Reingehört: Alsarah & The Nubatones – Manara

Was ist Heimat und wie klingt sie?

13.10.2016

Alsarah & The Nubatones leben zwar in Brooklyn, aber Sängerin Alsarah hat ihre Wurzeln im Sudan. Auf ihrem zweiten Album "Manara“ vereint die Band traditionelle nord- und ostafrikanische Einflüsse und Pop.

Alsarah zog aus ihrer Heimat Sudan über Jemen an die amerikanische Ostküste. Foto: Nousha Salimi.

Alsarah and the Nubatones - Manara

Manara

Alsarah and the Nubatones

(Wonderwheel Recordings, bereits erschienen)

Das Thema „Heimat“ spielt eine große Rolle in den Songs von Alsarah & The Nubatones. Kein Wunder, denn Sängerin Alsarah stammt aus dem Sudan, musste als Kind aber mit ihrer Familie erst in den Jemen fliehen und zog schließlich an die Ostküste der USA. Da es schwierig und gefährlich ist, in das krisengeschüttelte Land zu reisen, erforscht Alsarah ihre Heimat mit Hilfe von Musik.

Musik zu machen ist meine Art, meine Heimat zu erforschen, denn es ist sehr schwierig persönlich hinzufahren. Mit Hilfe der Musik versuche ich zu verstehen, wer ich bin. Der Sudan ist ein Land mit sehr vielen Identitätskrisen und erfundener Geschichte. Man weiß nicht genau, was wahr ist und was nicht. Musik ist dagegen sehr ehrlich. Auch wenn sie Dinge oftmals in Rätseln und Metaphern erzählt, kann man sehr viel rausholen.

Jedes Land hat einen eigenen Klang

Als Kind im Jemen beginnt Alsarah Musik zu sammeln, es ist auch eine Zuflucht für sie in der fremden Umgebung.

Als wir im Jemen gewohnt haben, gab es einen Second Hand-Kassettenladen neben meiner Schule. Dort hab ich jede Woche von meinem Taschengeld Kassetten gekauft. Der Verkäufer hat sie auch umgetauscht, wenn sie mir nicht gefallen haben. Erst hab ich nur auf die Cover geachtet. Später hab ich die Musik dann nach elektrisch und nicht so elektrisch sortiert und festgestellt, dass jedes Land seinen eigenen Klang hat.

Bollywood-Soundtracks, algerische Rai- und ägyptische Popmusik – Alsarah sammelt alles. Als sie in den USA aufs College geht, entdeckt sie ihre Liebe zu sudanesischer Musik. In New York singt sie eine Weile traditionelle arabische Songs, bis sie bei einem der Projekte ihre zukünftigen Bandmitglieder kennenlernt. Alle haben Wurzeln in Afrika, sie tauschen sich über nubische Musik und ihre Migrationserfahrungen aus, die Nubatones sind geboren. 2014 erscheint ihr Debütalbum Silt, mit dem sie vor allem die für viele fremd wirkende Musik des Sudan vorstellen wollen.

Die Songs auf dem zweiten Album Manara sind alle auf arabisch. Alsarahs kraftvolle Stimme wird begleitet von traditionellen afrikanischen Instrumenten wie den Lauten Oud und Ngoni. Dazu kommen elektronische Spielereien wie Loops und Halleffekte.

Reise zum Leuchtturm

Der Titel Manara bedeutet Leuchtturm und für Alsarah geht es um die metaphorische Reise dem Leuchtturm entgegen, erklärt sie.

Auf dem Album geht es um die Reise zum Leuchtturm, zu einem Anker oder Endpunkt. Die Reise ist das Meer von Klängen in dem man sich befindet. Es geht um die Schritte, die wir machen auf dem Weg hin zu unserem endgültigen Ziel.

Auch wenn man die arabischen Texte nicht versteht: Sehnsucht, Traurigkeit aber auch Lebensfreude klingen in den Songs durch. Manara ist eine faszinierende Mischung aus traditionellen und modernen Elementen. Mit ihrem zweiten Album schaffen es Alsarah & The Nubatones mühelos, kulturelle und sprachliche Barrieren zu überwinden.