Seit Smartphone, Selfie und Social Media verändern sich Schönheitsideale rasant. Welchen Druck übt das aus und wie lässt sich damit umgehen?
Wenn wir Gesichter als schön empfinden, dann geht das ganz schnell. Wir sehen einen Menschen und nehmen ihn als schön wahr. Doch unsere Wahrnehmung sagt immer auch etwas über die Einflüsse aus, denen wir ausgesetzt sind. In den letzten Jahren beeinflusst uns vor allem das Smartphone, das seit der Einführung des iPhones im Jahr 2007 die Art und Weise, wie wir uns ins Gesicht blicken, revolutioniert hat. Denn mit dem Smartphone kam das Selfie, die gestiegene Selbstbeobachtung und die Beurteilung durch ein unkonkretes Publikum in sogenannten sozialen Netzwerken. Auch die Nutzung von Konferenztools wie Zoom und Teams, die seit der Covid-19-Pandemie stark angestiegen ist, beeinflussen unseren Fokus aufs Gesicht — sowohl das eigene wie auch das der anderen Menschen, die wir auf dem Bildschirm sehen.
Dass wir angefangen haben, uns die ganze Zeit auf Videobildschirmen zu sehen und selbst zu beobachten, hat dazu geführt, dass die Nachfrage nach kosmetischen Operationen und Eingriffen rasant gestiegen ist.
Rabea Weihser
Das sagt die freie Journalistin Rabea Weihser. Sie hat unter anderem das Kulturressort bei ZEIT ONLINE geleitet. In ihrem Buch „Wie wir so schön wurden. Eine Biografie des Gesichts“ hat sie sich mit dem Einfluss wirtschaftlicher und politischer Machtverhältnisse auf die Wahrnehmung unseres Gesichts auseinandergesetzt.
Dabei stellt Rabea Weihser fest, dass sich unser Begriff von Schönheit schon immer gewandelt hat und immer auch Produkt der gesellschaftlichen Umstände ist. Dieser Wandel sei aber noch nie so schnell abgelaufen wie in den vergangenen 15 Jahren — beschleunigt durch Selfie und Social Media. Die dort zelebrierte Schönheit ist bekanntlich trügerisch, ist sie doch durch Vorauswahl und Filter optimiert. Das kann zu Selbstzweifeln oder erhöhtem Anpassungsdruck führen. Rabea Weihser empfiehlt dafür den sprichwörtlichen Realitätsabgleich:
Wenn man sich unter echte Menschen begibt, dann hat man komischerweise sofort ein besseres Gefühl für sich selbst.
Rabea Weihser
Warum Augenbrauen so wichtig sind, weshalb sich der Schönheitsdruck bei Männern und Frauen unterscheidet, aber leicht angleicht, welches koloniale Erbe in Schönheitsidealen steckt und wie sich mit all dem umgehen lässt, darüber hat detektor.fm-Moderator Christian Bollert in dieser neuen Folge des „brand eins Podcasts“ mit Rabea Weihser gesprochen.