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Thomas Hampson, Foto: Jimmy Donelan
Bild: Thomas Hampson | Jimmy Donelan

Mahlers Universum | Das Lied bei Mahler

„Ein Labor des menschlichen Daseins“

Das Volkslied ist für Mahler so wichtig gewesen, dass es auch in seinen Sinfonien nicht fehlen durfte. In die Welt seiner Lieder führt in dieser Folge einer, der sie hunderte Male gesungen hat: der Star-Bariton Thomas Hampson.

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Saitenwechsel wird präsentiert vom Gewandhausorchester.

In der Musikwissenschaft unterscheidet man ganz grob zwischen: Volkslied – recht simple Texte und Melodien, wobei der Urheber meist unbekannt ist – und Kunstlied – gesanglich anspruchsvoll, oft mit virtuoser Klavierbegleitung und der Urheber ist bekannt. Gustav Mahlers Lieder sind ohne Frage kunstvoll und komplex, und er komponierte nicht nur eine ausgefuchste Klavierbegleitung, sondern gleich für ein ganzes Orchester. Aber als Ausgangspunkt nimmt er immer Volksliedtexte.

Des Knaben Wunderhorn

Eine wichtige Quelle ist für ihn die Gedicht- und Volksliedsammlung „Des Knaben Wunderhorn“ von Achim von Arnim und Clemens Brentano. Was hat den Künstler so gereizt an diesen alten volkstümlichen Texten? Star-Bariton Thomas Hampson hat die Lieder schon hundertfach gesungen und erklärt es sich folgendermaßen:

Er fand im Volkslied einen Grundriss von unterschiedlichen menschlichen Neigungen und Beziehungen. Ich glaube, er hat es als ein gewisses Labor des menschlichen Benehmens und Daseins gesehen. Das hat ihn sehr gereizt.

Thomas Hampson, Bariton

Thomas Hampson, BaritonFoto: Marshall Light Studio

Es sind Liebeslieder dabei, Soldatenlieder, es geht oft um den Tod. In jedem Lied gibt es eine Entwicklung des Charakters, der Stimmung, die die Zuhörer miterleben. Dass ihn Soldatenlieder so faszinieren, hat sicher auch damit zu tun, dass Mahler in seiner Kindheit von Militärmusik umgeben ist: er wächst in Iglau auf, zu der Zeit ein wichtiger Standort der Armee von Österreich-Ungarn.

Kindertotenlieder

In seiner späteren Schaffensphase widmet sich Mahler vor allem Texten von Friedrich Rückert. Mahler beschäftigt sich ab 1900 mit der Sammlung „Kindertotenlieder“. Die hat Rückert geschrieben, nachdem zwei seiner Kinder gestorben waren. Mahler selbst hat zwei kleine Kinder. Mit dem Tod ist er außerdem schon als Kind in Berührung gekommen: mehrere seiner Geschwister sind sehr jung gestorben.

Thomas Hampson: Keine Saison ohne Mahler

Für Thomas Hampson sind Mahlers Lieder zu einem wichtigen Begleiter geworden. Wegweisend war zum Beispiel die Arbeit mit Leonard Bernstein und den Wiener Philharmonikern ganz am Anfang seiner Karriere. Wie er Mahler jedes Mal wieder neu begegnet, erzählt er im Podcast. detektor.fm-Moderatorin Eva Morlang führt durch die Folge.

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