Wie einflussreich ist Social Media im Tourismus? Und kann Overtourism eine Chance sein, Tourismus zukünftig anders zu gestalten? Der Tourismusforscher Harald Pechlaner im Gespräch.
Sommer, Sonne, Urlaub. Was für die einen eine Zeit der Erholung und Eintauchen in Neues bedeutet, stellt für die anderen Einschränkungen und Fremdfühlen in der eigenen Stadt oder Region dar: In den vergangenen Monaten hat es immer wieder Berichte über Proteste von Einheimischen in Touristenhochburgen gegeben. Durch Digitalisierung und soziale Netzwerke wird das Phänomen des Overtourism verstärkt. Doch wie groß ist der Einfluss von Social Media wirklich? Häufig führen Reiseunternehmen selbst Befragungen durch. Bei einer Umfrage von HolidayCheck gaben zum Beispiel knapp 70 Prozent der befragten Unter-27-Jährigen an, vor dem Reiseantritt gezielt Orte für Postings in den sozialen Medien zu suchen. Warum ist das so?
Zum einen natürlich durch die zunehmende Digitalisierung, durch die technologischen Entwicklungen, zum anderen durch einen Vertrauensverlust.
Harald Pechlaner
Harald Pechlaner forscht als Leiter des Lehrstuhls für Tourismus an der Katholischen Universität Eichstätt Ingolstadt sowie am privaten Forschungszentrum Eurac Research. Er ist überzeugt, dass es durch die multiplen Krisen der Gegenwart und durch die Art, wie auf Social Media kommuniziert wird, zu einem Vertrauensverlust in Institutionen, aber auch in das gesellschaftliche Miteinander komme. Und das sei der Moment, wo die Forschenden beobachten, dass die Personalisierung über Social Media dazu beitragen könne, wieder Vertrauen zu schaffen, insbesondere durch Influencerinnen und Influencer mit einer persönlichen Ansprache und Glaubwürdigkeit. Das wirke sich dann auch nachweislich auf die Urlaubsplanung von breiten Bevölkerungskreisen aus. Daher entwickle sich das Social-Media-Marketing bzw. das Tourismus-Marketing generell gerade entscheidend weiter.
Traditionelles Tourismusmarketing gibt es eigentlich gar nicht mehr.
Harald Pechlaner
Das digitale Marketing habe im Grunde übernommen, und es brauche ganz andere Strategien und Tools, um die Zielgruppen zu erreichen, sagt Harald Pechlaner. Selbst der Begriff der „Zielgruppe“ stehe zur Diskussion. Es gehe um eine neue, eine andere Form von Marketing. Gleichzeitig sei wichtig, eine andere Form von Vertrauen aufzubauen und „die persönliche Note“ zu stärken, also ein auf den Reisenden zugeschnittenes Angebot. Und da kämen dann die Reise-Influencerinnen und Influencer ins Spiel.
Wie sich das Tourismus-Marketing verändert und warum er Overtourism als Chance für einen neuen und vor allem auch nachhaltigen Tourismus begreift, darüber spricht Harald Pechlaner in dieser letzten Folge zum Schwerpunkt Tourismus des „brand eins Podcasts“ mit detektor.fm-Moderator Christian Bollert.