Monopol-Podcast | 200 Jahre Fotografie

Wie hat sich das Medium entwickelt?

Die erste erhaltene Fotografie zeigt den Blick aus seinem Fenster. Vor rund 200 Jahren gelang dem Franzosen Joseph Nicéphore Niépce damit ein Meilenstein der Fotografiegeschichte.

Das Motiv ist ziemlich unspektakulär: ein Dach, ein Schornstein, ein Fensterrahmen. Und doch ist es eine historische Aufnahme — die älteste erhaltene Fotografie überhaupt. Acht Stunden dauerte die Belichtung, mit der der Franzose Joseph Nicéphore Niépce das Bild vor rund 200 Jahren festhielt. Seine Technik nannte er Heliografie, was so viel bedeutet wie „Zeichnen mit der Sonne“.

Die Fotografie war immer schon ein Werkzeug der Illusion.

Sebastian Frenzel, Monopol-Magazin

Foto: Monopol

„Recht früh im 19. Jahrhundert entsteht die Geisterfotografie“, erzählt Sebastian Frenzel, „die wahnsinnig populär ist.“ Oft wird sie mit den großen Kriegen dieser Zeit in Verbindung gebracht: in den USA mit dem Bürgerkrieg, in Europa mit dem Ersten Weltkrieg. „Weil die Menschen mit dem Tod umgehen müssen“, so Frenzel, „Gott stirbt ja laut Nietzsche im 19.Jahrhundert, da muss also jemand anderes den Menschen zeigen, wo die Toten sind. Und die klopfen dann in spiritistischen Sitzungen an oder materialisieren sich in diesem magischen Medium der Fotografie.“

Was sagen Künstlerinnen und Künstler zum Medium?

Zum Jubiläum hat das Monopol-Magazin internationale Fotokünstlerinnen und -künstler nach ihrem persönlichen Lieblingsbild gefragt. Doch welche Fotografien begeistern die Redaktion selbst?

Elke Buhr fasziniert derzeit die Arbeit des Fotografen Akinbode Akinbiyi. Er wuchs in England und Nigeria auf und ist vor allem für seine Streetfotografie bekannt. Seine Bilder zeigen das Leben auf dem afrikanischen Kontinent, in England und in Berlin, wo er seit den 1990er-Jahren lebt.

Seine Serie über das sogenannte afrikanische Viertel finde ich sehr spannend. Mit seinem Blick macht er die Spuren der Migration im Berliner Wedding sichtbar.

Elke Buhr, Monopol-Magazin

Foto: Monopol

Einen etwas anderen Ansatz hat die französische Konzeptkünstlerin Sophie Calle. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich häufig mit Verlust und Schmerz, aber auch mit Nähe und zwischenmenschlichen Beziehungen, die sie auf mitunter voyeuristische Weise erkundet. Die Fotografie dient ihr dabei als dokumentarisches Werkzeug: Sie hält fest, was sie beobachtet und erforscht, um es anschließend zu ordnen und zu katalogisieren.

In dieser Folge von „Kunst und Leben“, dem Podcast in Kooperation mit dem Monopol-Magazin, spricht Sara-Marie Plekat mit Elke Buhr und Sebastian Frenzel vom Monopol-Magazin über 200 Jahre Fotografie. Außerdem berichtet Sebastian Frenzel von seinem Besuch bei Sophie Calle, die ab dem 13.November 2026 ihre Ausstellung „Is It Better?“ im Hamburger Bahnhof zeigt.