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HK Gruber hat lange Jahre selbst als Kontrabassist im Orchester gespielt und dirigiert leidenschaftlich gerne. | Foto: Priska Ketterer
HK Gruber hat lange Jahre selbst als Kontrabassist im Orchester gespielt und dirigiert leidenschaftlich gerne. | Foto: Priska Ketterer

Saitenwechsel | Komponist HK Gruber

Keine Lust auf elitär

„Wenn der Komponist noch lebt, ist Vorsicht geboten“ – das Gerücht hält sich ziemlich hartnäckig. In manchen Fällen mag das stimmen, aber es gibt auch Gegenbeispiele: Zeitgenössische Musik, die überhaupt nicht elitär und schmerzhaft für die Ohren ist, sondern ziemlich zugänglich und unterhaltsam. Ein lebendes Beispiel dafür ist der österreichische Komponist HK Gruber.

+++Saitenwechsel wird präsentiert vom Gewandhausorchester.+++


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Saitenwechsel wird präsentiert vom Gewandhausorchester.

Schon mit sechs Jahren ist HK, Heinz Karl, Gruber überzeugt, dass er Komponist und Dirigent werden wird. Geboren 1943 in Wien, bekommt er früh eine gute musikalische Ausbildung bei den Wiener Sängerknaben.

Schon früh war mir klar, dass mich die Welt nicht unbedingt als Komponist erwartet, denn die Welt denkt, wir haben schon genug Komponisten. Vor allem der Begriff zeitgenössische Musik ist ja schon fast ein Feindbild für die Leute. – HK Gruber, Komponist

Und trotzdem oder genau deshalb will er Komponist werden. Als Jugendlicher bekommt er den Rat: Vom Komponieren zu leben wird schwierig, besser du sicherst dir eine Stelle im Orchester. Also studiert er Kontrabass und jahrzehntelang ist Bassist der Beruf, mit dem er Geld verdient.

Frei machen von Regeln des Mainstream

HK Gruber studiert auch Komposition an der Musikhochschule in Wien. Dort herrscht zu der Zeit ein Mainstream in der Komponierweise, der ihm nicht so recht gefällt, die serielle Komposition: die Idee, möglichst alle musikalischen Parameter, Tonhöhen, Längen, Rhythmus, Lautstärken auf Zahlenreihen und Formeln aufzubauen. Eine Weiterentwicklung von dem, was Arnold Schönberg mit der berühmt-berüchtigten Zwölftontechnik begonnen hat und ein Trend, mit dem sich die Komponisten immer weiter vom Publikum weg bewegen.

Mit Schönberg und den Schülern in seinem Umkreis hat sich die Musik schon sehr elitär abgegrenzt gegen Formen der abfällig behandelten Unterhaltungsmusik. – Ann-Katrin Zimmermann, Dramaturgin Gewandhaus zu Leipzig

Verständlicher Text im Mittelpunkt

Von Anfang an gibt es aber auch Komponisten, die die Schönberg Linie kritisch sehen. Etwa sein Schüler Hanns Eisler will Musik komponieren, die Menschen ganz direkt erreicht. Er vertont zum Beispiel Texte von Bertolt Brecht und lernt in Berlin auch den Sänger Ernst Busch kennen.

Ein Kreis an Künstlern, der für HK Gruber zu wichtigen Vorbildern wird. Er tritt auch selbst als Chansonnier auf, singt Lieder von Kurt Weill und Eisler. Nach langen Jahrzehnten im Orchester lebt er inzwischen vom Dirigieren und Komponieren. Wie sein Ansatz klingt, musikalisch zugänglich zu sein, hören Sie im Saitenwechsel.

HK Gruber - will Musik komponieren, die Menschen direkt anspricht

will Musik komponieren, die Menschen direkt anspricht
Ich denke, Musik sollte sich selbst erklären. Sie sollte sich auch ungeschulten Hörern erschließen. Oder man muss den Hörer behutsam an der Hand nehmen, die Musik dekonstruieren und ihm quasi den Organismus des Musikstücks von innen zeigen.HK Gruber