Demokratische Konzertplanung mit PeterLicht und ADDACT

PeterLicht kommt in deine Stadt

07.07.2015

Auf die Konzertplanung seiner Lieblingsband hat der Fan normalerweise keinen Einfluss. Das Hamburger Startup ADDACT will die gewohnten Abläufe umkrempeln und den Fan entscheiden lassen, wo Konzerte stattfinden. Eine der ersten Kamapagnen ist eine Kurztour des Songpoeten PeterLicht.

Probiert neue Formen der Konzertplanung - PeterLicht. Foto: Christian Knieps

Wer kennt das nicht: da kommt die Lieblingsband endlich auf Tour, nur leider nicht in die Stadt, in der man wohnt. Wer dann nicht Fan genug ist und sich die lange Autofahrt zum nächsten Konzertort aufbuckelt, guckt in die Röhre. Mit Hilfe des Hamburger Startups ADDACT könnten solche Szenarien bald der Vergangenheit anhören. Bei ADDACT bestimmen die Fans, in welchen Städten die Lieblingsband demnächst spielt. Aktuell kann man sich PeterLicht in seine Heimatstadt holen.

Der Kapitalismus, der alte Schlawiner, ist uns lange genug auf der Tasche gelegen. Vorbei, vorbei, jetzt ist er endlich vorbei. – Songtext PeterLicht

Musiker, Wortakrobat und Kapitalismusreflekteur – PeterLicht hatte schon immer ein offenes Ohr für neue Ideen, die althergebrachte Mechanismen in Frage stellen. Er tobt sich in allerlei Formaten aus, vom Gedicht bis zum Theater-Projekt. Hat sein letztes Album, ein Live-Album, per Crowdfunding finanziert. Nun will er gemeinsam mit dem Hamburger Startup ADDACT die Konzertplanung demokratisieren.

Erst die Fans, dann die Konzerte

Die Idee ist simpel. Auf der Seite addact.de kann man auswählen, ob PeterLicht nach Rostock, Chemnitz oder Leipzig kommen soll. Wer seine Stimme für eine Stadt abgibt, sichert sich damit ein Ticket. So wissen Booker und Veranstalter schon im Vorhinein, dass das Konzert gut besucht sein wird. Denn erst wenn eine bestimmte Menge Tickets in einer Stadt zusammenkommt, findet das Konzert statt. So ähnlich wie beim Crowdfunding. Dirk Veit, einer der Gründer von Add Act erklärt die Idee.

Normalerweise hat der Fan der Band im Prozess der Konzertplanung natürlich gar keinen Einfluss. Das heißt, er kann eigentlich nur hoffen und warten, bis seine Band irgendwann mal zu ihm kommt. Wir möchten dem Fan mehr Einfluss bieten und ihn an den Anfang der Konzertplanung stellen. Erst mal wird geschaut: Wo ist überhaupt die kritische Masse? Wo sind die Fans? Und dann wird entschieden, wo das Konzert stattfinden soll.

Aller Anfang ist schwer

Die Kampagne mit PeterLicht ist eine der ersten von ADDACT. Hier und da muss das junge Startup noch Überzeugungsarbeit leisten. Schließlich wollen sie einen über Jahre gewachsenen Ablauf in der Musik- und Veranstaltungsindustrie umkrempeln. Letztendlich erleichtern sie aber vielen Beteiligten die Arbeit. Den Bookern etwa, die dann ihren Erfahrungsschatz um reale Ticketverkaufszahlen noch vor Buchen der Tour erweitern können. Und Künstler wie PeterLicht spielen dann dort, wo die Fans wirklich sind.

Sicher ist das – gemäß PeterLicht – nicht das Ende vom Kapitalismus. Aber ein Anfang für eine sinnvolle, demokratische Konzertplanung allemal. Mitmachen kann man noch bis zum 9. Juli auf addact.de. Dann endet die Kampagne und dann entscheidet sich, ob die Konzerte tatsächlich stattfinden.