Taliban bitten NGOs um Unterstützung

Terror-PR: Hilfsbereite Taliban?

07.03.2017

Die Taliban bitten Hilfsorganisationen um Unterstützung für die afghanische Bevölkerung, welche von einem harten Winter betroffen ist. Mit diesem überraschenden Entschluss will die Terrormiliz ihr Image bei der Bevölkerung aufbessern. Dabei galten NGOs und Helfer bisher als Ziel und besonders gefährdet.

Überraschendes Versprechen

Die Terrormiliz der Taliban verübt in Afghanistan mehr als doppelt so häufig Anschläge auf Zivilisten und Hilfsorganisationen wie auf Regierungstruppen. Nun geben die radikalen Taliban jedoch ein überraschendes Versprechen: Internationale Hilfsorganisationen sollen den notleidenden Afghanen helfen und dabei nicht angegriffen werden. Die Talibanführung hat all ihren Kämpfern befohlen, den Entwicklungshelfern die „notwendige Sicherheit zu bieten.“

Man kann nicht verallgemeinern, dass grundsätzlich Taliban die Arbeit von NGOs behindert haben. Das muss man von Region zu Region sehen. Es gab auch immer Absprachen, sodass humanitäre Hilfe möglich ist. – Nicole Birtsch, Forschungsgruppe Asien bei der Stiftung Wissenschaft und Politik

Was bedeutet der Winter in Afghanistan?

Nach einem harten Winter in Afghanistan fehlt es vielen Menschen an grundlegenden Dingen wie Nahrung, Strom und Wasser. Solche strengen Winter hat es bereits zuvor gegeben. Schon 2012 haben die harten klimatischen Verhältnisse mehrere Todesopfer gefordert.

Das Problem: Es fehlt an Unterkünften und Heizmöglichkeiten. Dieses Jahr ereilte das Land dann noch ein schweres Lawinenunglück in der indischen Kashmir-Region. Auch das ist leider kein Einzelfall gewesen.

Imagewandel bei den Taliban?

Durch die Entscheidung der Talibanführung, Hilfsorganisationen ungehindert handeln zu lassen, scheint die Terrormiliz ihr Image bei der Bevölkerung aufbessern zu wollen.

Die Taliban versuchen sich mehr Legitimität bei der Bevölkerung zu verschaffen. Damit wollen sie zeigen, dass sie sich für die Bevölkerung in Afghanistan einsetzen. Es ist ein Mittel, um für die Bewegung Werbung zu machen. – Nicole Birtsch

Jedoch ist ungewiss, wie viel Vertrauen in dieses Versprechen gesteckt werden kann. Denn vor wenigen Monaten gab es eine ähnliche Meldung. Dennoch wurden Mitarbeiter des Roten Kreuzes entführt und getötet. Dieser Angriff könnte jedoch auch von der Terrormiliz Islamischer Staat ausgegangen sein.

detektor.fm-Moderatorin Carina Fron hat mit Nicole Birtsch darüber gesprochen. Sie ist Wissenschaftlerin bei der Forschungsgruppe Asien der Stiftung Wissenschaft und Politik.

Nicole Birtsch, Wissenschaftlerin Asien, Stiftung Wissenschaft und PolitikUnter den Terrororganisationen bestand der Verdacht, dass die NGOs als Spione und nicht allein als Hilfsorganisationen tätig sind. Oder dass westliche NGOs westliche Werte in die Regionen bringen wollen. Das ist bei einigen Taliban nicht gut angesehen.Nicole Birtschist Wissenschaftlerin bei Forschungsgruppe Asien der Stiftung Wissenschaft und Politik. 

Redaktion: Thomas Weinreich