Die Frage nach dem Sinn des Lebens galt in der Philosophie lange als zu groß, zu subjektiv und weitgehend unbeantwortbar. Michael Zichy hat trotzdem nach einer Antwort gesucht. Und findet: Nichts ist wichtiger, als anderen wichtig zu sein.
Was ist der Sinn des Lebens? Die zeitgenössische akademische Philosophie geht dieser Frage meist lieber aus dem Weg. Das subjektive Sinnempfinden ist schließlich Gegenstand der psychologischen Forschung, mit der religiösen Dimension setzt sich die Theologie auseinander. Der Philosophie hingegen mit ihrem Streben nach objektivierbaren Maßstäben fällt es schwer, auf die Sinnfrage eine eindeutige Antwort zu finden. Die Zeiten, in denen Philosophinnen und Philosophen auf einen sinnstiftenden Schöpfergott verweisen konnten, sind lange vorbei. Als fast etwas peinlich gelte es, sich heute mit der Sinnfrage zu befassen, sagt der Philosoph Michael Zichy, Professor an der Uni Bonn. Er hat es trotzdem versucht, und eine überraschende Antwort gefunden.
Die Sinnfrage war lange Zeit ein bisschen in der Schmuddelecke der Philosophie.
Prof. Michael Zichy, Uni Bonn
Für Zichy ist die Sinnfrage keine rein private oder psychologische Angelegenheit. In seiner Sinntheorie zählt nicht der einzelne Mensch, der sein Leben als mehr oder weniger sinnvoll begreift. Der Sinn liegt für Zichy vielmehr darin, anderen wichtig zu sein — aus den richtigen Gründen und um seiner selbst willen. Damit begründet Zichy eine neue „Teilhabetheorie des Sinns“, die den gesellschaftlichen und politischen Aspekt der Sinnfrage in den Mittelpunkt stellt.
Nur: Was sind die richtigen Gründe, anderen wichtig zu sein? Kann ein Mafia-Boss ein sinnerfülltes Leben führen? Sind Mütter, die in Care-Arbeit ertrinken, anderen vielleicht zu wichtig? Über all das spricht detektor.fm-Moderatorin Charlotte Thielmann in dieser Ausgabe des „Forschungsquartetts“ mit dem österreichisch-ungarischen Philosophen Michael Zichy, Professor für Philosophische Grundfragen der Theologie und Sozialphilosophie an der Universität Bonn.