Ach, Mensch! | Jona Kayser

Welche neuen Ansätze gibt es in der Krebsforschung, Jona Kayser?

Krebs ist eine der größten medizinischen Herausforderungen unserer Zeit. Doch neue Perspektiven aus der Physik, der künstlichen Intelligenz und der Medizin könnten helfen, Tumore besser zu verstehen und Therapien individueller zu machen.

Volkskrankheit: Krebs

Eine Krebsdiagnose kann das Leben von einem auf den anderen Moment komplett verändern. Statistisch gesehen droht fast jedem zweiten Menschen in Deutschland im Laufe des Lebens eine Erkrankung. Trotz großer Fortschritte in der Medizin bleibt Krebs eine der häufigsten Todesursachen weltweit.

Dr. Jona Kayser vom Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts weiß, dass sich die Forschung in den vergangenen Jahren rasant weiterentwickelt hat. Heute geht es längst nicht mehr nur darum, Tumore möglichst schnell zu entfernen oder mit Chemo- und Strahlentherapie zu behandeln. Forschende entwickeln immer gezieltere und personalisiertere Therapien.

Wir machen ganz fantastische Fortschritte. Wir können mittlerweile z. B. viele Kinder heilen, die an Leukämie erkrankt sind. Vor kurzem konnten wir das noch nicht. Krebs ist immer noch so eine große Herausforderung. Aber das sollte nicht davon ablenken, dass unsere Investitionen und Anstrengungen tolle Früchte tragen.

Dr. Jona Kayser, MPI für die Physik des Lichts

Evolutionsbasierte Therapien

Am Max-Planck-Zentrum für Physik und Medizin in Erlangen erforscht Kayser Krebs aus einer ungewöhnlichen Perspektive: der Physik. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Medizin und Biologie untersucht er, wie sich Tumorzellen verhalten, warum Therapien manchmal scheitern und welche Rolle die physikalischen Eigenschaften dabei spielen. Denn ein Tumor besteht nicht aus einer einzigen Zellart. Durch zufällige Veränderungen entstehen unterschiedliche Zelltypen — darunter auch solche, die gegenüber einer Behandlung resistent sind.

Ein Ansatz der Forschung ist die evolutionsbasierte Therapie. Dabei geht es nicht nur darum, möglichst alle Tumorzellen zu zerstören, sondern die Entwicklung resistenter Zellen gezielt zu beeinflussen. Mithilfe von Mikroskopie, Computermodellen und künstlicher Intelligenz versuchen Forschende, die Dynamik von Tumoren besser vorherzusagen und neue Behandlungsstrategien zu entwickeln. Denn Tumoren haben trotz aller Unterschiede bestimmte gemeinsame Eigenschaften, etwa die räumliche Organisation von Zellen oder die Konkurrenz um Nährstoffe und Platz. Genau diese universellen Mechanismen könnten neue Ansatzpunkte für Therapien bieten.

Wie kann Physik helfen, Krebs besser zu verstehen? Und wie nah ist die Forschung an einer individuelleren Krebsmedizin? Darüber spricht detektor.fm-Moderatorin Jessica Hughes mit Dr. Jona Kayser in dieser Folge von „Ach, Mensch!“.