DAZWISCHEN | Psychotherapie: ein System am Limit

Wie steht es um die seelische Gesundheit in Sachsen-Anhalt?

Sachsen-Anhalt ist Spitzenreiter bei Krankheitstagen. Eine der Hauptursachen: psychische Erkrankungen. Das System: am Limit. Eine Podcastfolge über seelische Gesundheit.

Wie geht es dir, Sachsen-Anhalt?

In Sachsen-Anhalt gibt es bundesweit im Schnitt die meisten Krankentage. Besonders viele davon gehen auf psychische Erkrankungen zurück, sie können für lange Fehlzeiten sorgen. Gleichzeitig ist die Versorgungslage mit therapeutischen Möglichkeiten am Limit. Das Problem gibt es bundesweit. Im ländlich geprägten Sachsen-Anhalt ist das Problem aber besonders groß, sagt Sabine Ahrens-Eipper, Vizepräsidentin der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer. Lange Wartezeiten von mehreren Monaten auf Therapieangebote und lange Fahrwege sind keine Seltenheit. Das alles wird Patienten zugemutet, die dringend Hilfe bräuchten.

Auf einen Therapieplatz wartet man fünf bis sechs Monate. Das ist unheimlich viel Lebenszeit und da wird ganz viel verloren unterwegs.

Sabine Ahrens-Eipper, Vizepräsidentin der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer

Als einen Grund dafür nennt Sabine Ahrens-Eipper die aus ihrer Sicht veralteten Bedarfsplanung, die nicht ausreichend an die tatsächlichen Bedarfe angepasst sei.

Psychotherapie in Sachsen-Anhalt: Weitere Einschnitte drohen

Eigentlich ist für Sabine Ahrens-Eipper klar, was jetzt zu tun ist: Sie fordert eine bessere psychotherapeutische Versorgung, insbesondere für Kinder und Jugendliche. Wenn man Probleme frühzeitig anginge, gäbe es auch weniger Behandlungsbedarf im Erwachsenenalter, sagt sie.
Stattdessen drohen der Psychotherapie in Sachsen-Anhalt aber weitere Einschnitte. Denn die Gesundheitsreform sieht Änderungen zur Beitragsstabilisierung vor, die einige Angebote für Psychotherapie massiv verschlechtern und einschränken könnten.

Das wäre für Sachsen-Anhalt, also ich kann es nicht anders sagen, eine Vollkatastrophe.

Sabine Ahrens-Eipper

Experten gehen davon aus, dass insgesamt ein Fünftel bis ein Drittel der Behandlungsplätze wegfallen könnten. Dabei sei man in den letzten Jahren auf einem sehr guten Weg gewesen, so Ahrens-Eipper.

Seelische Gesundheit im Fokus

In der aktuellen Podcastfolge sprechen Katja und Marie intensiv über die seelische Gesundheit in Sachsen-Anhalt. Sie schauen auf Probleme, Ursachen und Lösungen. Außerdem werfen sie einen Blick auf die politische Lage in Sachsen-Anhalt. Hier ist am 6. Oktober zum ersten Mal ein AfD-Abgeordneter zum Landtagspräsidenten gewählt worden. Leonard hat sich bei Protesten vor dem Landtag dazu umgehört.

Wie es um die seelische Gesundheit in Sachsen-Anhalt steht, was besser laufen muss und wieso die therapeutische Versorgung mehr Vernetzung bräuchte, das alles jetzt in der neuen Folge DAZWISCHEN.

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Anlaufstellen und Hilfe für Betroffene

Gut jeder dritte Mensch ist mindestens einmal im Leben von einer psychischen Krankheit betroffen. Bei psychischen Leiden ist es wichtig, sich Hilfe zu holen. In akuten Notfällen sollte man nicht zögern und sich an die nächste psychiatrische Klinik, die bundesweite anonyme Telefonseelsorge unter 0800 1110111 oder alternativ an den Notruf unter 112 wenden. Der Patientenservice hilft unter der 116117 bei der Suche nach Hilfe und vermittelt Akutsprechstunden. Die Deutsche Depressionshilfe bietet eine Suche für eine Klinik in der Nähe.

Außerdem gibt es viele Beratungsangebote, die bei psychischen Belastungen unterstützen. Dazu zählen zum Beispiel die Selbsthilfekontaktstellen in Sachsen-Anhalt. Unterstützung bieten auch die psychosozialen Beratungsstellen der Caritas, Diakonie oder der AWO. Beratung, Begleitung und Hilfe in Krisensituationen bietet auch der Sozialpsychiatrische Dienst der Landkreise und kreisfreien Städte. Angehörige psychisch erkrankter Menschen können sich an den Landesverband der Angehörigen psychisch Kranker Sachsen-Anhalt wenden.

Der DAZWISCHEN-Podcast

Wir liefern mit „DAZWISCHEN“ im Jahr der Landtagswahl und darüber hinaus ein ausgewogenes, kritisches und differenziertes Bild von Sachsen-Anhalt. Habt ihr Fragen, Anregungen oder Themenwünsche? Engagiert ihr euch und möchtet uns davon erzählen? Schreibt uns eine Mail an dazwischen@detektor.fm oder schickt uns eine Sprachnachricht über WhatsApp an die Nummer 0175 6807345. In unserem WhatsApp-Kanal bekommt ihr zusätzliche Infos. Außerdem empfehlen wir euch den DAZWISCHEN-Newsletter. Hier bekommt ihr jede Woche Hintergrundinformationen, Fotos und Veranstaltungstipps direkt zum Thema.

Der Podcast „DAZWISCHEN“ entsteht im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit der Media Forward Fund gGmbH. Die redaktionelle Verantwortung liegt bei der BEBE Medien GmbH.

Redaktion