Album der Woche: Washed Out – Within And Without

04.07.2011

Die Zeiten, in denen Musiker verzweifelt die Klinken sämtlicher Plattenfirmen putzten, sind heute so gut wie vorbei. Dank Internet kann man das viel stressfreier haben, sofern man den Geschmack eines hippen Bloggers trifft. So ähnlich war das auch bei Ernest Greene, der Mann hinter Washed Out. Diese Woche erscheint sein Debüt "Within And Without".

Washed Out - Within And Without

Within And Without

Washed Out

(Domino Records, bereits erschienen)

Und mal wieder haben die musikbegeisterten Blogger einen Musiker zum Held auserkoren. Aktuell ist es Ernest Greene aus Atlanta, besser bekannt unter dem Namen Washed Out. Schon 2009 hat er im Internet eine handvoll Songs veröffentlicht. Für ihn waren das aber eher Experimente, aufgenommen in seinem Schlafzimmer mit Laptop, Sample Bank und einem Mikrofon. Die Internet-Fangemeinde nahm seine Musik jedoch begeistert auf, der Hype um Greene begann. So ist kurz darauf seine erste EP Life Of Leasure erschienen – ebenfalls erfolgreich.

Die Erwartungen an sein Debüt Within And Without sind dementsprechend hoch, denn Greene muss beweisen, dass die Lobeshymnen, die bereits auf ihn gesungen wurden, berechtigt sind. Auf der Liste der Internet-Lieblinge, die ihre Musik mit geringem Aufwand selbst produzieren, steht Greene jedenfalls nicht allein. Er befindet sich dort in bester Gesellschaft zwischen James Blake und Toro y Moi. Letzterer wird gern zusammen mit Greene in die Chillwave- oder Glo-Fi-Ecke gestellt. Und so unpassend ist diese Beschreibung nicht, denn entspannte und träumerische Songs muss man auf Within And Without nicht lange suchen: gleich der Opener Eyes Be Closed erfüllt all diese Kriterien.


Um sich von Genre-Grenzen und dem Erwartungsdruck frei zu machen, hat Greene als Arbeitsort für die Platte ein idyllisches und abgeschiedenes Plätzchen an einem See gewählt. Eine gute Entscheidung, denn der Sound auf Within And Without sollte, so Greene, organischer und lebendiger klingen, als auf der Vorgänger-EP. Dazu hat auch Ben Allen als Co-Produzent seinen Teil beigetragen. Der hat unter anderem an Merriweather Postpavillion von Animal Collective mitgearbeitet. Beim Song Soft haben sie die gewünschte Lebendigkeit besonders gut eingefangen. Durch den Hall auf Greenes Stimme und das sphärische Grundgerüst klingt er wunderbar dynamisch.

Der Sound von Within And Without ist vor allem stark von den 80er Jahren geprägt, dabei trifft Pop auf Psychedelic. Greene gelingt es aber, eine gewisse Leichtigkeit in die Songs einzubauen, so dass der Sound wie ein lauer Sommerwind ganz sanft die Ohren des Hörers streift und nicht aufdringlich wird. In Far Away packt er die Violine aus und flüstert den Text fast vor sich hin – angenehme Schauer garantiert. Bei You And I wird Greene leidenschaftlich von Caroline Polachek, Mitglied von Chairlift, unterstützt. Der Song verkörpert geradezu das Cover der Platte – ein Paar beim Sex.

A Dedication rundet das Album schließlich ab – ein sensibler Song, in dem Greene eine Klaviermelodie als Fundament dient, auf die er Synthie und Beats stapelt. Ganz friedlich klingt der Song aus und nach dem 40-minütigen Trip auf einer frischen Sommerbrise, setzt man erholt und sanft wieder auf dem Boden auf.