Adventskalender Türchen 18: Heather Nova

18.12.2009

Wenn man 20 Jahre lang in stoischer Regelmäßigkeit Platten veröffentlicht, gute Kritiken einheimst und um die ganze Welt tourt, ist es kaum verwunderlich, dass es irgendwann diese eingeschworene Fangemeinde gibt, die einem nahezu uneingeschränkte Solidarität gewährt. Als logische Konsequenz finden Konzerte von Heather Nova fast immer in ausverkauften Hallen statt.

Es muss beruhigend sein, dass es diese Konstante gibt, die einem nicht nur Selbstbestätigung sondern auch finanzielle Sicherheit einbringt. Denn von CD-Verkäufen kann selbst eine weltbekannte Musikerin vom Format Heather Nova nicht mehr leben.

Wenn man bei Google meinen Namen eingibt, ist das dritte Suchergebnis ein Link zur Tauschbörse Bittorrent. Man sieht sich das an und denkt: Okay, da wurde mein Album also 30.000 mal runtergeladen. Das ist schon irgendwie traurig. Man muss allerdings auch die positive Seite sehen: Das Internet gibt mir die Möglichkeit, mehr Leute zu erreichen und meine Musik zu verbreiten, auch wenn es nichts einbringt.

Die Möglichkeiten des Internets weiß Heather Nova mittlerweile sehr gut zu nutzen: Auf ihrer Homepage gibt es sämtliche Konzerte ihrer vergangenen Tour als Mitschnitt zum (kostenpflichtigen) Download. Stellt sich die Frage, warum sich diese Art des Konzerterlebnis-mit-nach-hause-nehmens nicht schon längst als funktionierendes Geschäftsmodell für darbende Künstler etabliert hat.

Für Heather Nova ist der Tour-Alltag zu einer Art Familien-Alltag geworden. Sie reist zusammen mit ihrem 5-jährigen Sohn, der beschäftigt werden will – ohne die große Spielzeug-Box im Tour-Schlepptau unvorstellbar. Wenn der Kleine dann zu Bett gebracht ist, geht es für die 42-jährige Mutter auf die Bühne, wo alte Hits wie Walk This World oder Island genauso frenetisch gefeiert werden wie die reduzierten Stücke des aktuellen Albums The Jasmine Flower.

Die Aufnahmen dafür führte Heather Nova komplett in Eigenregie durch, zu Hause auf den Bermudas. Weder Band noch Produzent standen ihr zur Seite. Die Songs sollten so aufgenommen werden wie sie entstehen: Zu Hause an der Gitarre.

Es gab keine anderen Meinungen, ich allein hatte die Verantwortung. Außerdem war ich nie unter Zeitdruck, da ich kein teures Studio gemietet habe. Es war wirklich toll, das alles zu Hause zu machen und den Aufnahmeknopf nur dann zu drücken, wenn ich einen kreativen Lauf hatte.

Genau so sollte Kreativität idealerweise genutzt werden, kommt sie doch in Wellen und ist nicht auf Knopfdruck abrufbar. Herausgekommen sind auf diese Weise ein paar angenehm puristische Songs, die stets auf das beste Pferd im Stall des gemeinen Songwriters setzen: Die Melancholie.

Manchmal entstehen aus Melancholie die schönsten Dinge, vor allem entsteht Hoffnung. Ich würde nicht sagen, dass es ein dunkles Album geworden ist. Es ist gefühlvoll. Voller Hoffnung und Liebe.

Treffender könnte diese Beschreibung auch für einen Song wie Ride nicht sein, den Heather Nova für den akustischen Adventskalender eingespielt hat.

Heather Nova – Ride (detektor.fm Akustik-Session)