Staat und Religion sind heute getrennt. Doch kann man unseren Staat, unsere Rechtsordnung und Ethik erklären, ohne auf Religion zurückzugreifen? Das fragen wir den Direktor der Landeszentrale für politische Bildung und ehemaligen katholischen Pfarrer, Frank Richter.
Kirchliche Würdenträger, die Recht sprechen oder Gesetze machen - in unserer heutigen Zeit undenkbar. Staat und Religion sind streng voneinander getrennt. Doch unsere Rechtsordnung, unsere Gesetze und Ethik, beinahe alle Grundlagen unserer modernen Gesellschaft lassen sich irgendwie auch auf religiöse Grundlagen zurückführen. Fürsten und Könige regierten jahrhundertelang "von Gottes Gnaden".
Frank Richter© Sächsische Landeszentrale für politische Bildung.
Auch Regeln wie der Stand der Ehe, die Nächstenliebe, Ehrlichkeit, das Tötungsverbot wurden religiös begründet, lang bevor sie in "weltliche" Gesetzbücher Einzug fanden.
- Biographie von Frank Richter
Frank Richter (geb. 1960) war 1989 einer der Mitbegründer der "Gruppe der 20", die maßgeblich an der friedlichen Revolution beteiligt waren. Auch nach 1989 arbeitete er als Pfarrer, erst als Dresdner Jugendseelsorger, dann in einer katholischen Gemeinde in Aue, später in einer alt-katholischen Gemeinde in Offenbach. Nach einem Wechsel in den Schuldienst, wo er er eine Weile für die sächsischen Lehrpläne in Religion und Ethik zuständig war und später selbst Latein und Religion unterrichtete, wurde er 2009 zum Direktor der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung ernannt.
Frank Richter trägt u.a. die Sächsische Verfassungsmedaille, das Bundesverdienstkreuz und (stellvertretend für alle friedlichen Demonstranten des Jahres 1989) den Europäischen Menschenrechtspreis.
Welches Verhältnis der moderne Staat zur Religion hat, wie man die Werteordnung der Bundesrepublik und ihre politischen Strukturen vermitteln kann, und wo man als "Staatsdiener" allein nicht mehr weiterkommt, darüber sprachen wir mit dem Direktor der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter.
