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Schnappschuss kurz vor der Session. Foto: Christian Bollert
Schnappschuss kurz vor der Session. Foto: Christian Bollert

Podcast-Wunschkonzert

Auf der re:publica 2017 ist über Chancen und Potentiale von Podcasts diskutiert worden. Wie können Podcasts noch bekannter und beliebter werden? Wie können Akteure von außen der Szene zusätzlichen Schwung verleihen? Ein Podcast-Wunschkonzert mit Ideen und Denkanstößen.

In meiner Session auf der re:publica 2017 sind bisher ungenutzte Chancen und Potentiale von Podcasts das Thema gewesen. Unter dem Titel „Wie Podcasts mehr Leute erreichen können“ standen Ideen, Plattformen und Gedanken im Vordergrund, die Podcast noch bekannter und beliebter machen könnten. Es sollte bewusst nicht um Podcaster oder Podcast-Hörer gehen, sondern um andere Akteure, die der Szene zusätzlichen Schwung geben könnten. Man könnte sagen, es ist eine Art Podcast-Wunschkonzert mit Ideen und Denkanstößen gewesen.

Podcast-Wunschkonzert

Laut diverser Studien hat ein Drittel der Deutschen schon einmal Podcasts gehört. Das ist ohne Frage ein Erfolg, aber wie erreichen die anderen zwei Drittel? Oder zumindest noch ein weiteres Drittel? Was können Akteure wie Apple, GVL, Deutsche Bahn oder Autohersteller machen?

Mini-Umfrage

Neben eigenen Gedanken im Team von detektor.fm haben wir auch bei Facebook und Twitter ein wenig rumgefragt.

Dabei sind die Wünsche sehr vielfältig: „übergreifender Kommentarstandard für Podcastapps“ (@vanilla_chief), „Definition nicht weiter verwässern“ (@vivalamovie), „Audiosuchmaschine und Social Media Podcast Netzwerk“ (@eckiii), „ARD-Mediathek mal übersichtlich“ (Sascha B.), „bessere Integration in soziale Netzwerke“ (Nora H.).

Apple: Podcast – das vergessene Kind?

Apple spielt ohne Frage eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung und Etablierung von Podcast. Noch heute ist Apple mit dem dazugehörigen Podcastverzeichnis für 60 bis 70 Prozent des Podcast-Traffics verantwortlich. Das Podcast-Verzeichnis von iTunes/Apple Podcasts ist weltweit das umfangreichste und aktuellste Podcast-Verzeichnis. Aber viele Podcaster haben das Gefühl, dass Apple kein großes Interesse an einer Weiterentwicklung von Podcasts hat. Für das Motiv gibt es diverse Erklärungen: u.a. Apple macht mit Podcasts kein Geschäft, im Werbegeschäft hat Apple keine guten Erfahrungen gemacht, die Firma will Podcasts „nur“ als Feature für ihre Hardware anbieten. Natürlich gibt es aber auch Fans der Podcast-Politik von Apple.

Ein Hauptwunsch an Apple lässt sich aber destillieren: mehr Daten. Apple erfasst über die eigene Podcast-App und Apple Podcasts anonymisierte Nutzerdaten, teilt diese aber kaum mit Podcast-Anbietern. Viel mehr als die Abonnenten-Zahl sowie eine Aufteilung in Downloads und Streams ist in der Regel nicht zu erfahren. Keine aggregierte Daten wie durchschnittliche Hördauer, durchgehörte Episoden oder Demographie der Nutzer werden an die Inhalteanbieter ausgegeben. Für Podcaster, die ihre Arbeit über Werbegeld finanzieren wollen, ein großes Problem. Aber auch für andere Podcast wäre es spannend, um die eigenen Podcasts weiterzuentwickeln.

Andere fordern von Apple seit Jahren eine eingebaute Bezahlfunktion und damit Bezahlpodcasts. Auch hier ist bisher vom Konzern nichts Konkretes zu hören. Kritik gibt es immer wieder auch an den iTunes-Charts. Hier fordern viele mehr Transparenz und Verständlichkeit. Wie entstehen die Charts? Was zählt für das Ranking? Soziale Empfehlungen wünschen wiederum andere Podcaster. Der US-Medienbeobachter Ken Doctor träumt von Apple als Schweiz der Podcastwelt. Er wünscht sich einen neutralen Vermittler zwischen allen Beteiligten des Podcast-Geschäfts.

Internetkonzerne: What should Google do?

