Saitenwechsel | Sofia Gubaidulina

Klänge aus dem Himmel

Die neue Staffel im Saitenwechsel beginnt mit der größten Komponistin unserer Zeit: Sofia Gubaidulina. Im Alter von 90 Jahren schreibt sie an dem Werk, das ihr letztes sein soll. Wo entspringt ihre Musik und wie wurde sie berühmt?

Aus Kasan in die Welt

Sofia Gubaidulina wird 1931 in einer tartarisch-russischen Familie geboren und wächst in Kasan auf. Ihre Familie hat nicht viel Geld, aber eines Tages schafft sie einen kleinen Flügel an.

Ihre ältere Schwester drückt die Tasten und Pedale, während Sofia über die Saiten fährt. Die Klänge, die dabei entstehen, bedeuten ihr die Welt. Bald bekommt sie Klavierunterricht an der Musikschule. „Für mich war es ein Tempel, diese Musikschule. Das ganze andere Leben war nicht interessant“, erzählt Sofia Gubaidulina.

In Moskau studiert sie Komposition. Wenn sie an die Zeit in der Sowjetunion zurückdenkt, fällt ihr vor allem der Hunger ein, die materielle Not. Ihre Familie, Vater Ingenieur, Mutter Lehrerin, hat keinen guten Stand.

Erfolg im Westen

Ihre größten Erfolge als Komponistin hat sie aber nicht in der Sowjetunion, sondern im Westen. Ermöglicht wird das vor allem durch den Sikorski-Verlag. Der hatte bereits Ende der 50er Jahre einen Vertrag mit der Sowjetunion abgeschlossen mit dem Ziel, sowjetische Musik in Westeuropa zu verbreiten. Wie schwierig es war, frei mit den Komponistinnen und Komponisten zu sprechen, erzählt der Verlagsdirektor Hans-Ulrich Duffek im Podcast.

In den 1990er Jahren zieht Gubaidulina nach Deutschland und findet in einem Haus in der Nähe von Hamburg die Ruhe und Abgeschiedenheit, die sie zum Komponieren braucht. Unterrichten, Interviews geben, das alles würde sie vom Wesentlichen, vom Komponieren, abhalten.

Sie sieht Musik als etwas Geheimnisvolles. Sie empfindet Worte als störend, wenn nicht zerstörerisch.

Hans-Ulrich Duffek, Verlagsdirektor bei Sikorski

Eva Morlang hat Sofia Gubaidulina 2019 für ein Interview getroffen und mit ihr über die Ursprünge ihrer Musik gesprochen. Wie Gubaidulina schließlich berühmt wurde, erklärt ihr Verleger Hans-Ulrich Duffek.