Reingehört: The Magic Numbers – Alias

"Bands wie Mumford & Sons spielen immer das Gleiche"

26.08.2014

Wo andere Bands an dem festhalten, was auch bei den Fans gut ankommt, suchen The Magic Numbers nach Veränderung. Auf "Alias" wechselt das Geschwister-Doppelpack mühelos zwischen Rock und Soul und erlaubt sich sogar einen Abstecher in die Disco-Ära.

The Magic Numbers bestehen aus 2 Geschwisterpaaren. Aus Michele und Romeo Stodart und Angela und Sean Gannon. Foto: Caroline International

The Magic Numbers - Alias

Alias

The Magic Numbers

(Caroline, bereits erschienen)

Ein Mosaik aus verschiedenen Gesichtern – so sieht das Cover des mittlerweile vierten Albums der Londoner Formation The Magic Numbers aus. Versteckt darin finden sich auch die vier Bandmitglieder, also auch Romeo Stodart und seine Schwester Michele. Dabei ist das erklärte Ziel der neuen Platte eben gerade nicht, sich dahinter zu verstecken. Als die Geschwister Stodart nach einer Auszeit wieder zum Musikmachen zusammenkamen, hatten sie nämlich das Gefühl, diesmal würde etwas Großartiges dabei herauskommen, sagt Sänger Romeo:

Wir hatten bei diesem Album das Gefühl, dass da sehr starke Songs entstehen. Als wir nach Micheles Solo-Platte wieder anfingen, zusammenzuarbeiten, war sofort diese Begeisterung wieder da. Wir dachten, lass uns einfach die beste Platte aufnehmen, die wir je gemacht haben.

Musikalische Schizophrenie

Der Titel „Alias“ spielt ganz bewusst mit der Idee verschiedener Rollen oder Persönlichkeitsfacetten, die jeder von uns besetzt oder vielleicht auch ausleben will. Bei den Magic Numbers äußert sich das unter anderem in einer überraschend großen stilistischen Bandbreite. Die Band wechselt mühelos zwischen Rock und Soul und erlaubt sich diesmal sogar einen Abstecher in die Disco-Ära. Während manche Bands sich gern an dem festhalten, was auch bei den Fans gut ankommt, haben The Magic Numbers schon immer versucht, flexibler zu bleiben.

Das beschäftigt uns immer wieder – aber wir hatten diesen Stilmix schon auf unserem allerersten Album. “Love’s a game” zum Beispiel war damals schon ein sehr Soul-lastiger Song. Das machen wir also schon lange und werden es auch weiter tun. Es gibt ja Bands wie Mumford & Sons, die immer wieder das Gleiche spielen – aber dann könnte man ja auch gleich copy & paste machen.

Unbewusster Seelenstrip

Popmusik nach Schema F à la Mumford & Sons darf man von den Magic Numbers also nicht erwarten, sagt Michele Stodart. Dafür aber durchaus überraschende Einsichten in das emotionale Innenleben ihres Bruders und Hauptsongschreibers Romeo. Manchmal, sagt er, weiß er selbst nicht so genau, ob er in den Texten nicht doch zu viel von sich preis gibt.

Ich mache das nicht unbedingt bewusst, alle meine Gefühle so offen zu legen. Manchmal frage ich mich sogar, ob ich zuviel sage oder ob man das überhaupt jemandem zumuten kann. Aber letztlich musst du es ja doch irgendwo rauslassen.

Kreativitätszoff

Die Offenheit, mit der The Magic Numbers auch sehr persönliche Erfahrungen in ihren Songs behandeln, ist sicher auch darauf zurückzuführen, dass sich die Geschwister Romeo und Michele so gut kennen. Andererseits führt die große Vertrautheit durchaus auch dazu, dass die beiden sich schnell mal in die Haare kriegen.

Wir hauen uns im Studio schon manchmal gegenseitig die Köpfe ein – buchstäblich. Aber aus solchen Streitigkeiten entsteht dann doch immer wieder spannende Musik.

Musik ist und bleibt für The Magic Numbers eine Familienangelegenheit. Und solange bei Auseinandersetzungen noch genug kreative Energie übrig bleibt für neue Songs, darf es – zumindest aus Sicht der Fans – gern weiter den einen oder anderen Studiostreit geben.