Mutmaßliches Attentat auf Maduro

„Die große Mehrheit glaubt ihm kein Wort mehr“

In Venezuelas Hauptstadt Caracas soll es gestern während einer öffentlichen Veranstaltung einen Attentatsversuch auf den Präsidenten Nicolás Maduro gegeben haben. Doch es gibt Zweifel am Bericht der Regierung.

Die Regierung in Venezuela spricht von einem Anschlag auf den Präsidenten durch bewaffnete Drohnen. Zu Schaden gekommen ist der autoritär regierende Sozialist Nicolás Maduro dabei nicht. Viele Beobachter halten diesen Bericht jedoch für unglaubwürdig. Zum Beispiel spricht die Feuerwehr vor Ort von einem explodierten Gasbehälter in einem Wohnhaus. Andere Augenzeugen beteuern zudem, keine Drohnen gesehen zu haben. Die Regierung von Präsident Maduro hindert das aber nicht daran, sechs Festnahmen zu veranlassen. Zudem beschuldigt er den kolumbianischen Staatspräsidenten und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos der Tat.

Widersprüchliche Aussagen – die Zweifel bleiben

Schon seit einiger Zeit verschlimmert sich die Lage in dem lateinamerikanischen Land immer mehr.  Der IWF prognostiziert derzeit eine Hyper-Inflation von einer Million Prozent. Das sorgt mitunter dafür, dass Preise rasant ansteigen und die Währung zunehmend an Wert verliert. Doch selbst wer genug Geld hat, kann sich kaum etwas kaufen. Venezuela befindet sich im äußersten Versorgungsnotstand.

Extremer Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten

Viele Menschen sehen keinen anderen Ausweg, als in die Nachbarländer zu fliehen. Nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration sind mittlerweile etwa 551.000 Menschen aus Venezuela nach Kolumbien geflohen. Reporterin Nicole Anliker war erst vor wenigen Tagen in der kleinen Grenzstadt Cúcota, durch die täglich etwa 2.000 bis 3.000 Venezolaner nach Kolumbien einreisen.

Ich habe in Cúcota mit einer Frau gesprochen, die 15 Stunden an der Grenze entlanggelaufen ist, um nach Kolumbien zu kommen. Sie war unterwegs mit ihrer anderthalbjährigen Tochter, sie selbst im siebten Monat schwanger und lebt jetzt ohne jegliche Hilfe auf der Straße. Sie hat mir gesagt, dass für sie das Leben in Kolumbien dennoch besser wäre, weil sie hier wenigstens Essen bekäme. – Nicole Anliker, Auslandskorrespondentin Lateinamerika der NZZ

Über die derzeitige Lage in Venezuela hat detektor.fm-Moderatorin Bernadette Huber mit Nicole Anliker gesprochen. Sie ist Auslandskorrespondentin für Lateinamerika der NZZ.

Die Regierung in Venezuela vertuscht seit Jahren Informationen, gibt Fehlinformationen heraus und unterdrückt Regierungskritiker. Das hat zu einem Klima geführt, in dem die Leute niemandem mehr glauben.Nicole Anliker 

Redaktion: Valérie Eiseler