Wie schlecht steht es wirklich um die Mittelschicht?

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Einkommensschere? Abstiegsängste? Schrumpfende Mittelschicht? Alles Unfug, sagt eine neue Studie. Für Statuspanik gebe es keinen Grund.


Wie schlecht steht es wirklich um die Mittelschicht? © Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Dr. Dominik Enste Dr. Dominik EnsteWirtschaftswissenschaftler am IW Köln und Leiter das Projekts „Zukunft der Arbeit“ des Roman-Herzog-Instituts. / © IW Köln Wer reich ist, wird immer reicher – wer arm ist, wird immer ärmer. Und die Mittelschicht, die verarmt verschwindet nach und nach. Ein düsteres Bild ist es, dass da seit einiger Zeit von Gewerkschaften und einigen Parteien gezeichnet wird – und es gilt als Konsens.

Nun kommt eine neue Studie zu dem Ergebnis, dass das alles nicht stimmt. „Mythen über die Mittelschicht“ heißt die Studie, und will folgende Punkte widerlegt haben:

  • Mythos 1: Die Mittelschicht schrumpft
  • Mythos 2: Die Einkommensschere öffnet sich
  • Mythos 3: Massenhafter Abstieg aus der Mittelschicht ist die Regel
  • Mythos 4: Der Aufstieg in die Mittelschicht ist kaum möglich
  • Mythos 5: Nur eine breite Mittelschicht fördert den sozialen Zusammenhalt

Wie diese Ergebnisse zustande gekommen sind, was sie bedeuten - und warum andere Studien zu anderen Ergebnissen kommen, darüber sprachen wir mit dem Leiter der Forschungsgruppe im Institut der deutschen Wirtschaft, Dominik Enste.

»Die Mittelschicht verschwindet nicht« herunterladen


Es wurden bereits 4 Kommentare zu diesem Artikel geschrieben. Diskutieren Sie mit.
  1. Christoph

    Christoph am

    Sorry Leute, aber daß das rechtskonservative Roman-Herzog-Institut natürlich behauptet es wäre nur die öffentliche Meinung so schlecht, in Wahrheit ist alles super, das wundert nun niemanden.

    Und Euer unkritisches “Stichwortgeber-Interview” ist lediglich als Verbreitung rechtskonservativer Propaganda zu sehen.

    Interessant wäre gewesen, den lieben Herrn Dr. Enste mal auf die seiner These widersprechenden Fakten anzusprechen:
    -seit Jahren sinkende Durchschnittseinkommen in Mittel- und Unterschicht.
    -seit Jahren steigende Anzahl der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben müssen
    -seit Jahren kontinuierlich zunehmende Anzahl der Einkommens-Millionäre aber andererseits.

    Aber das wäre ja kritisch gewesen.

    Grundsätzlich finde ich Eure Idee und Euer Konzept echt Klasse, die Musik die Ihr spielt ist auch Weltklasse !

    Aber mit Eurer echt schon plumpen politischen “Berichterstattung” (siehe Dioxin-Verharmlosung) disqualifiziert Ihr Euch leider.

    Mir fällt es schwer zu glauben, daß Ihr so naiv seid und das unabsichtlich macht. Dennoch würde mich interessieren was Euer Anspruch ist:

    objektive Berichterstattung
    oder
    Propaganda ? ?

    Im Moment habe ich leider den Eindruck es wäre zweiteres…
    LG
    Christoph

  2. Marcus Engert

    Marcus Engert am

    Lieber Christoph,

    vielen Dank für Ihren Kommentar.

    Grundsätzlich bemühen wir uns um eine ausgewogene und vielseitige Berichterstattung. Eine evtl. politische Ausrichtung eines Forschungsinstitutes ist für uns kein Grund, dieses zu ignorieren. Pluralismus gehört in einer Demokratie zur Meinungsbildung.

    Gerade am vorliegenden Thema lässt sich das schön zeigen:
    * wir griffen eine Diskussion des taz-Salons auf, der eher Ihre Sicht der Dinge stützt (http://detektor.fm/politik/der-selbstbetrug-der-mittelschicht/)
    * wir kamen auf eine Studie der Böll-Stiftung zurück, die Anzeichen für zementiere Gesellschaft sieht (http://detektor.fm/politik/zementierte-gesellschaft-keine-chancengleichheit-in-deutschland/)
    * und wir sprechen selbstverständlich auch mit dem Roman-Herzog-Institut, wenn dort eine Neu-Auswertung der Daten zu anderen Ergebnissen kommt.

    Im Fall der Dioxin-Berichterstattung haben wir einem warnenden Interview (http://detektor.fm/wirtschaft/dioxin-bund-raet-beim-eierkauf-zur-zurueckhaltung/) eines gegenübergestellt, dass eher Entwarnung gibt (http://detektor.fm/wirtschaft/da-ist-gar-nix-verseucht-dioxinskandal-zahlen-und-fakten/)

    Es ist nun einmal bei vielen Themen nicht so einfach, ein klares Richtig oder Falsch zu definieren. Wir überlassen das dem Hörer selbst - oder wählen für eine Wertung die Form des Kommentars, der Kolumne oder der Glosse wäheln. In einem Fakteninterview aber haben unsere persönlichen Wertungen nichts verloren.
    Solche gesellschaftlichen Urteile bilden sich über einen langen, pluralistisch geführten Diskurs. Wenn Sie (anhand einzelner Beispiel aus unserem Programm) uns daran messen, ob wir dieses Richtig oder Falsch stets sofort beantworten können, befürchte ich, überschätzen Sie unsere Möglichkeiten.

