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Flüchtlinge vs. Arbeitsmarkt: Wie Zeitarbeit bei der Integration helfen kann

„Niemand hat so viel Erfahrung bei der Integration von Menschen in Beschäftigung wie die Zeitarbeit.“

Bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt kann man viele Fehler machen. Darum ist es wichtig, dass ein Profi am Werk ist. Integration ist weit mehr als ein Sprachkurs“, weiß Ariane Durian, Bundesvorsitzende des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ). Sie kennt sich aus mit der Integration ausländischer Arbeitskräfte – fast jeder vierte Beschäftigte in der Zeitarbeit hat schon heute ausländische Wurzeln. Im Interview spricht Adriane Durian darüber, wie die Zeitarbeitsbranche bei der Eingliederung von Flüchtlingen helfen könnte.

Keven Nau: Frau Durian, was gehört Ihrer Meinung nach neben Sprachkursen zu einer erfolgreichen Flüchtlingsintegration?

Ariane Durian: Sprachkurse sind schon ein sehr zentrales Element in der Integration, denn die Sprache ist der Schlüssel zu allem anderen, was wir gerade auch den Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen, vermitteln müssen. Es ist wichtig, ausländische Beschäftigte Stück für Stück mit unserer deutschen Kultur vertraut zu machen. Damit meine ich nicht, dass wir ihnen unsere Lebens- und Arbeitsform aufdrängen sollen. Verständnis für die Lebensart und auch das Arbeitsumfeld des anderen sind aber wichtig, um Konflikte zu vermeiden.

Dazu gehören auch vermeintlich kleine Dinge, die zwar für uns selbstverständlich sind, für Menschen, die unfreiwillig von zuhause vertrieben worden sind und zu uns kommen, jedoch gänzlich unbekannt sein können, wie etwa die üblichen Pausenzeiten oder die örtlichen Regeln zur Mülltrennung. Gerade wenn ein ausländischer Kollege noch nicht lange in Deutschland lebt, muss ihn in der ersten Zeit jemand unterstützen.

Gleichzeitig gilt es herauszufinden, welche Qualifikationen der Mensch, der da vor einem sitzt, tatsächlich mitbringt. Es ist ja auch Niemandem damit gedient, wenn er einfache Helfertätigkeiten ausübt, obwohl er eigentlich ganz andere Talente hat. Insofern gilt es, Schul- und Berufsabschlüsse sowie informelle Fähig- und Fertigkeiten zu erfragen und zu prüfen, welchen Standards diese Abschlüsse hier bei uns entsprechen. Und schließlich dürfen Sie auch die psychologische Seite nicht aus den Augen verlieren. Nicht wenige Flüchtlinge kommen traumatisiert bei uns an, angesichts der Dinge, die sie in ihrer Heimat oder auf der Flucht erleben mussten.

Keven Nau: Das klingt ziemlich kompliziert.

Ariane Durian: Bei der Integration von Flüchtlingen kann man in der Tat viele Fehler machen. Darum ist es wichtig, dass ein Experte das begleitet. Ich glaube, dass es gerade für kleine und mittelständische Unternehmen nicht durchführbar ist, diese Arbeit für einzelne Flüchtlinge mal ebenso nebenbei zu erbringen. Dabei wäre die Integration doch gerade in diesen kleineren Einheiten ungleich effektiver zu leisten.

Die Lösung: Zeitarbeitsunternehmen können diese Integrationsleistung für andere Unternehmen erbringen. Das kann klassisch in der Rechtsform der Arbeitnehmerüberlassung stattfinden. Oder man löst es in Form einer Personalvermittlung mit nachgelagerter Betreuung des Mitarbeiters durch den Personaldienstleister. Angesichts des Arbeits- und Fachkräftemangels gilt es hier innovative Wege zu beschreiten.

Keven Nau: Sind alle Zeitarbeitsunternehmen in der Lage, diese Aufgaben so wahrzunehmen?

