William Fitzsimmons: “Musik ist immer ein Anfangspunkt.”

04.03.2012

„Deine Musik berührt mein Herz“, steht in einem Bief, den Singer-Songwriter William Fitzsimmons vor kurzem von einem Fan bekommen hat. Der Brief war so herzerweichend, dass der Musiker ihn auf seiner Facebook-Seite zeigen musste. Tatsächlich berührt Fitzsimmons Musik reihenweise Herzen. Wer verbirgt sich hinter den tragisch-schönen Liedern und dem Rauschebart?

William Fitzsimmons auf der Bühne im Centraltheater Leipzig. © R. Arnold/CT

William Fitzsimmons - Gold In The Shadow

Gold In The Shadow

William Fitzsimmons

(Grönland, bereits erschienen)

Wenn man Interviews mit William Fitzsimmons hört oder liest, kommt man an drei Themen kaum vorbei. Die Blindheit seiner Eltern, seine Ausbildung zum Psychotherapeuten und sein dunkelbrauner Vollbart. Diese Besonderheiten scheinen sich in seinen Liedern wiederzufinden. Denn seine Musik ist tragisch und trägt dennoch Hoffnung in sich. Wer denkt, hinter der leisen Musik, der Brille und dem Rausche-Bart verbirgt sich ein schüchterner Mann, irrt. William Fitzsimmons erzählt während seiner Konzerte witzige Geschichten und ist in Gesprächen freundlich und offen. Der friedliche Umgang mit den Menschen liegt ihm am Herzen, sagt er. Seine dunkle Seite komme ausschließlich in seiner Musik zum Vorschein.

Ich versuche immer einen friedlichen Umgang mit den leuten um mich zu pflegen. So bin ich einfach. Aber natürlich habe ich auch schlechte Seiten an mir, wie jeder. Aber die hebe ich mir für die Musik auf. Das ist wie bei einem Wasserhahn. Die heiße Seite mache ich nur für meine Musik auf. Wenn ich unter Menschen bin, mache ich ihn wieder zu. Für mich ist Musik ein Weg, um Ärger und Ängste los zu werden.

Ehrlichkeit spielt für Fitzsimmons eine wichtige Rolle. Mit Menschen, die sich hinter Masken verstecken, könne er nicht sehr viel anfangen, sagt er. Das sei schließlich auch der Grund, warum er sich den Beruf  des Psychotherapeuten ausgesucht habe. Als Therapeut besucht er mit seinen Patienten ihre innersten und verstecktesten Orte und baut ein sehr stabiles Vertrauen auf.

Ich finde es toll, wenn man sich seine Geheimnisse verrät und nichts mehr vor dem anderen versteckt.

Auch ehrliche Kritik an seiner Musik bedeutet ihm viel, egal ob sie positiv oder negativ ausfällt.

Es fühlt sich für mich immer sehr gut an, wenn jemand versucht, zu verstehen was ich mache. Egal ob sie es hassen oder lieben. Das finde ich besser als so ein Mittelding.

Seine Erfahrungen zu teilen, kann einen Heilungsprozess ergeben und da können Musik und eine Therapie einen sehr ähnlich Effekt haben. Wenn ich über Scheidung oder den Tod singe und jemand im Publikum reagiert emotional darauf, dann fühle ich mich nicht mehr allein damit. Das liebe ich und das möchte ich niemals aufgeben.

Geteiltes Leid ist eben halbes Leid und so teilt William Fitzsimmons seine traurigen Erlebnisse mit seinem Publikum. Da will man liebsten direkt zur Gitarre greifen und es selbst mal ausprobieren mit dem Songwriting. Einfach ein paar Lieder schreiben, in denen man von seinen schlechten Zeiten erzählt und schon ist alles nur noch halb so schlimm. Fitzsimmons rät zwar dazu, es auszuprobieren, weiß aber, dass viele das Songschreiben unterschätzen.

Ich glaube jeder kann Songs schreiben. Solange man ehrlich ist, kann man darüber belastende Dinge los werden. Aber das ist viel schwieriger als viele Leute denken, denn wir belügen uns ständig selber.

Seit einigen Jahren versucht Fitzsimmons sich über das Songschreiben von schwierigen Lebensphasen zu lösen. So hat er mit seinem Album Goodnight von 2006 die Scheidung seiner Eltern verarbeitet und mit The Sparrow and the Crow von 2008 seine eigene. Für Fitzsimmons beginnt das Ende einer Krise also damit, dass er Lieder darüber schreibt.

Für mich ist ein Song der Anfangspunkt, an dem ich herausfinde, was ich falsch gemacht habe und wie ich es das nächste mal besser machen kann. Wenn man sich vergibt kann man auch wieder ein friedliches Verhältniss aufbauen. Ich habe ein Lied geschrieben, das heißt „Please Forgive Me“. Aber bis ich persönlich zu der Person hingegangen bin und gesagt habe „Bitte vergib mir.“, hatte ich mit der Sache nicht abgeschlossen. Also ist Musik für mich immer ein Anfangspunkt.

Und dabei sollte es keine Rolle spielt in welchem Gewand die Songs am Ende erscheinen. Fitzsimmons ist es wichtig, offen für jede Form der Musik zu sein. Auch für Popmusik. Das war aber nicht immer so, sagt er.

Ich finde es gibt genug Raum für verschiedenste Formen der Musik. Ich war früher echt ein Arschloch und habe gesagt „Popmusik is schlecht, Folkmusik ist super. Aber Beyonce zum Beispiel ist großartig. Ich finde, wer hochnäsig an Musik heran geht hat nicht verstanden, worum es geht. Es geht nicht darum, das Coolste zu finden, sondern zu merken, dass man über Musik etwas erleben kann, das mehr bedeutet als das reine Wort.