Wahl in Frankreich: Benoît Hamon ist Kandidat der Sozialisten

Ist er chancenlos?

30.01.2017

"Sozial-Utopist", "Außenseiter" und "Sieger der jungen Linken". Benoît Hamon überrascht und sorgt mit seinem Programm für viel Stimmung bei Frankreichs Linken. Was hat er vor und wie stehen seine Chancen?

Sommer 2012: Die Sozialisten in Frankreich feiern. Francois Hollande schlägt Nicolas Sarkozy in der Stichwahl und wird neuer französischer Präsident. Zusätzlich erringen die Sozialisten bei der Parlamentswahl die absolute Mehrheit und sind die stärkste Partei des Landes.

Knapp fünf Jahre später hat sich die Lage für Frankreichs Linke um 180 Grad gedreht: Francois Hollande bringt eine sehr unglückliche Amtszeit zu Ende und verzichtet auf eine weitere Kandidatur. Nur wenige seiner Versprechen hat er halten können, die Glaubwürdigkeit der Sozialisten ist dahin.

Benoît Hamon schägt Manuel Valls

Der französische Präsident und sein Premierminister Manuel Valls stehen symbolisch für eine Politik, die im unübersichtlichen Dickicht aus Terroranschlägen, Eurokrise und Rechtspopulismus viel versucht, aber wenig geschafft hat. Von sozial-motivierter Politik gibt es wenig Spuren in den letzten fünf Jahren.

Um das Ruder wieder herumzureißen, hat die Partei nun Benoît Hamon als Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im Mai gewählt. In der Stichwahl setzte er sich deutlich gegen Manuel Valls durch. Der Vertreter des linken Flügels spart wie sein Vorgänger Hollande nicht mit ambitionierten Forderungen.

Manuel Valls ist programmatisch himmelweit von Benoît Hamon entfernt. – Dominik Grillmayer, Politologe

Sein Programm unterscheidet sich grundsätzlich vom wirtschafts- und arbeitgebernahen Kurs seines Kontrahenten. Neben einem bedingungslosen Grundeinkommen macht er sich unter anderem dafür stark, dass die im Sommer 2016 durchgedrückte Reform des Arbeitsrechts zurückgenommen wird. Hunderttausende Menschen haben damals in Frankreich vergeblich dagegen demonstriert.

Rückhalt in der Partei fehlt

Obwohl sich der ehemalige Bildungsminister bei der Stichwahl deutlich durchgesetzt hat, ist die sozialistische Partei gespalten. Die entthronten Chefs Hollande und Valls gestehen ihre Niederlage ein, tun sich jedoch schwer damit, den neuen Kandidaten zu unterstützen. Zu links und zu radikal ist der neue Kurs, um die komplette Partei hinter sich zu bringen. Im Rennen um das Amt des Präsidenten hat Benoît Hamon deshalb ein schweres Los.

Er gilt als Außenseiter, aber das wäre nach der Amtszeit von Francois Hollande jedem sozialistischen Kandidaten so ergangen. – Dominik Grillmayer

Dominik Grillmayer räumt dem neuen Anführer der Linken eher Außenseiterchancen für die Wahl im Mai ein. Der Politologe forscht am deutsch-französischen Institut in Ludwigsburg zur politischen Entwicklung in Frankreich. Wie sich der Kandidat der Sozialisten im Vergleich zu den anderen Kandidaten positioniert und mit welchem Programm er Frankreichs Sozialisten doch zum Wahlerfolg führen könnte, erklärt Dominik Grillmayer im Gespräch mit detektor.fm-Moderatorin Doris Hellpoldt.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEr ist schon ziemlich grün angehaucht. Die Ökologie spielt eine wichtige Rolle in seinem Programm.Dominik Grillmayeranalysiert Benoît Hamons Programm und Chancen.