Reingehört: Bleached – Ride Your Heart

16.04.2013

Heiße Strände, pralle Sonne und Teenager mit Surfbrettern – diese Bilder rufen die Songs von Bleached hervor. Die Schwestern Jennifer und Jessica Clavin haben gerade ihr Debütalbum "Ride Your Heart" veröffentlicht.

California Girls: Jennifer und Jessica Clavin alias Bleached auf den Hügeln vor dem San Fernando Valley. Foto: Todd Cole

Bleached - Ride Your Heart

Ride Your Heart

Bleached

(Dead Oceans, bereits erschienen)

Die Sonne blendet. Aus dem Autoradio knistern Golden Oldies und durch die schwarze Ray-Ban Sonnenbrille verschwimmt die kalifornische Küste zu einem einzigen, monochromen Rauschen.

 

Das Cover ihres Albums Ride Your Heart ist eindeutig: Hier, im idyllischen San Fernando Valley bei Los Angeles, sind Bleached, die Schwestern Jessica und Jennifer Clavin, aufgewachsen. Die beiden Valley Girls – die sich natürlich niemals als solche bezeichnen würden – sind schon als Teenager in die notorische Punk Szene L.A.s gerutscht und haben dort in der Underground-Band Mika Miko gespielt.

Jessica und Jennifer Clavin sind auf Krawall gebürstet. Und genau deshalb haben sich die beiden Schwestern zu Bleached zusammengetan. Bleached, das steht hier wohl vor allem für sonngebleichtes Haar und chlorgebleichte Jeans. Es könnte aber auch für die verblichenen Erinnerungen und Pop-Helden stehen, die die beiden Valley-Gören in ihrer Musik wiederbeleben. Ride your Heart ist eine Art musikalische Ahnenschau – oder passender, eine große Strand-Party auf der die Misfits mit den Beachboys, die Ronettes mit Blondie und Bleached selbst mit den Ramones abhängen.

Musikalisch heißt das: einfache Akkordfolgen, viel viel Tempo und 60s-Girl Group-Gesänge über typische Teenagerthemen – obwohl Jessica und Jennifer Clavin mit Mitte zwanzig eigentlich viel zu alt dafür sind.

Mit Ride your Heart – etwa „Folge deinem Herzen“ hat Jennifer, die ältere der Schwestern, ihre Beziehungen aufgearbeitet. Weil die alle gescheitert sind, schwankt die Laune der Songs zwischen Euphorie und Trotz: der Surfsound lässt bittersüße Erinnerungen psychedelisch verschwimmen, Gitarren protestieren leise kreischend und werden von den messerscharfen Drums befeuert. Die Schellen und der verhallte Harmoniegesang wirken dagegen wie Balsam auf die Schürfwunden am Herzen.

Das ist genau die Art schizophrener Weltschmerz, den es nur unter dem wolkenklaren Himmel Kaliforniens geben kann: wenn die Stimmung finster ist, aber die Sonne unerbittlich strahlt.

All das kennen wir natürlich schon aus 50 Jahren Popgeschichte von den meist männlich besetzten Bands. Aber wie Blondie oder die Runaways drehen Bleached in Ihren Songs den Spieß um: es geht um schöne Jungs, die ihre Herzen brechen, Jungs, die sie nie verlieren wollten und vor allem um ihre eigene Freiheitsliebe, die ihnen manchmal einen Strich durch die Rechnung macht.

Ride Your Heart ist wie ein fruchtiges Wassereis: erfrischend, unkompliziert und im besten Sinne retro. Bei einer Albumlänge von gerade mal 37 Minuten also genau das richtige für einen kleinen Fantasietrip an die kalifornischen Strände.