brand eins Podcast | Demokratie und Unternehmen 2026

Wirtschaft. Macht. Demokratie.

Welche Rolle haben Unternehmen in Zeiten von Multikrisen und gesellschaftlicher Spaltung? Darauf blicken wir in dieser besonderen Ausgabe aus drei verschiedenen Perspektiven.

Das Jahr 2026 beginnt in dieser besonderen Ausgabe des „brand eins Podcasts“ mit einem Blick in die „Glaskugel“. Wir blicken aus drei verschiedenen Perspektiven auf Wirtschaft, Macht und Demokratie. detektor.fm-Moderator Christian Bollert hat Tatjana Kiel, Marcel Fratzscher und Janina Kugel im Rahmen der Konferenz Wirtschaft, Macht, Demokratie vom Business Council for Democracy, #BC4D, und brand eins in den Räumen der Hertie-Stiftung in Berlin getroffen. Mit ihnen hat er über die Rolle und Strategien von Unternehmen in Zeiten von Multikrisen und gesellschaftlicher Spaltung gesprochen und die drei auch nach ihrer Perspektive und persönlichen Zuversicht für 2026 gefragt.

Eine andere Debattenkultur

Tatjana Kiel ist CEO von Klitschko Ventures und arbeitet gemeinsam mit Unternehmen für Engagement und Demokratie. Sie sagt, für ein besseres Verständnis füreinander und den Zusammenhalt in der Gesellschaft ist es grundlegend, eine Debattenkultur zu erlernen, in der man die Gegenseite auch wirklich hört und Grautöne erkennt. Gleichzeitig sei es aber auch wichtig, klar zu verstehen, wann etwas richtig und wann etwas falsch ist.

Wir reden von Kommunikation und gehen davon aus, dass Zuhören da mit drin steckt. Aber ehrlich gesagt haben wir das total verloren und vielleicht auch nie gelernt.

Tatjana Kiel

Foto. Sascha Ornot

Besser sei, offen für Themen und Lösungen zu sein, anstatt populistische Meinungen voranzutreiben. Für die demokratische Mitte zähle, Dinge nicht kaputt zu reden, sondern gemeinsam nach Lösungen zu suchen und sich grundsätzlich zu fragen: Was brauchen wir?

Mehr Mut der Unternehmen

Marcel Fratzscher ist Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Er ist überzeugt, dass die wirtschaftliche Realität in Deutschland deutlich besser ist als die Stimmung. Das große Problem als Gesellschaft sei eine „mentale Depression“. Wenn Unternehmen kein Vertrauen haben, investieren sie nicht, sagt Fratzscher. Außerdem fordert er ein Ende des unternehmerischen Schweigens gegenüber populistischen Strömungen.

Zu viele Unternehmen ducken sich weg. Und das ist nicht nur feige, das ist wirtschaftlich schädlich.

Marcel Fratzscher

Mut machen Marcel Fratzscher u. a. die vielen hochspezialisierten und innovativen mittelständischen Unternehmen in Deutschland, die langfristig denken.

Radikale Offenheit

Janina Kugel ist ehemaliges Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektorin von Siemens. Sie bringt als Expertin für Personalfragen die Perspektive der Beschäftigten mit. Führung im Jahr 2026 bedeutet für sie radikale Offenheit in der Kommunikation mit Beschäftigen — auch im Umgang mit Fehlern bei Unternehmensentscheidungen. Wenn man in den Austausch mit den Mitarbeitenden gehe, erreiche man auch Solidarität. Das schnelle Anpassen nach Fehlentscheidungen — das könne in Deutschland aber im Vergleich zum Ausland deutlich besser laufen.

Je mehr Unsicherheit, desto schneller muss eigentlich auch die Anpassungsfähigkeit sein.

Janina Kugel

Foto: Eileen Jordan

Welche Rolle haben Unternehmerinnen und Unternehmer für den Zusammenhalt der Gesellschaft? Und: Welche Strategien verfolgen Unternehmen in einer Welt mit vielen gleichzeitigen Krisen? Darüber spricht detektor.fm-Moderator Christian Bollert mit Tatjana Kiel, Marcel Fratzscher und Janina Kugel.

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