Podcasts leiden immer noch daran, dass sie schwer zu finden sind. Viele Hörer entdecken neue Podcasts über bestehende Podcasts. Die Auffindbarkeit von Podcasts wird von einigen als zentrales Problem der Branche gesehen. Da das schon beschriebene iTunes-Verzeichnis die zentrale Datenbank ist, leidet die gesamte Szene unter den vorhandenen Limitierungen.

Hier stellen sich bei einem Podcast-Wunschkonzert an viele Technologie-Konzerne Fragen: Was wäre, wenn Google eine Audio-Suchmaschine entwickelt? Oder wenn Audios und Podcasts bei Microsoft genau wie Texte durchsuchbar werden? Wird Facebook neben Text, Foto, Video und Gefühl einmal einen Audio-Button einführen? Hat Twitter nicht eine Podcast- und Audiovergangenheit? Kann Soundcloud künftig die oft beklagten Bugs und Probleme beseitigen? Öffnen sich Streaminganbieter wie Deezer oder Spotify für Drittanbieter mit offenen Schnittstellen? Wird Audible mit den „Channels“ ein geschlossenes oder ein offenes System anbieten? Haben Drittanbieter Zugangsmöglichkeiten für die neue Audible-Podcastplattform?

ARD: Öffnung für Podcaster

Im Herbst 2016 hat die ARD angekündigt, 2017 eine eigene Audio-App anzubieten. Ein Grund dürfte die extrem schlechte Findbarkeit von Audios in den bestehenden Mediatheken sein. Wie wäre es denn, wenn sich die ARD hier Drittanbietern öffnet? Könnte man vielleicht sogar zusammen mit privaten Anbietern eine gemeinschaftliche Audio-Datenbank oder Podcast-Datenbank bauen?

Zehn Euro pro Jahr für Kreative?

Könnten nicht fünf Prozent des Rundfunkbeitrages für unabhängige (Podcast)-Produzenten vergeben werden? Jeder könnte sich darauf bewerben und eine Jury entscheidet über die Vergabe.

In Dänemark gehen jedes Jahr zehn Euro pro Einwohner an Kreative. Bei 80 Millionen Deutschen könnte auch so ein schlagkräftiger Fonds für neue Produktionen entstehen.

GEMA, GVL: zeitgemäße Podcast-Tarife

Jetzt wird es ein wenig dröge, weil wir rechtliche Fragen diskutieren, aber für eine vielfältige Podcastlandschaft sind die Fragen essentiell. Die Verwertungsgesellschaft der Plattenfirmen GVL bietet bis heute keinen einzigen Podcast-Tarif an. Die GEMA bietet zwar einen an, aber ohne die Kombination mit der GVL ist er nicht besonders sinnvoll. Das bedeutet für Macher, wer Musik integrieren will, muss mit Künstlern und Labels über jeden einzelnen Song verhandeln. Bei einem Musikpodcast können das schnell fünf bis zehn Songs und damit mind. 20 Verhandlungen werden. Eine Kooperation von GEMA und GVL würde die Podcastlandschaft immens beleben. In fast allen anderen Ländern Europas oder in den USA ist das längst möglich.

Bahn, Autokonzerne, Mobilfunkfirmen: Podcasts, hä?

In Deutschland gibt es neben den bereits genannten Akteuren noch viele Anbieter, die überhaupt einmal auf Podcasts aufmerksam werden könnten. Wieso bietet die Deutsche Bahn in ihrem WLAN Nachrichten und Videos, aber keine Podcast-Übersicht? Wo ist die Podcast-Funktion in den Infotainment-Systemen der Autohersteller? Mobilfunkanbieter könnten neben Netzneutralität und fairen Flatrates ebenfalls offene Schnittstellen zu Podcast-Bibliotheken integrieren.

Podcast-Wunschkonzert

Was bleibt also von all den Ideen, um Podcast populärer zu machen?

  • Digitalkonzerne setzen auf offene Standards und integrieren Podcasts in ihre Systeme
  • Apple liefert mehr aggregierte Nutzerdaten an Podcaster
  • Vielleicht entwickelt jemand doch noch eine soziale Audioplattform?
  • Öffentlich-Rechtliche und private Anbieter kooperieren mit Podcastern
  • Autokonzerne, Deutsche Bahn, Mobilfunkfirmen erkennen den Mehrwert von Podcasts
  • Brauchen wir für die Kommunikation eine „Lobby“-Gruppe für Podcasts?

Wie seht ihr das? Wo hakt es aus eurer Sicht? Wer sollte was machen, um Podcasts weiter voranzubringen? Was würde auf eurem Podcast-Wunschkonzert laufen?

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