    Wir wollen nachfragen und hintergründig berichten - das versuchen wir, indem wir unseren Gesprächspartnern statt 1´30 auch fünf, sieben oder gar zehn Minuten Redezeit geben. Seien Sie also bitte versichert, dass “naive”, “plumpe” “Stichwortberichterstattung” oder gar “Propaganda” (Ausführungen zur Herkunft dieses Wortes spare ich mir hier) nicht unser Anspruch ist.

    In der Hoffnung, Sie als kritischen Hörer zu behalten, grüßt Sie
    M.E./ die Redaktion.

  3. Christoph

    Christoph am

    Hallo Herr Engert,

    vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort.

    Vorab entschuldige ich mich für die schärfe und teilweise sehr boshafte Wortwahl meiner Kritik.

    Auch muß ich zugeben, daß -auch aufgrund Ihrer Belege- diese nicht in der vorgebrachten Form angebracht war.

    Ich komme aber -trotz Ihrer Belege- nicht umhin meine Kritik insofern aufrecht zu erhalten, daß

    -Ihrer einzelnen Interviews sehr unkritisch sind. Und die Aussagen Ihrer Interviewpartner kaum hinterfragt werden. Sofern Sie das konsequent umsetzen -wonach es im Moment auch aussieht- ist das als Stil der Berichterstattung an sich zwar objektiv. Qualitativ guter Journalismus muß mMn aber auch kritisch, aufklärerisch und hinterfragend sein. Diesem -zugegeben sehr hohem- Anspruch werden Sie daher nicht gerecht.

    -Sie im Interview selbst kaum auf den Hintergrund des Interviewpartners eingehen. Leider kann nicht jeder Hörer sofort auf Anhieb zuordnen in welche “politische Ecke” der jeweilige Interviewpartner einzuordnen ist. Klar, beim BUND ist das sicherlich relativ offensichtlich, bei einer Roman-Herzog-Stiftung muß man aber schon ein umfangreiches Hintergrundwissen haben - wie auch bei der Heinrich-Böll-Stiftung.

    -die von Ihnen aufgezeigten Beispiele einem Muster folgen, welches für mich folgenden Anschein hat:
      1. der tagesaktuellen, allgemeinen Berichterstattung folgend wird zuerst kritisch berichtet.
      2. Später wird dann aber dieser erste, kritische Bericht und Eindruck durch andere Interviews “korrigiert”. Mir fehlt hier die direkte Gegenüberstellung, auch im Medium “Radio”, nicht jeder liest auch die WebSite (Ganz abgesehen, vom zeitlichen Abstand Ihrer “Mittelschicht-Berichte”).

    Mir ist klar, daß Sie auch aufgrund von Rahmenbedingungen wie Programmgestaltung uvm. nicht jeden Hörerwunsch erfüllen können. Ich persönlich würde mir allerdings wünschen, daß Sie als junges, unabhängiges Medium weiter intensiv daran arbeiten, jede Facette Ihrer Berichterstattung so objektiv wie nur irgend möglich zu gestalten - es gibt leider immer weniger Medien, die das tun, umso wichtiger werden die, die das schaffen !

    Insofern freue ich mich, daß Sie offensichtlich die Diskussion mit Ihren Hörern nicht scheuen und bitte Sie meine Kritik als konstruktive Kritik zu verstehen.

    Ich werde mich mit Vergnügen weiter an Ihrem tollen Musikprogramm erfreuen - und natürlich auch Ihre Berichterstattung kritisch folgen ;-)

    Machen Sie bitte weiter so und versuchen Sie bitte weiterhin immer noch etwas “besser” zu werden !
    LG
    Christoph

  4. Jens

    Jens am

    Hier hätte auch ich mir ein paar deutlich kritischere Nachfragen gewünscht. Besser als eine Aneinanderreihung von Interviews mit unterschiedlichen Perspektiven wäre doch eine Einordnung und die Erwähnung von Gegenpositionen innerhalb der Interviews. Sonst wird’s ganz schnell ärgerlich für kritische Hörer. :-)

    Nicht umsonst gab es einige Tage nach der IW-Veröffentlichung eine ganz andere Einschätzung. DIW-Forscher Markus Grabka - sicherlich auch ein sehr spannender Gesprächspartner zum Thema - kommt zu einem ganz anderen Schluss: http://www.focus.de/politik/deutschland/soziales-deutsche-mittelschicht-schrumpft-weiter_aid_593915.html

    Passend dazu ist euer Interview zum Umgang mit Statistiken: http://detektor.fm/wirtschaft/luegen-mit-zahlen-wie-m/

    Und wo wir schon dabei sind: Hier ist noch eine, die zeigt, wo das Problem liegt, mit dem sich auch Grabka schon seit vielen Jahren intensiv auseinander setzt (pdf): http://helmut-creutz.de/pdf/grafiken/022a_creutz.pdf

 

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