Nach NRW-Landtagswahl: Was wird aus der SPD?

"Martin Schulz war ein Soufflé"

15.05.2017

In Nordrhein-Westfalen hat die SPD bei der Landtagswahl viele Stimmen verloren. Zum dritten Mal in diesem Jahr triumphiert damit bei einer Landtagswahl die CDU. Die SPD-Vorsitzende in NRW, Hannelore Kraft, ist noch direkt am Wahlabend zurückgetreten. Ist diese Niederlage das Ende der Hoffnungen für die SPD bei der Bundestagswahl?

NRW-Landtagswahl: In der Heimat verschmäht

Die NRW-Landtagswahl am Wochenende ist für die SPD eine große Niederlage gewesen. Noch nie zuvor musste die Partei in ihrem „Heimatland“ ein derart schlechtes Ergebnis akzeptieren. 31,2 Prozent der Wähler stimmten für die SPD. Die CDU hingegen ist mit 33 Prozent an der SPD vorbeigezogen.

Es sind über 300.000 Wähler von der SPD zur CDU rübergegangen. – Hajo Schumacher, freier Journalist und Autor

Kraft geht, Laschet kommt

Die Niederlage der SPD ist auch eine persönliche Niederlage für Hannelore Kraft. Die einstige Ministerpräsidentin hat ihren Posten direkt geräumt. Auch alle anderen Ämter, die sie in der SPD bekleidet hat, hat sie niedergelegt.

Indes ist die Landtagswahl für CDU-Kandidat Armin Laschet der bisher größte Erfolg seiner Karriere. Er wird höchstwahrscheinlich der neue Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen.

Armin Laschet war immer ein Merkel-Getreuer und das hat sich für ihn positiv ausgezahlt, weil Merkel ja gerade in den Umfragen ein Comeback erlebt. – Hajo Schumacher

Kurzer „Schulz-Effekt“

Über die Aussagekraft von Landtagswahlen im Bezug auf die Bundestagswahl wird in diesen Tagen kräftig spekuliert. Angesichts der dritten Wahl-Niederlage der SPD auf Landesebene ist jedoch zumindest eine richtungsweisende Tendenz erkennbar.

Die Umfragewerte der ältesten Partei Deutschlands liegen schon seit Jahren bei unter 30 Prozent. Im Januar 2017 konnte die SPD dann jedoch in wenigen Wochen zehn Prozent aufholen. Martin Schulz als Kanzlerkandidat hat der Partei zu Rekord-Umfragewerten verholfen. Doch dieser „Schulz-Effekt“ scheint spätestens seit Sonntag abgeebbt zu sein.

Gründe der Niederlage

Die Erklärungen für den Sinkflug der SPD sind vielfältig. Viele Wähler werfen Martin Schulz vor, dass er keine konkreten Inhalte und Alternativen vorweist.

Wir müssen konkret werden und deutlich machen, was uns abgrenzt von der Union. – Juso-Chefin Johanna Uekermann

Über die NRW-Landtagswahl und ihre Konsequenzen für die SPD hat detektor.fm-Moderatorin Doris Hellpoldt mit Hajo Schumacher gesprochen. Der gebürtige Nordrhein-Westfale lebt als freier Journalist und Autor in Berlin und beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der SPD. Er hat unter anderem zusammen mit Klaus Wowereit und Malu Dreyer Bücher veröffentlicht.

Journalist und Kolumnist bei Spiegel Online.Sie haben keinen klaren Innenpolitiker. Beim Thema Innenpolitik, da fehlen Leute, da fehlen Programme, da fehlen Ideen. Hajo Schumacher sieht in der Wahlkampfausrichtung der SPD einen Grund für ihre Niederlage. 

Redaktion: Charlotte Glück