Auf Tour: Scott Matthew und Spencer Cobrin sind “Elva Snow”

12.11.2010

Wenn Musik zum besten Freund wird: das Album von "Elva Snow" ist schmerzvoll, wunderschön, akustisch, heilsam. Eine Empfehlung.

Scott Matthew und Spencer Cobrin: Das Album von Elva Snow klingt wie ein nie veröffentlichtes David-Bowie-Album”, sagt der Standard. Ganz falsch ist das nicht. / © Michael Mann

Elva Snow - Elva Snow

Elva Snow

Elva Snow

(Glitterhouse (Indigo), bereits erschienen)

{info_1} Wie beschreibt man eine Band, die die ganz großen Emotionen anpackt, ohne sich in plumpen Phrasen zu verlieren? Das geht irgendwie nicht. Also keine Angst vor Gefühl: Elva Snow sind ergreifend. Herzzerreißend, aufwühlend, dramatisch, und irgendwie auch heilend. Das Phrasenschwein hätte seine helle Freude. Das Problem: es stimmt alles. Selbstzweifel, Zorn, Einsamkeit, Wut, Hilflosigkeit – das steckt da drin. Die Platte von Elva Snow ist keine, die man nur zur Ablenkung anhört. Die tut schon weh. Aber: man fühlt sich auch ein bisschen verstanden, wenn man mal wieder so einen Tag hat, wo es tief drinnen rumort.

Elva Snow werden greifbarer wenn man die beiden Köpfe dahinter nennt: der eine heißt Spencer Cobrin und war lange der Schlagzeuger von Morrissey. Der andere heißt Scott Matthew und gilt seit dem Film „Shortbus“ als Therapeut im Singer-Songwriter-Gewand. Spencer, seit 1991 bei Morrissey, war dort ziemlich wichtig geworden, er schrieb die Songs mit und prägte den Stil der Band: neben dem Dickkopf Morrissey musste das krachen. Scott Matthew währenddessen hatte das Leben aus Australien nach New York gespült. Und hier beginnt das Klischee: Scott arbeitete nebenher in einem Café, Spencer kam dort immer mal rein, man lernte sich über eine Freundin kennen, Spencer gab Scott ein Tape, Scott schrieb Texte zu den Songs, man verstand sich – und Elva Snow kam auf die Welt. Nach Zwischenzeitlicher Pause (Scotts Solokarriere begann) sind „Elva Snow“ nun wieder da, besser als je zuvor.

 

„Wer anfängt mit Zweifeln, hat schon verloren“ – die Liebe als Treibstoff

Scott Matthew macht übrigens kein Geheimnis draus, dass dieser Schritt für ihn nichts Übergroßes bedeutet: So wirklich wichtig seien ihm die Songs nicht mehr. Aber es gehe um die Freundschaft und enge Bindung zu Spencer, die er immer noch fühlt. Er genießt es, dass diese Wiederveröffentlichung auch eine Art Hommage an diese Freundschaft ist. „Ich bin sentimental, und damals bedeutete mir das einfach sehr viel.“

Liebe und Gefühl, das ist der Treibstoff für Scott. Der ist Single, und happy damit. Aber er hat etwas gelernt, dass er gern teilen will mit der Welt: Liebe passiert einfach, ob gesund oder nicht. Alle Theorien (Liebe auf den ersten Blick, es langsam angehen lassen, erstmal Freunde bleiben) helfen nicht. Und wer anfängt mit Zweifeln, hat schon verloren, sagt Scott.

Diese Musik ist ein Pflaster

Und da ist sie wieder: die ganz große Sentimentalität. Wie klingt das also bei Elva Snow? Gut. Sehr gut sogar. Matthews Stimme ist ein Pflaster, sehnsuchtsvoll, leiderfahren. Cobrin bringt hier nicht nur ein wertvolles Schlagzeugspiel mit, sondern ein paar der typischen Smiths- und Morrissey-Klänge. Die Bandbreite ist dementsprechend groß: das geht mal rockiger und ziemlich straight geradeaus (in „Shimmer“), mal alternativer und schön bassliniengetrieben („Could Ya“), ganz ruhig und tröstend („Hollywood Ending“). Und natürlich: die Königsdisziplin, unfassbar pathetisch und melodramatisch („Eyesore“ und der Hit: „Pavement Kisses“).

Zwölf Termine gibt’s in Deutschland. Davor und danach lautet die Empfehlung, sich den Weisheiten von Scott Matthew vertrauensselig hinzugeben. Eine davon gibt’s hier: „And it could be a sign, that love an whiskey don´t rhyme.” Die Zeile stammt aus dem Song “Hollywood Ending” – als auch ein Ende wie im Film? Man wünscht es ihnen, das Happy End.