandra Pingel-Schliemann)

 

 

Udo Grashoff Udo GrashoffHistoriker, Universität Leipzig. © Gaby Waldek (Friedrich-Ebert-Stiftung)

Wahrscheinlich ist der Einfluss der Stasi auf die Häufigkeit von Selbsttötungen in der DDR überschätzt worden. (Udo Grashoff)

 

 

 

 

Im zweiten Teil der Diskussion steht die Frage im Mittelpunkt, wie den Opfern heute geholfen werden kann. Hören Sie hier die Höhepunkte:

»Bautzen-Forum Teil 2 Hilfe für die Opfer« herunterladen

 

Doris Denis Doris DenisPsychologin, Freie Universität Berlin. © Gaby Waldek (Friedrich-Ebert-Stiftung)

Man muss immer unterscheiden zwischen Entschädigung des erlittenen Unrechts und Entschädigung von Gesundheitsfolgen. (Doris Denis)

 

 

Ilko-Sascha Kowalczuk Ilko-Sascha KowalczukHistoriker, Bundesbehörde für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. © Gaby Waldek (Friedrich-Ebert-Stiftung)

Ich glaube, die wichtigste Entschädigung würde darin bestehen, dass man an das Unrecht dieses Systems permanent in der Öffentlichkeit erinnert.

Dann hätten sich auch die vielen Schicksale in dieser Diktatur in einer historischen Perspektive irgendwie gelohnt. (Ilko-Sascha Kowalczuk)

 


Es wurden bereits 2 Kommentare zu diesem Artikel geschrieben. Diskutieren Sie mit.
  1. Dr. Munzert

    Dr. Munzert am

    Stasi-Recycling 2010
    Stasi-Recycling beinhaltet sowohl das Personal (Ex-Stasimitarbeiter) als auch übernommene Methoden und Aktivitäten der Stasi: Überwachung, Zersetzung, Existenzvernichtung, Psychiatrisierung von Gegnern, Körperverletzung und Morden mit Zeitverzögerung sowie hohem Verschleierungspotential (unsichtbar, auf neuestem technischen Stand mit HighTech-Waffen und Radioaktivität).  siehe Artikel:
    Zersetzung und Stasi-Methoden in Ost und West 2010
    http://www.findefux.de/forum/read.php?84,10605,10605#msg-10605

  2. Roland Mey

    Roland Mey am

    Der Bruder meiner Mutter wurde 1955 als kerngesunder mitteljähriger Mann zu drei Jahren Zuchthaus Bautzen verurteilt. Das pathologische Gutachten vom 25.08.1956 beweist die unmenschlichen Quälereien: Lungenabszesse, Hirnschwellungen, Hautgeschwüre, Erweiterung von Harnblase, Mastdarm und Herzhöhlen sowie Ernährungsschwäche. Nachdem die Wildschweine im Thüringer Wald ein Kartoffelfeld verwüstet hatten, soll der Verurteilte im alkoholisierten Zusatnd gesagt haben: “Schafft die Russenschweine raus”. Es gab damals auch unbeachtete Zeugenaussagen zur Formulierung “Wildschweine raus”. Unmittelbar nach dem Tod wurde sein Gasthof in ein staatliches Ferienheim umfunktioniert. Es war die Zeit der Zwangskollektivierung der Bauern in Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG).
    Ich selbst habe 1989 nur noch als Nachtwächter und Pförtner gearbeitet, denn ich hatte die DDR für mich mit der gefährlichen Methode “Humor” erträglicher gemacht. Wie? Das ist im Buch “Humoresken aus der DDR” mit dem Untertitel “SED-Diktatur erlebt als Elend, in Schlaraffia und im Bürgerkomitee Leipzig” beschrieben (dazu Internet). Heute bin ich damit als Zeitzeuge in Schulen. Die Schüler sind immer aufmerksam und stellen oft Fragen. Wenn es Probleme gibt, dann ausnahmslos mit den Lehrern, die mich teilweise nicht in die Schulhäuser hinein lassen.

 

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