Ariane Durian: Niemand hat so viel Erfahrung bei der Integration von Menschen in Beschäftigung wie die Zeitarbeit. Und gleichzeitig hat auch niemand so viel Erfahrung mit der Beschäftigung von ausländischen Mitarbeitern wie die Zeitarbeit. Das sind schon einmal sehr gute Voraussetzungen. Wir wissen, dass es für viele Mitarbeiter wichtig ist, sie an den ersten Arbeitstagen zum Kundenunternehmen zu begleiten. Viele Zeitarbeitsunternehmen bieten einen Fahrdienst an, holen ihre Mitarbeiter morgens also zuhause ab. Wenn nötig, gibt es vorab noch einen telefonischen Weckruf.

Unsere Personaldisponenten helfen auch bei Problemen mit Behörden oder anderen Notlagen. Das dauert natürlich länger, wenn jemand nur gebrochen Deutsch spricht – ist dann aber umso wichtiger. Darüber hinaus bietet der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen seinen Mitgliedsunternehmen und deren Mitarbeitern Seminare an, die sie zu Integrationsexperten qualifizieren. So sind sie vorbereitet auf die Themen, die ich gerade benannt habe. Dazu gehören dann auch die rechtlichen Rahmenbedingungen der Ausländerbeschäftigung. Gleichzeitig werden wir parallel auch im Verband unsere arbeitsmarktpolitische Expertise hauptamtlich ausbauen und dort eine neue Stelle schaffen, die sich auch mit den Integrationsproblemen von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt beschäftigen wird.

Keven Nau: Aktuell gilt für Flüchtlinge nach ihrer Ankunft in Deutschland ein 15-monatiges Beschäftigungsverbot in der Zeitarbeit, es sei denn, sie werden in einem Beruf mit Fachkräftemangel beschäftigt. Schränkt das die Möglichkeiten der Branche, Flüchtlinge zu integrieren, nicht enorm ein?

Ariane Durian: Ja, das ist sicherlich eine unnötige Diskriminierung der Zeitarbeit. Wir argumentieren daher gegenüber der Politik offensiv damit, dass wertvolle Integrationsleistungen unserer Branche ungenutzt bleiben, wenn wir hier nicht in die Lage versetzt werden, ebenfalls nach drei Monaten im Zuge der Vorrangprüfung Menschen in Arbeit bringen zu können.

Wie oben aber schon geschildert: Wir können als Branche trotzdem im Rahmen der Personalvermittlung tätig werden. In dem Fall kümmert sich das Zeitarbeitsunternehmen um den gesamten Prozess von Personalsuche, Auswahlgesprächen, Anerkennung der ausländischen Berufsausbildung, Vorqualifizierung und Vermittlung. Anschließend wird die Arbeitskraft direkt im Kundenbetrieb angestellt und gegebenenfalls weiter betreut.

Das ist möglich, sobald ein Flüchtling eine Arbeitserlaubnis hat. Unternehmen können also auch schon früher auf die umfangreichen Dienstleistungen von Personaldienstleistern zurückgreifen und müssen sich nicht selbst mit dem sehr zeitaufwändigen Rekrutierungsprozess beschäftigen.

Keven Nau: Wie hoch schätzen Sie denn das Beschäftigungspotenzial der Flüchtlinge ein, die zu uns kommen?

Ariane Durian: Sicherlich haben die vergangenen Monate etwas an Ernüchterung gebracht, was die beruflichen Qualifikationen der Menschen angeht, die zu uns kommen. Nur deutlich unter zehn Prozent der Flüchtlinge sind laut Einschätzungen des Bundesarbeitsministeriums in der Lage, kurzfristig bei uns eine Beschäftigung aufzunehmen. Viele junge Menschen ohne Berufsausbildung erreichen unser Land.

Es wäre sicherlich das falsche Signal, diese Menschen in einer unqualifizierten Helfertätigkeit zu „parken“. Hier gilt es Talente zu erkennen und Bildung zu organisieren. Wie genau das funktionieren kann, müssen wir in den nächsten Monaten erproben und herausfinden. Es ist viel in Bewegung derzeit. Die Zeitarbeitsbranche steht jedenfalls bereit und wird diese Herausforderung angehen.

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