Rezension: Tim Neuhaus – The Cabinet

04.02.2011

Wenn Musiker andere Musiker empfehlen, ist das manchmal einfach ein guter Dienst unter Labelkollegen. Auf die neueste Empfehlung von Tomte-Frontmann Thees Uhlmann kann man sich aber mit gutem Gewissen verlassen: Tim Neuhaus heißt der Mann, den Uhlmann der Welt ans musikaffine Herz legen möchte.

Nimmt Songs auf seit er 16 ist - Tim Neuhaus (Foto: Grand Hotel Van Cleef)

Tim Neuhaus - The Cabinet

The Cabinet

Tim Neuhaus

(Grand Hotel Van Cleef, bereits erschienen)

Eigentlich erscheint The Cabinet mindestens sechs Wochen zu früh. Denn das was da so leichtfüßig aus den Boxen tänzelt, klingt überhaupt nicht nach einem trüben Februaranfang. Vielmehr klingt es nach Plusgraden, den ersten warmen Sonnenstrahlen und grünen Spitzen an den noch trockenen Ästen.

The Cabinet ist nach zwei in Eigenregie produzierten Alben das Labeldebüt von Tim Neuhaus. Die Platte erscheint bei Grand Hotel van Cleef und ist wahrscheinlich die poppigste Veröffentlichung, die man je von dem Hamburger Label zu hören bekommen hat. Pop ist die große Stärke von Tim Neuhaus. Mal ausgelassen energisch und dann wieder hingabevoll traurig.

Lange Zeit stand Tim Neuhaus ganz hinten auf der Bühne. Nach seinem Musikstudium in Weimar saß er unter anderem bei Clueso am Schlagzeug. Es hat ein paar Jahre gedauert, bis er sich auf den vorderen Teil der Bühne gewagt hat. The Cabinet lag deswegen lange schon fertig auf seinem Schreibtisch und erscheint erst jetzt, weil irgendwie nie der richtige Moment kam. Dabei braucht das Album gar nicht unbedingt den einen richtigen Moment. Losgelöst von Synthesizer-Moden und glatt produzierten Clubhits, kommt The Cabinet ganz unaufgeregt daher. Im klassischen Singer/Songwriter-Stil schafft Neuhaus mit minimalistischer Instrumentierung große Melodien, die er nur mit seiner butterweichen Stimme begleitet. Er besingt die alltäglichen Geschichten vom Lieben und Scheitern, vom Aufstehen, weitergehen, hoffen und zweifeln.

Am Ende ist es gar nicht so schlimm, dass The Cabinet nicht ganz der tristen Februarstimmung entspricht. Dafür erinnert es daran, dass der Frühling wohl nicht mehr lange auf sich warten lässt. Und wenn er dann da ist, ist The Cabinet der perfekte Soundtrack zum Fahrradfahren oder der Kaffeepause in der Sonne.