Album der Woche: Janelle Monáe – The ArchAndroid

26.07.2010

Sie misst 1,50 Meter, ist 24 Jahre jung, hat gerade ihr erstes Album rausgebracht und wird schon mit den ganz Großen verglichen: mit James Brown und Prince. Die Amerikanerin Janelle Monáe ist drauf und dran zum Superstar zu avancieren. Und das ist auch gut so, denn mit ihrem Debüt „The Archandroid“ gelingt ihr vor allem eins: Sie weicht die Klischees der Black Music auf und ist mitverantwortlich für eine neue Ära der Soulmusik.

Janelle Monáe - The ArchAndroid

The ArchAndroid

Janelle Monáe

(Atlantic / Warner, bereits erschienen)

Soul, R&B und Hip-Hop funktionierte in den letzten 20 Jahren vor allem dann, wenn die Komponenten der Sorte String-Tanga, Popo-Wackeln und weite Ausschnitte zum Einsatz kamen. Die junge Janelle Monáe präsentiert sich auf der Bühne zugeknöpft und androgyn: Die weiße Bluse ziert eine schwarze Fliege, darüber ein Frack, die Haare zu einer monströsen Afrotolle aufgestellt. Sie könnte einem 30er Jahre Stummfilm entsprungen sein, meint man, oder einem alten Micky Mouse Cartoon, so aufgeweckt wie sie sich durch ihre Live-Auftritte zappelt.

Popmusik ist seit eh und je auch ein Spiel mit den Äußerlichkeiten und die Kunstfigur Janelle Monáe versteht es perfekt, sich bei diesem Spiel smart an den Klischees vorbei zu navigieren. Das gilt auch auf musikalischer Ebene. Natürlich fabriziert sie in erster Linie Soul. Aber irgendwie ist es auch Rock, Funk, manchmal sogar Punk (Come Alive), Electronic (Make The Bus, mit Unterstützung der Band Of Montreal) und Swing. Dieses hybride Sich-nicht-festlegen-wollen ist neu im schwarzen Pop, der noch nie so offen und tolerant war wie in jüngster Zeit. Und Janelle Monáe treibt die Revolution mit ihrem Debütalbum voran.

The ArchAndroid ist ein Konzeptalbum mit allem zugehörigen Pipapo: Intro, Overtüren, Interludes, direkte Übergänge und eine Storyline. Die orientiert sich an Fritz Langs Stummfilm Metropolis und handelt von einem Android aus dem Metropolis des 28. Jahrhunderts, der sich in einen Menschen verliebt und so die Mensch-Maschine-Gesellschaft vorm Untergang bewahrt. Querverweise gibt es zuhauf – Janelle Monáe ist großer Fan von Salvador Dalí, Claude Monet und Tim Burton. Nun hat sie ihre Idee vom visuellen Surrealismus in Musikform gepresst. Wem das zu abgedreht ist, der kann sich ja immer noch dem Pop hingeben. Der geht in Mark und Bein und man möchte es Janelle Monáe gleichtun, wenn sie in ihren schwarz-weißen Lederschuhen moonwalk-artig übers Parkett schlittert.


Der Höhepunkt der Platte ist Tightrope (feat. Big Boi), ein Song, den Gnarls Barkley-Mastermind und Produzent der Stunde Brian Burton nicht besser hingekriegt hätte. Zu einem trockenen Beat und funkigen Bläser-Staccatos schmettert Monáe in James-Brown‘scher Manier ihr altkluges Tutorial fürs Leben, eine Anleitung für die Balance zwischen den Hochs und Tiefs – ein Drahtseilakt eben. Man wird sehen, ob sie diese Balance halten kann, wenn sie dann in höchsten Höhen wandelt und ihre Musik ein noch breiteres Publikum bekommt. Der nächste James-Bond-Soundtrack kommt bestimmt. Fakt ist: Ihr stilbewusster Popentwurf macht großen Spaß und die Zeit der klischeebehafteten Black Music scheint vorbei. Eher besinnt man sich auf die Granden der 60er und 70er, deren Soul tatsächlich Seele hatte. Das bewies in diesem Jahr schon Rox, jetzt Janelle Monáe und spätestens wenn Aloe Blacc sein Debütalbum veröffentlicht, wird man den Satz unterschreiben können: Das Soul-Jahr 2010 ist ein gutes.