Adventskalender Türchen 2: Svavar Knútur

02.12.2010

Wenn man Svavar Knútur einmal erlebt hat, könnte man meinen er sei der Prototyp eines Isländers: Ein wenig untersetzt, gepflegter Dreitagebart und schöne, melancholischer Musik im Gepäck. Ein bisschen mehr bleibt dann aber doch zu erzählen über diesen sympathischen Songwriter.

Svavar Knútur - Kvöldvaka

Kvöldvaka

Svavar Knútur

(Dimma, bereits erschienen)

Bevor sich Svavar Knútur ganz und gar der Musik verschrieb, arbeitete er unter anderem als Journalist in Reykjavík und half bei vielen sozialen Projekten. Kurz bevor der Bankencrash 2008 auch Island in die Krise stürzte, kündigte er seinen Job und konzentrierte sich fortan nur noch auf die Musik. Was ihm dabei besonders wichtig ist, erklärt Svavar so:

Meine Botschaft als Künstler ist, dass man schwere Zeiten durchleben muss, um das Leben wirklich wertschätzen zu können. Leute, die noch nie wirklich Probleme hatten, sind oberflächlich und können nicht glücklich sein. Klar man kann viel Party machen, aber man ist nicht wirklich glücklich, denn Glück heißt nicht nur, immer Sonnenschein zu haben, sondern viel mehr, dass man warme Sachen trägt und einen Regenschirm hat, um sich dem standzuhalten, was das Leben mit einem anstellt.

Passend fasst er das auf seiner MySpace-Seite zusammen: „Happiness cannot be reached without a proper understanding of sadness.“- man kann nicht glücklich werden ohne wirklich verstanden zu haben, was es bedeutet traurig zu sein. Doch trotz all der Melancholie, die immer ein wenig in der isländischen Musik mitschwingt, betont Svavar Knútur, dass die isländischen Musiker außerordentlich glückliche Menschen sind. Vielmehr geht es um die Freude, diese Melancholie zu zelebrieren. Dass er das verinnerlicht hat, zeigt Svavar eindrucksvoll auf seinem Debutalbum „Kvöldvaka“. Nachdem er zuvor in verschiedenen Bands gespielt hat, widmet er sich nun der Solokarriere und bezaubert das Publikum sowohl mit englischen als auch isländischen Songs.

Ich möchte meine Sprache gerne anderen Leuten bekannter machen, aber sie sollen natürlich auch die Dinge verstehen, die ich schreibe. Also schreibe ich manche Songs auf Englisch und manche auf Isländisch. Da gibt es fast so etwas wie eine Regel: Wenn ich über Dinge schreibe, die mich wirklich und wahrhaftig glücklich machen, dann sind die Songs auf Isländisch. Auch wenn die Dinge sehr, sehr traurig sind, singe ich auf Isländisch. Aber wenn es darum geht, Gefühle zu verarbeiten und Probleme zu lösen, dann benutze ich meistens Englisch. Genau wie bei Partysongs, denn ich will, dass die Leute auch mitsingen können. Aber ich denke, auch wenn ich einige meiner emotionalsten Songs auf Isländisch singe – die Botschaft kommt rüber, auch wenn es eine andere Sprache ist. Die Leute verstehen, was ich sagen möchte.

Svavar Knutur – Nóttin Var Sú Ágaet Ein (detektor.fm Akustik-Session)

Das komplette Interview und einen weiteren Akustik-Song von Svavar gibt es hier.