Was wichtig wird | Der Monsanto-Bayer-Deal: Eine Analyse

Fragliche Übernahme

Es ist der bislang größte Deal, den ein deutsches Unternehmen im Ausland abgewickelt hat: Die geplante Übernahme des Saatgutherstellers Monsanto durch die Bayer AG. Monsanto ist Branchenführer und innovativ – aber in vielerlei Hinsicht umstritten. Wird sich Bayer mit diesem Deal einen Gefallen tun?

Monsanto und Bayer: Übernahme über Umwege

Im vergangenen September hat die Bayer AG angekündigt, Saatguthersteller Monsanto aufzukaufen – ein riesiges Geschäft, dem lange Verhandlungen vorausgingen. 66 Milliarden Dollar wird Bayer nun zahlen, um den US-amerikanischen Konzern zu schlucken. Oben drauf kommen natürlich die Kosten der langwierigen Integration. Was dabei dann allerdings entstünde, wäre der größte Agrarkonzern der Welt.

Eine Übernahme dieser Größenordnung ruft internationale Kartellbehörden auf den Plan. Insgesamt 30 von ihnen prüfen derzeit, ob der Zukauf mit einem fairen globalen Wettbewerb zusammengeht. Erst wenn das feststeht, wird grünes Licht für den Deal gegeben.

Auch die EU-Kommission hat angekündigt, sich sehr genau mit dieser Übernahme zu beschäftigen: Dabei geht es um die Marktmacht, die Bayer im Saatgut- und Pestizidgeschäft und gegenüber Landwirten weltweit gewinnt.

Lohnt sich der Deal?

Diese Prüfungen ziehen sich noch hin. Und das bis Ende des Jahres. Wertvolle Zeit, die zur Abwicklung des Deals verloren geht – denn nicht nur wegen der Wettbewerbskontrolle ist fraglich, ob der Deal zwischen Bayer und Monsanto glattläuft.

Monsanto ist ein äußerst umstrittener Konzern. Vor allem sein aggressives Geschäftsverhalten gegenüber Bauern, seine stark vorangetriebene Monopolstellung, die Glyphosat-Debatte und sein Fokus auf Gentechnik haben dem Konzern weltweit Feinde eingebracht. Die Bayer AG kauft sich damit auch PR-Probleme ein.

Monsanto forscht viel. Auch deswegen hat Bayer den Konzern ins Auge gefasst. Gerade baut Monsanto – neben Gentechnik – die Digitalisierung in der Landwirtschaft aus: Mit Satelliten, die die Felder überwachen und Sensoren im Boden, die den Landwirten Rückmeldung über richtige Saatzeiten geben können. Das Problem: Es ist fraglich, wann für solche Projekte ein Markt entstanden ist – und so auch Bayer einmal davon profitieren wird.

Es ist ein Unternehmen, was gerade im Umbruch ist. Das macht es auch nicht einfach für Bayer. Wenn man an die Börse guckt, sieht man auch, dass da keine große Euphorie herrscht. Die Aktienkurse beider Konzerne sind jetzt noch deutlich von ihren Höchstständen, die sie vor einigen Jahren hatten, entfernt.Jürgen Salz 

Zumindest Großinvestor Warren Buffett gibt der Übernahme seinen Segen: Er ist gerade bei Monsanto eingestiegen, hat 8 Millionen Aktien kaufen lassen.

Warum Bayer bei dieser Übernahme noch böse Überraschungen drohen können, ist Thema unseres Gesprächs mit Jürgen Salz. Der Redakteur der WirtschaftsWoche hat das Monsanto-Forschungszentrum in Chesterfield bei St. Louis besucht.

Redaktion