Solarkritiker Professor Joachim Weimann im Gespräch

von Christian Bollert am

Die Klimaschutzpolitik hat sich in den vergangenen Jahren als eine Politik der kleinen Schritte erwiesen. Erst im Dezember ist der Weltklimagipfel in Kopenhagen gescheitert. Doch zumindest auf nationaler Ebene und in der EU tut sich etwas.


Solarkritiker Professor Joachim Weimann im Gespräch Klimaaktivisten demonstrieren vor dem Brandenburger Tor in Berlin für eine weltweite Klimapolitik. Foto: Timur Emek/ ddp.

Joachim Weimann Joachim WeimannEr ist Professor an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Foto: René Spalek. In Europa sollen die alten Glühbirnen nach und nach aus dem Handel verschwinden. Bald soll es nur noch Energiesparlampen zu kaufen geben. In Sachen Klimapolitik gilt Deutschland in Europa als einer der Vorreiter. An der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg kritisiert jedoch der Volkswirtschaftler Joachim Weimann die deutsche Klimapolitik. In seinem Buch "Die Klimapolitik-Katastrophe - Deutschland im Dunkel der Energiesparlampe" fordert er ein Umdenken.

Hören Sie hier das Interview mit Professor Weimann noch einmal nach.

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Es wurden bereits 2 Kommentare zu diesem Artikel geschrieben. Diskutieren Sie mit.
  1. Mario  Götz

    Mario Götz am

    Seine Kritik an der derzeitigen Kombination aus Emissionshandel und EEG ist
    durchaus berechtigt, greift aber in einem entscheidenden Punkt zu kurz:
    Zur Zeit hat das EEG - also die Förderung erneuerbarer Energien über die
    Einspeisevergütung - nicht den vordergründigen Zweck, die Emissionen zu
    reduzieren. Sondern es soll dazu dienen, den Erneuerbaren eine Art
    Anschubfinanzierung zu geben.

    Irgendwann in 40-90 Jahren ist die Menschheit gezwungen, ihre
    Energieversorgung komplett ohne Treibhausgase sicher zu stellen. Um dies
    kostengünstig zu machen und den Übergang nicht abrupt sondern langsam zu entwickeln, müssen die neuen Technologien eben stetig über mehrere
    Jahrzehnte zur Marktreife und hin zu geringen Stromgestehungskosten entwickelt werden, was wiederum nur über die Etablierung im Massenmarkt geht. In der Literatur spricht man dabei von sog. Lernraten. So sinken die Kosten der Photovoltaik z. B. langfristig und durchschnittlich um ca. 20 % pro Verdopplung der installierten Leistung.

    Und da wir irgendwann mit dem Prozess beginnen müssen, wurde das EEG
    eingeführt. Um die Erneuerbaren anzuschieben und sie durch Lerneffekte
    (außerhalb des Labors - learning by doing) günstiger zu machen. Freilich ist dies mit hohen Anlaufkosten verbunden. Nur in spätestens 20 Jahren werden Solarzellen so günstig sein, dass sie nicht mehr aus der Stromerzeugung wegzudenken sind.
    Unterm Strich kann langfristig (40-90 Jahre) lt. verschiedener
    Modellrechnungen nur so ein kostengünstiger Übergang zur ökologisch
    vertretbaren Stromerzeugung gelingen.

    Ob die einzelnen Fördersätze allerdings so hoch oder niedrig ausfallen
    müssen steht auf einem anderen Blatt.

    Die Aufgabe der Emissionsreduzierung hat nunmal der Emissionshandel und nicht das EEG. Also muss an dieser Stellschraube gedreht werden bevor man das EEG kritisiert.

  2. GRÜNE Hochschulgruppe Magdbeurg

    GRÜNE Hochschulgruppe Magdbeurg am

    „Glückwunsch, Herr Weimann!“ - Auch Professoren lernen dazu.

    Wir freuen uns, dass Herr Prof. Weimann im Interview mit dem Radiosender detektor.fm seine Sichtweise auf Klimaschutz und Energieversorgung neu justierte. Weg von der selbstherrlichen Lobbyanzeige der Braunkohleindustrie, hin zu einer Forderung der deutlichen Reduzierung des CAP (also der handelbaren CO2-Menge). Auch die Ausweitung des Emissionshandels auf andere Bereiche findet unsere ungeteilte Unterstützung.

    Herr Prof. Weimann hat nach seiner Aussage in den Anzeigen der Braunkohlelobby ein “Forum” zur Veröffentlichung seiner Meinung gefunden. Wir fragen uns dann, weshalb seine nun fortschrittlichen Positionen dort keine Erwähnung fanden. Vielleicht, da sich diese Lobby stets gegen eine Verringerung des CAP und gegen eine Ausweitung des Emissionshandels aussprach? Auch Weimanns Erkenntnis, dass die Verschärfung des Emissionshandels der Braunkohleindustrie erhebliche finanzielle Probleme bescheren würde, formulierte er für die den Lobbyverband noch entgegengesetzt, mit den Worten: “Die Braunkohle als leistungsstarker Energieträger wird in diesem Mix jedenfalls noch für Jahrzehnte eine bedeutende Rolle spielen.”

    Trotz des kleinen Lobes für den Magdeburger Wirtschaftsprofessor halten wir es weiterhin für bedenklich, das Erneuerbare-Energien-Gesetz, wie nach wie vor von ihm gefordert, abzuschaffen. Wer Subventionen beklagt, sollte die staatlichen Finanztransfers in Kohle- und Atomkraft nicht vergessen. Eine Würdigung der positiven Effekte des EEG auf den Arbeitsmarkt, beim Technologievorsprung und der Schonung von sich verknappenden fossilen Ressourcen, fehlt bei Herrn Prof. Weimann ebenso.

    Wie schon in unserer, nunmehr monatelang unbeantworteten, E-Mail an Herrn Prof. Weimann gefordert, würden wir uns über einen konstruktiven Meinungsaustausch zu fortschrittlicher Klima- und Energiepolitik freuen.

 

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