“Wer immer nur kürzt, landet in einer Spirale der Assozialität”

von Marcus Engert am

"Korrektur des Schicksals" - so nannte Heribert Prantl, der Politikchef der Süddeutschen Zeitung, seinen Beitrag zur Hartz IV-Debatte. Wir sprechen mit ihm über die Rolle des Sozialstaats in der Moderne.


“Wer immer nur kürzt, landet in einer Spirale der Assozialität”

Heribert Prantl Heribert PrantlDer Politikchef der Süddeutschen sagt: »Eine gerechte Gesellschaft braucht einen Mindestlohn.« Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Hartz IV - Regelsätzen debattiert die deutsche Politik über Hartz IV. Die einen fordern höhere Regelsätze, die anderen sehen ihre Wahlversprechen davonschwimmen und fordern deshalb sogar weniger Geld für Hartz IV - Empfänger. Guido Westerwelle versuchte sich gar in Vergleichen mit "spätrömischer Dekadenz".

Doch das eigentliche Thema ist ein viel Größeres: es geht um den deutschen Sozialstaat an sich. Das sagt Heribert Prantl, der Politikchef der Süddeutschen Zeitung. Am Wochenende erschien sein Plädoyer „Korrektur des Schicksals“. Wieso es in einer Demokratie zum Sozialstaat keine Alternativen gibt, und was er von der aktuellen Debatte hält, das erklärt Heribert Prantl im Interview mit detektor.fm:

»Heribert Prantl im Interview zu Hartz IV« herunterladen

Das Leben beginnt ungerecht und es endet ungerecht, und dazwischen ist es nicht viel besser. (...) Das Schicksal teilt ungerecht aus; und es gleicht die Ungerechtigkeiten nicht immer aus. Hier hat der Sozialstaat seine Aufgabe. (...) Der Sozialstaat ist also, mit Maß und Ziel, Schicksalkorrektor. (aus dem Artikel "Korrektur des Schicksals von H. Prantl)



Dieser Artikel ist Ihnen etwas wert?    [?]

Es wurden bereits 5 Kommentare zu diesem Artikel geschrieben. Diskutieren Sie mit.
  1. Thomas Paine

    Thomas Paine am

    Herr Prantl steck noch zu sehr in der Almosen-Mentalität. Ich möchte nicht, dass Mitbürger auf sein Mitleid angewiesen sind!!! Freiheit, Gleichheit, Bürderlichkeit heißt, dass jeder Mensch das Recht hat auf ein Grundeinkommen!!! Es ist ein Menschenrecht!! Herr Prantl glaubt noch an die meritokratische Gesellschaft. Es ist eine Ideologie, wie alle anderen. Hier ein guter Artikel von Ralph Dahrendorf über eine meritokratische Gesellschaft:
    http://www.project-syndicate.org/commentary/dahrendorf37/German

  2. Wilhelm Schwarz

    Wilhelm Schwarz am

    Es geht Herrn Prantl doch nicht um Mitleid, sondern um die Solidarität der Bürger untereinander. Das Zitat aus der Verfassung der Schweiz -ich zitiere - ” die Stärke eines Staates misst sich am Wohl der Schwachen”  formuliert das Problem sehr einprägsam.; als Verantwortung aller Bürger eines Staates für einander. Kann man das Ideologie nennen ? Wohl kaum ; ist es doch die Grundlage, die Voraussetzung dafür, dass Demokratie überhaupt funktionieren kann.

  3. Thomas Paine

    Thomas Paine am

    Aber es hört sich nach Almosen an. Ich finde nicht, dass diese Menschen, die Herr Prantl meint, dass man sie als schwach bezeichnen sollte. Das ist ja gerade der wichtige Unterschied. Unsere Erkenntnis sollte sein, dass Armut nichts mit Schwäche oder Unfähigkeit der betroffenen Menschen zutun hat. Ein Grundeinkommen ist ein Menschenrecht!

  4. Wilhelm Schwarz

    Wilhelm Schwarz am

    Vielleicht trifft die Bezeichnung “schwach” in der Tat nicht die wirkliche Situation, aber in jedem Fall bedürfen diese Menschen der Stärkung! Ich glaube nicht ,dass irgendeine Besserung der Verhältnisse eintritt, wenn alle das gleiche Grundeinkommen haben: stark und selbstbewusst wird man doch durch Initiativen und Ideen, die man selbst entwickelt und die sich verwirklichen lassen, wenn man die MÖglichkeit hat, etwas zu erreichen. also wenn man erfolgreich ist-  Deshalb wäre es gut -so wie es in der letzten ZEIT zu lesen ist - , wenn man sich daran orientiert, wie in anderen Ländern, erfolgreicher, Menschen, die keine Arbeit haben finden können ,geholfen wird, z.B indem die staatlichen Hilfen mit Fortbildungen verkoppelt sind und so auf jeden Fall Anregungen und Einblicke in ander Betätigungsbereiche -so zu sagen - fast erzwungen werden, was sich offenbar positiv auf die Beschäftigungslage auswirkt.

  5. Thomas Paine

    Thomas Paine am

    Herr Schwarz, wir Bürger ob ohne oder mit Erwerbsarbeit, wir sind über jegliche Aktivierungspolitik aufgeklärt. Sie behaupten, man muss Hunger leiden und Angst haben, erst dann wird man Ideen und Initiative entwicklen. Das entspricht nicht modernen neurologischen Erkenntnissen, die eindeutig darlegen, dass der präfrontale Kortex unter Angst nur schlecht funktioniert. Dieser Teil aber ist für diese Ideenarbeit notwendig. Sie behaupten, Grundeinkommen wäre eine Gleichmacherei, was so nicht stimmt. Sie können mit einem Grundeinkommen immernoch Reich werden!! Es weckt geradezu Initiative, weil man dann erst recht wagt!! Bitte informieren sie sich über das bedingungslose Grundeinkommen.

 

Kommentar verfassen

Einfaches HTML (<a>,<b>,<i>,<code>,<blockquote>) ist erlaubt.