Forschungsquartett | Zellalterung

Autophagie: Die Superkraft der Zellen

Die Frage, wie wir den Alterungsprozess verlangsamen und bis ins hohe Alter fit bleiben, treibt Menschen schon sehr lange um. Autophagie spielt bei der Zellalterung eine zentrale Rolle.

Das Forschungsquartett — dieses Mal in Kooperation mit dem Max Delbrück Center für Molekulare Medizin

Autophagie — das Recyclingsystem der Zellen

Autophagie kommt aus dem Griechischen und bedeutet Selbstverdauung. Sie ist ein natürlicher Prozess, mit dem Zellen beschädigte oder nicht mehr benötigte Bestandteile abbauen und wiederverwerten. Beschädigte Bestandteile werden entfernt, der Körper bekommt Energie (z. B. während einer Fastenperiode) und auch das Immunsystem wird unterstützt, weil Krankheitserreger in den Zellen abgebaut werden. Prof. Dr. Katja Simon vom Max Delbrück Center für Molekulare Medizin hat untersucht, wie mithilfe der Autophagie das Altern von Immunzellen verlangsamt werden kann.

Wenn das Immunsystem altert, kann auch der ganze Körper damit altern. Deswegen ist es besonders wichtig, das Immunsystem jung zu halten.

Prof. Dr. Katja Simon, Max Delbrück Center für Molekulare Medizin

Foto: Pablo Castagnola | Max Delbrück Center

Mehr Entzündungen

Autophagie spielt eine wichtige Rolle dabei, Immunzellen funktionsfähig zu halten. Mit zunehmendem Alter nimmt die Autophagie in vielen Zelltypen ab. Das gilt auch für bestimmte Immunzellen und trägt wahrscheinlich zur sogenannten Immunalterung (Immunoseneszenz) bei. Das führt unter anderem dazu, dass Immunzellen mehr Entzündungsproteine ausschütten, was eine chronischen Entzündung im ganzen Körper auslöst. Die wiederum ist die Ursache für Symptome wie Gelenkschmerzen oder Verschlimmerung von neurodegenerativen Erkrankungen wie Demenz. Verminderte Autophagie steht auch in Zusammenhang mit einer geringeren Wirkung von Impfungen im Alter.

Wir haben festgestellt, wenn wir Autophagie-Level wieder erhöhen, dass sich dann auch die Impfantworten wieder verbessern — vor allen Dingen in den Menschen, die eine besonders schlechte Impfantwort hatten.

Prof. Dr. Katja Simon

Alterszipperlein — bald Schnee von gestern?

In Tiermodellen und Zellstudien konnten Maßnahmen wie regelmäßige körperliche Aktivität oder Kalorienrestriktion die Autophagie steigern und teilweise altersbedingte Veränderungen des Immunsystems abschwächen. Ob diese Ansätze die Immunalterung beim Menschen dauerhaft verlangsamen oder sogar umkehren können, ist jedoch noch nicht eindeutig belegt. Prof. Dr. Katja Simon arbeitet daran und bislang sind ihre Forschungsergebnisse vielversprechend.

Redaktion