Martin Goetze war Radsportler in der DDR. Viermal errang er den Meistertitel auf der Straße — zweimal davon als vermeintlich zweitklassiger BSG-Fahrer.
In dieser Ausgabe von „Antritt“ geht es mit Martin Goetze um Radsport in der DDR und seine Siege auf der Straße — trotz seiner „unangepassten Art“.
Martin Goetze wird 1957 in Leipzig geboren und verliebt sich als Jugendlicher ins Rennrad. Beeindruckt von den Leistungen seines Vaters auf dem Rad wird er Radsportler. Allerdings nimmt er dafür nicht den üblichen Weg durch frühe Sichtungen in der Schule. Erst mit 14 Jahren steigt er aufs Rad. Ins DDR-Sportsystem wächst er somit auf einem untypischen Weg, er gilt auch deswegen oft als „unangepasst“. Trotzdem gelingt ihm der Sprung zur SC DHfK in Leipzig, einem Sportclub. Das entspricht im DDR-Radsport der obersten Liga.
Zweimal wird er als sogenannter Clubfahrer DDR-Meister, gewinnt 1981 auch das Vierermannschaftszeitfahren. Trotzdem wird er 1982 aus dem Kader des SC DHfK gestrichen — unter anderem wegen seiner Sympathien für den staatlich verhinderten Star Wolfgang Lötzsch und die Szene der Betriebssportgemeinschaften (BSG), sozusagen der zweiten Liga im DDR-Radsport.
Doch trotz des folgenden Einzugs zum Wehrdienst bei der Nationalen Volksarmee und der Herabstufung zum BSG-Sportler bleibt Goetze ehrgeizig. Oder vielleicht gerade deswegen? Bei der Armee und seinem späteren Arbeitgeber, einem Stahlwerk in Gröditz, werden ihm gute Trainingsbedingungen eingeräumt und so wird Goetze 1985 und 1988 abermals DDR-Meister — zum Missfallen der Trainer der Clubszene. Eine eigentlich in Aussicht gestellte Teilnahme bei den Olympischen Spielen in Seoul bleibt aus. Nach der friedlichen Revolution 1989 fährt Goetze wieder für den SC DHfK und beendet 1994 seine sportliche Laufbahn. Bis heute betreibt er ein Fahrradgeschäft in Leipzig und gehört zu den Organisatoren der Ostseetour, die einmal pro Jahr nonstop von Leipzig bis ans Meer führt.
Anlässlich des Antritt-Treffens am 18. Juli haben Christian und Gerolf mit Martin Goetze über seine Liebe zum Radsport, seine Karriere im DDR-Sportsystem, seine Ansichten zum Thema Doping und weitere Themen gesprochen. Im Anschluss hat Martin Goetze Fragen aus dem Publikum beantwortet, die wir hier ebenfalls wiedergeben.
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