Ein Bauer aus Peru verklagt den Weltkonzern RWE

Bis alle Dämme brechen

25.11.2016

Wenn nicht er, wer dann? Das hat sich ein Bauer aus den Anden beim Anblick des schmelzenden Gletschers vor seiner Haustür gedacht. Nun zieht er deshalb in Deutschland gegen den vermeintlichen Verursacher vor Gericht: den Energie-Konzern RWE.

RWE und die Angst vor der Flut

An Orten wie dem peruanischen Huaraz fällt es schwer, die Augen vor den Folgen des Klimawandels zu verschließen. Das kleine Andenstädtchen liegt unterhalb eines Gebirgssees, der sich zusehends mit Gletscherwasser füllt. Schmilzt der Gletscher weiter, wird der Staudamm dem Druck eines Tages nachgeben und eine Flutwelle auf Huaraz zurollen.

Saúl Luciano Lliuya ist Bauer und Bergführer in Huaraz. Seit Jahren kann er auf seinen Touren zusehen, wie der Wasserspiegel steigt. Der Klimawandel ist ein globales Problem, denn Kohlenstoffdioxid schert sich nicht um Ländergrenzen.

Deshalb legte Lliuya 15.000 km von Huaraz nach Essen zurück, um den deutschen Energie-Konzern RWE vor dem Landesgericht zur Verantwortung zu ziehen. RWE ist weltweit aktiv und dient hier als Stellvertreter für ein größeres Problem.

Es geht nicht nur um Saúl Luciano Lliuya und seine Gemeinschaft, sondern um viel mehr. Das könnte ein Präzedenzfall werden, der ein klares Signal sendet. – Noah Walker-Crawford, Germanwatch

Ein neuer Präzedenzfall?

Dabei wird Lliuya durch die Nichtregierungsorganisation Germanwatch unterstützt. Sie setzt sich für mehr globale Gerechtigkeit auf sozialer, ökologischer und ökonomischer Ebene ein. Gerade der Klimawandel steht dabei im Fokus. Germanwatch arbeitet eng mit Einzelpersonen, Entwicklungs- und Umweltorganisationen, Gewerkschaften, Unternehmen und dem Verbraucherschutz zusammen.

Auch wenn das ganze sehr abstrakt klingt: Umweltschäden können recht genau berechnet und den jeweiligen Verursachern zugeordnet werden. Doch bislang wurden solche Forderungen nicht juristisch durchgesetzt. Gewinnt Lliuya das Verfahren, wäre das Urteil ein Präzedenzfall für weitere milliardenschwere Klagen.

Dann müssten sich Unternehmen darauf gefasst machen, von Einzelpersonen für ihre Umweltsünden zur Rechenschaft gezogen zu werden. Im Fall von Huaraz geht es um eine Forderung von 17.000 Euro zur Finanzierung von präventiven Maßnahmen und 6.300 Euro zur Selbsthilfe.

Noah Walker-Crawford ist bei Germanwatch Berater für die Themen Peru und Klima. detektor.fm-Moderator Christian Eichler hat mit ihm über den Fall und die Signalwirkungen für Umweltsünder gesprochen.