Musikvideo der Woche | „I See You“ von Motorama

Die Ästhetik des Schlafens

Viel Bewegung und doch keine Bewegung: Das Video „I See You“ von Motorama zeigt schlafende Menschen und lässt den Zuschauer auf ungewöhnliche Weise in private Momente eintauchen. Maurice Gajda erzählt, warum ihn das Video fasziniert.

Alle schlafen

Das Video „I See You“ von der russischen Band Motorama zeigt Menschen in einem intimen Zustand – beim Schlafen. In schwarz-weiß zu sehen sind Menschen aus Moskau und Barcelona. Manche in alltäglichen Situationen wie im Bus oder im Bett. Andere wiederum an besonderen Orten, etwa in einer Flugzeug-Turbine oder bei der Arbeit auf einem Baugerüst.

Das Besondere an dem Video ist der permanente Zoom der Kamera. Dementsprechend bewegt sich die Kamera in jedes der Bilder hinein. Für Zuschauer ein unnatürlicher Blick, denn das menschliche Auge ist nicht in der Lage, in Bilder hineinzuzoomen.

Man fragt sich, sind die jetzt tot? Was ist mit diesen Menschen passiert, die sind immer alleine und es gibt nur Zooms, die immer stärker werden. – Maurice Gajda

„I See You“

Der Text ist wörtlich umgesetzt. So verweisen Motorama mit dem Songtitel „I See You“ eindeutig auf die beobachtenden Rolle des Zuschauers. Immer wieder wiederholt sich die Textzeile „How can I sleep tonight“.

Genau in dieser Situation sehen wir die Leute, wie sie sich wegträumen und wie sie sich wegdenken. Wir sind Zeugen der Tagträumerei der Menschen. – Maurice Gajda

Auch das Ende fasziniert: Die Schlafenden erwachen aus ihrem Tagtraum – und sind irritiert.

Warum ihn das Musikvideo „I See You“ fasziniert, darüber hat Maurice Gajda mit detektor.fm-Moderatorin Isabel Woop gesprochen.

Durch dieses Heranzoomen werden wir mit den Charakteren sehr schnell bekannt gemacht und es wird dann besonders intensiv, wenn der Schlaf unterbrochen wird.Maurice Gajda 

Redaktion: Moritz Steinacker


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